en wir weg, wo waren wir grad eben noch? Kann doch nicht sein, die ganzen zwei Jahre schmelzen zu einem Klumpen verschwommener Erinnerungen zusammen, kaum klebriger als der letzte Urlaub, der vom Alltag gefressen wurde.Grin|go [ˈgriŋgo], der; -s, -s [span.]: früher im span. Lateinamerika abwertend für Nichtromane, bes. Angelsachse (wahrscheinl. zu span. griego = "griechisch", übertr. auch "unverständlich, fremd"; "Esto es griego para mí."); heute Fremder in Südamerika, der eine nichtromanische Sprache spricht, in Argentinien allgemein für Immigranten, besonders aus Nordamerika, aber nicht aus Spanien, normalerweise nicht mehr als abwertend zu verstehen
Mittwoch, 25. März 2009
Abrechnung mit Argentinien... oder mit Deutschland?
en wir weg, wo waren wir grad eben noch? Kann doch nicht sein, die ganzen zwei Jahre schmelzen zu einem Klumpen verschwommener Erinnerungen zusammen, kaum klebriger als der letzte Urlaub, der vom Alltag gefressen wurde.Montag, 26. Januar 2009
Feindseligkeiten
- Ausreisen aus Argentinien
- Einreisen in Chile
- Fährfahrt über die Magellanstraße

- Ausreichen aus Chile
- Einreisen in Argentinien
Deshalb ist es kein Wunder, dass man für die Fahrt von 600 km ungefähr 13 Stunden braucht, denn die halbe Zeit steht man an der Grenze.
Auf unserer Reise konnten wir wieder einmal nur staunen, wie groß der Mentalitätsunterschied zwischen Argentiniern und ihren chilenischen Nachbarn tatsächlich ist. Gehört und gelesen haben wir so einiges über die seit Ewigkeiten herrschende Feindschaft zwischen den Ländern. Ähnlich wie die nicht ganz ernst zu nehmenden Floskeln der Deutschen über die Niederländer oder die berühmte Städtefeindschaft zwischen Köln und Düsseldorf hielten wir die gegenseitigen Behauptungen über Chilenen und Argentinier für harmlos und abseits jeglicher Realität. Doch während unseres Aufenthalts in Südamerika stießen wir zu unserem Erstaunen hier und da auf hinreichende Hinweise, dass dieser Dorfklatsch durchaus seinen Anspruch auf Wahrheit verteidigen kann.
Die Argentinier seien arogant, faul, überheblich und würden den lieben langen Tag kein Werk geschafft bekommen. Während die Argentinier sich zum Abendessen zu Tisch setzten, schlafen die Chilenen schon tief und fest, um am nächsten Morgen pünktlich und tatkräftig ihr Tagwerk zu beginnen. Zu dieser Zeit dann dreht der Argentinier sich noch einmal genüsslich im Bett um, um dann später irgendwann bei der Arbeit zu erscheinen. Wenn der Argentinier dann einmal dort ist, bekommt er sowieso nichts Vernünftiges auf die Reihe. Daher wird zunächst mal Mate getrunken und über alles Mögliche geredet. Wenn es dann ans Arbeiten geht, so würde dies mit einer Langsamkeit vor sich gehen, die an das Leben eines Faultieres erinnert. Dennoch, die Argentinier sind stolz auf ihre Nation, ihre ausgesprochene Feierlaune und schütteln fast schon mitleidig den Kopf, wenn sie an das Volk jenseits der Anden denken. Die Chilenen seien humorlos und Lebenslust für sie ein Fremdwort. Ausgelassen feiern, tanzen und sich allein des Daseins erfreuen scheine für sie eine Sünde. So erinnert wohl auch ein gern und oft genutzter Spruch für Poesiealben an diesen Kontrast:
"Sei wie das Veilchen im Moose, sittsam bescheiden und rein. Nicht wie die stolze Rose, die stets bewundert will sein."
Wir wundern uns hier und da, wenn zum Beispiel die Argentinier in ihrem Urlaub an den schönsten Orten des Landes stets sich in den Fokus der Fotokamera setzten. Wie oft haben wir erlebt, wie vor wunderschöner Natur endlos lang posiert, ja sogar die Garderobe gewechselt, noch einmal gekämmt und geschminkt wurde.
Ein weiteres Indiz für das gesunde Selbstbewusstsein der Nation scheinen die in jeder Stadt und in jedem Dorf befindlic
hen Kriegsdenkmäler zu sein. Auch hier wird posiert, diesmal jedoch vor ungewollt hässlicher Kulisse. Hier die Nachbildung eines Kampfjets, dort eine Gedenktafel und etwas weiter ein paar Soldatenstatuen. Es scheint, als ob sie nach Ende des Falklandkrieges im Juni 1982 wie Pilze aus den Boden geschossen seien. Warum? Wahrscheinlich um dem Ego der Argentinier wieder auf die Sprünge zu helfen, hatten sie den Krieg ja schmählich verloren, und man sagt, dies sei nicht zuletzt auch auf militärische Selbstüberschätzung zurückzuführen. (Ein Gutes hatte der Krieg zumindest: Die seit 1976 grausam herrschende Militärjunta fand dadurch ihr jähes Ende und machte den Weg frei für Gerechtigkeit und Demokratie - oder so ähnlich...).
Dennoch bleibt das Selbstbewusstsein der Argentinier ungebrochen. Die Chilenen scheinen nicht ganz Unrecht zu haben. Fragten wir zum Beispiel einen Argentinier nach dem Weg, so gab es immer eine Antwort. Oft war die Beschreibung falsch, aber ein Argentinier würde sich wahrscheinlich eher die Zunge abbeißen als zugeben zu müssen, das er es nicht wisse - selbst, wenn es nur um die Frage nach dem Weg geht.
Will man eine Dienstleistung in Anspruch nehmen und spricht auf den Anrufbeantworter einer Schreinerei, beim Arzt oder der Autowerkstatt, so sollte man niemals mit einem Rückruf rechnen. Will man etwas erledigt haben oder in Auftrag geben, so muss man hartnäckig sein und immer wieder Präsenz zeigen. Von alleine kommt der Argentinier dem Kunde niemals entgegen. (Man könnte gemein behaupten, dass der Kunde ihn vom geselligen Mate Trinken abhalte, von daher halte er sich die Kunden stets auf Abstand). Als Kunde bleibte einem da nur Geduld und Ausdauer. Mit böser Miene oder Unzufriedenheit ist einem nicht geholfen.
So auch beim täglichen Einkauf im Supermarkt. Es scheint, als möge die Kassiererin jedes einzelne Produkt auf dem Förderband persönlich begrüßen, so langsam und behutsam geht sie mit Mehl, Nudeln und Schokolade um. Danach noch mit jedem Kunden ein Schwätzchen über Wetter, Kinder oder das gerade gekaufte Produkt ("Ist das wirklich so teuer? Unglaublich"). Dabei bringt sie nichts aus der Ruhe, nicht die lange Schlange, nicht die zu wechselnde Kassenpapierrolle, und auf "Ich-habe-es-eilig"-Bekundungen schon gar nicht.
Zusammengefasst: Es scheint die Gerüchte über die Argentinier beinhalten einen Hauch Wahheit. Die Grenzformalitäten während unserer Fahrt nach Feuerland machen dies deutlich. Auf chilenischer Seite geschieht alles meist zu einem Bruchteil der Zeit, die wir auf argentinischer Seite stehen... und in der Regel doppelt so lange warten.
Wir treffen im Hotel in Rio Gallegos auf die argentinische Hotelbesitzerin, die erst vor drei Jahren wieder herübersiedelte, diesmal mit ihrem chilenischen Mann. Auch sie bestätigt diesen Kontrast, obwohl als Kind selbst in Argentinien aufgewachsen, sei es jetzt oft noch schwierig, sich wieder an die argentinische Langsamkeit zu gewöhnen. Alle Prozesse dauerten schier ewig, alles gehe nur über Freunde oder lange Umwege und ende nicht selten im Chaos. Dass das Hotel unter chilenischem Einfluss steht, bekommen wir am nächsten Morgen zu spüren. Mit Blick auf die Uhr (sie zeigt Fünf nach Zehn), zögert der Angestellte mit der Ausgabe des Frühsück. 'Schließlich sei die Zeit dafür ja schon vorbei.'
Auf die große Frage nach dem "Warum" dieser Unterschiedlichkeit und Feindseligkeit zwischen Argentiniern und Chilenen, kann uns keiner eine genaue Auskunft geben. Es heißt, die Anden seien immer schon eine große und hinderliche Barriere gewesen, den Nachbarn kennenzulernen. Das sei immer nur mit großem und beschwerlichen Aufwand verbunden, den man nur selten auf sich nähme. Auch im Zeitalter der Autos, Busse und trotz asphaltierter Straßen scheint dieses Gespenst irgendwie weiterzuleben. Warum sonst werden am Abend pünktlich um acht Uhr die wenigen Grenzpässe geschlossen und erst morgens um acht Uhr wieder geöffnet?
Weiterführende und aufschlussreiche Artikel findet man hier:
Samstag, 22. November 2008
Des Argentiniers wahre Seele
Und wer jetzt denkt, ich hielte mit den Gauchos, der irrt. Denn was hier abgeht, ist typisch argentinisch, hochmütig und selbstgerecht, kokett und chauvinistisch, Klischee wie es im Buche steht. In den lokalen Medien liest man: "Die argentinischen Fans glüten vor Inbrunst und verwandelten das Stadion 'Islas Malvinas' in einen Hexenkessel. (...) La Bombonera (Stadion von Boca Juniors) eingezwängt in einen Tennisplatz." Was sich hier während der Matches abspielt, habe ich im ganzen Tennis noch nicht gesehen. Das Publikum der Australien-Open und der US-Open, das in der Szene als laut und manchmal unhöflich bekannt ist, weil die Fans schonmal hörbar Partei ergreifen, nimmt sich dagegen wie leise Konzertränge aus. Ununterbrochene Fangesänge, laute Schlachtrufe mit Trommeln und Trompeten begleiten jeden Ballwechsel, gellende Pfeifkonzerte, Zwischenrufe und Buh-Rufe erschallen bei jedem Aufschlagfehler, die Fehler und besonders die Doppelfehler der Gegner werden bejubelt, und sogar während der Aufschlagvorbereitung der Iberer und während der Ballwechsel ebbt das Gegröle nicht ab - ein Tabu im Tennis. Das Westfalenstadion beim Revier-Derby ist nichts dagegen, sowas kannte man vielleicht noch aus den besseren Tagen der DEG an der Brehmstraße, heute allenfalls noch mit der Anfield-Road oder Old Traffor
Aber so ist er eben, der Argentinier, fanatisch und egoistisch, und dazu eben ein wenig heimtükisch und gewissenlos, wenn es um sein Wohl geht. Der Stuhlschiedsrichter hebt beschwichtigend die Arme und bittet unablässig um Ruhe, ohne jeden Erfolg, immerhin versucht auch der argentinische Coach, die Meute zu beruhigen. (Ich habe noch nie einen Tennisschiedsrichter so viel reden hören.) Um so bewundernswerter ist die Ruhe der spanischen Spieler, die nach den ersten drei Partien mit 2 zu 1 führen, da Fernando Verdasco und Feliciano Lopez das Doppel nach Satzrückstand für sich entscheiden (5-7, 7-5, 7-6, 6-3). Morgen stehen die entscheidenden beiden Einzel an, für mich ist die Entscheidung jedoch schon gefallen, Europameisterschaftsfinale hin oder her, egal ob die Iberer hier den ungleichen Kampf gegen tausende Irre gewinnen oder verlieren, sie haben meine ganzen Sympathien. Und jetzt können sie auch mal dem verzweifelten toro gegen übermächtige Toreros nachfühlen.
Mittwoch, 29. Oktober 2008
Wieder auf vier Beinen...
Typisch für die Tangomusik ist das Bandoneon, eine Art Miniakordeon. Mindestens zwei sollte in einem Tangoorchester (Sexteto típico) vertreten sein, hinzu kommen ein Klavier, ein Kontrabass und zwei Violinen.
- Tanzen darf jeder mit jedem, jung mit alt, alt mit schön, schön mit jung und umgekehrt. Luba sagt, dass sei ein generationsübergreifender Ort. "Es spielt keine Rolle, wer du bist. Hauptsache du beherrscht den Tango. Nada mas!" (Mehr nicht.)
- Gespielt werden immer vier Tangostücke. Diese Folge nennt man Tandas, danach folgt ein kurzes Musikstück aus Rock und Pop als Intermezzo. Die gerade eben noch tanzenden Paare verlassen das Parkett.
- Folgt eine neue Tandas, so mischen sich die Paare neu. Dabei nickt der Mann der Frau seiner Wahl kurz zu. Nickt sie zurück, geht der Mann zu ihr und führt sie zur Tanzfläche.
- Beginnt die Musik, stehen die Paare erst mal noch ein Weilchen auf der Tanzfläche, halten ein Schwätzchen, denn spätzestens, wenn getanzt wird, gibt es keine Möglichkeit mehr dazu. Ernst und mit steifer Miene schauen die Tänzer auf ihre Füße. Luba erklärt mir, das habe damit zu tun, dass der Tanz höchste Konzentration erfordert.
- Will jemand nicht zum Tanzen aufgefordert werden, so hat er eine passive Haltung einzunehmen, denn sonst kommt es zu peinlichen Missverständnissen.
- Es gilt als angemessen, mindestens zwei Lieder mit jemanden zu tanzen, auch wenn sich schon beim ersten Takt herausstellt, dass die Wahl ein Fehlgriff war.
Freitag, 24. Oktober 2008
Buenos Aires auf Samptpfoten
Ein Glück, dass ich schon am ersten Tag den so notwedigen Gegenpol entdecke und damit mein Überleben sichere.
Nicht unweit von der Subte-Station Plaza Italia und ebenfalls von meiner Unterkunft fuß
Sonntag, 21. September 2008
Wachturm
Zwar stehen sie nicht wie trostlose, verstaubte Denkmäler an den Bahnhofseingängen der Stadt, dennoch hinterlassen sie auch hier in Argentinien sichtbare Spuren, vor allem in unseren Briefkästen: Die Zeugen Jehovas.Und auch hier stellen sie sich die selbe Frage wie in Deutschland: Wer war Jesus Christus? Ob sie hier eine Antwort bekommen?
Übrigens: Die offizielle Religion Argentiniens ist der Katholizismus, über 90 Prozent der Bevölkerung sind römisch-katholischen Glaubens, der Rest verteilt sich auf Protestanten, Juden, Muslime und 2500 andere verschiedene Religionen und Kulte. So ist zum Beispiel der Pachamama-Kult in den nördlichen Andenregionen eine weitverbreitete Tradition der indigenen Bevölkerung, der einer Religion gleichkommt. Das Wort Pachamama besteht aus den zwei Wörtern pacha (Erde) und mama (Mutter). Die Mutter Erde gilt bei den Quetchua-Indianern als Göttin und Vermittlerin der Ober- und Unterwelt, zu ihrer Huldigung finden auch noch heute zahlreiche Feste und Riten statt.So wird zum Beispiel
Anfang März (andere Quellen sagen am 1. August) eines jeden Jahres das Pachamama-Fest gefeiert. Auf dem Foto sieht man, wie zu Ehren der Mutter Erde die Tiere, hier ein Vicunja (wie das Lama aus der Familie der Kamele) geschmückt werden.
Sonntag, 24. August 2008
Auch in Argentinien gibt es Sudoku
Das unten stehende Sudoku bringt mich zur Verzweiflung, ich finde einfach keine weitere Zahl. Die schwarzen Zahlen sind die vorgegebenen, die gelben Ergebnis meiner bisherigen Berechnungen. Wer mir einen weiteren Lösungsweg (keine Versuch-und-Irrtum-Methode) zeigen kann, gewinnt ...

Hochachtung und Anerkennung!
Donnerstag, 19. Juni 2008
Saca todo Mertesacker!

3 zu 2 gegen die favorisierten Portugiesen im Viertelfinale! Ballack, Poldi, Klose und besonders Schweini haben gezaubert und Deutschland ins Halbfinale geschossen. Geackert hat aber vor allem einer, und das nicht wenig: Mertesacker, der in der deutschen Abwehr so ziemlich alles abräumte. Und genau dieser Mertesacker ist bei spanischsprachigen Kommentatoren extrem beliebt, da wird aus Mertes-acker nämlich Merte-sacker, da sie die Silbentrennung nach Merte- vermuten. Und das reimt sich gut auf saca in "Saca todo Merte-sacka", was im spanischen Fußballjargon so viel heißt wie "Mertesacker räumt alles ab". Und so wurde der Unfehlbare eben zum Running Gag der Kommentatoren auf ESPN und ESPN+ - die uns jedes Spiel der Eurocopa live und doppelt und dreifach ins Haus bringen -, weil die Portugiesen unseren Mertesacker eben gut beschäftigten.
Montag, 16. Juni 2008
Si todo va bien ...
Während der Woche hatte sich der seit März schwelende Konflikt zwischen Bauern und Regierung erneut zugespitzt, das Argentinische Tageblatt berichtete bereits von Rationalisierungen der Lebensmittel in den Supermärkten. Auslöser sind die im März beschlossenen massiven Erhöhungen der Exportsteuern, beispielsweise auf Soja, eines der wichtigsten Exportgüter. Weiter heißt es in der Ausgabe vom 7.6.2008: "'Bis die Bauern und die Regierung den Dialog nicht wieder aufnehmen und wir nicht wieder arbeiten können, werden wir die Straßen blockieren.' Dies teilten die Lastwagenfahrer verschiedener Transportunternehmen von Getreide mit. 'Wir werden die Sperren nicht wie die Bauern aufheben, um zu verhandeln. Wir heben sie erst dann auf, wenn das Problem gelöst ist.' Klare Worte. Das ist eine überraschende Wende im seit rund drei Monaten andauernden Konflikt. Ein neuer Sektor protestiert – und verschärft die Krise." (AT Nr. 31.670)Die Bauern kämpfen gegen die Regierung, die Spediteure protestieren gegen die Bauern, da sie durch deren Streik keine Aufträge mehr bekommen.
"Jeder beschuldigt den Anderen: Die Landwirte machen die Regierung für ihre Unfähigkeit zum Dialog dafür verantwortlich, dass die Transportfahrer nun ebenfalls protestieren. Der Innenminister Florencio Randazzo nannte die Bauern 'autoritär und intolerant'. Und jetzt hat sich zudem die Kirche zu Wort gemeldet. Die Bischöfe versammelten sich am Donnerstag zu einer außerordentlichen Sitzung und teilten darauf in einer Pressekonferenz ihre Angst um den Landesfrieden mit. Die Bischöfe baten dringend darum, dass die Regierung 'Größe zeige' und einen Dialog mit den Bauern führe." (AT Nr. 31.670)
Zu allem Überfluss hatte die Regierung die Situation auch noch mit der kurzzeitigen Verhaftung eines Streikführers verschärft, viele Leute in Buenos Aires machten ihrem Unmut vor dem Regierungspalast casa rosada lauthals Luft. Zum Wochenende hin kam es dann zu ausgedehnten Protesten und Blockaden der wichtigsten Verkehrswege in den Provinzen Entre Rios, Corrientes, Santa Fe, im Chaco und in der Pampa. Die Ereignisse hatten natürlich direkte Auswirkungen auf unsere Rückreise am Samstag, der erste Start unseres Busses endete bereits nach zwei Stunden an der Grenze nach Argentinien, weiterfahren sinnlos. Wir wurden nach Asunción zurück gefahren und kurzfristig in einem Hotel untergebracht, um der Dinge zu harren, die da kommen würden. Meine meist argentinischen Mitfahrer nahmen's mit südamerikanischer Gelassenheit und freuten sich auf eine ruhige Nacht. Si todo va bien ... können wir morgen (sonntags) weiterfahren, die meisten Kollegen würden ohnehin noch rechtzeitig zum Schulbeginn in Buenos Aires eintreffen, da am Montag Feiertag war, nur ich hatte leider ein Rückflugticket von Buenos Aires nach Bariloche im Gepäck, für Sonntagnachmittag!LAN Argentina strich dann zwar einfach mal fünf Flüge auf zwei zusammen und verschob meinen Flug auf Montagmorgen 7.20 Uhr, aber auch dieses Zeitpolster würde nicht ausreichen. Also griff ich notgedrungen ins Portemonnaie und flog gestern, am Sonntag, mit TAM von Asunción nach Buenos Aires, der Spaß kostete mich 300 USD. Damit war aber erst ein Teil des Problems gelöst, denn die für sonntags waren alle Flüge nach Bariloche cancelado, gestrichen worden, wahrscheinlich wegen des Vulkanstaubs (siehe Chile lässt Dampf ab). Heute morgen - bereits den Boarding Pass in der Hand - bekam ich am Gate (!) die Info, dass erst um 7.20 Uhr entschieden würde, ob sie fliegen könnten oder eben nicht. Aha. Argentinien eben. Aber dios me queria volar und ich flog mit etwas Verspätung tatsächlich heim nach Bariloche. Todo va bien.
Samstag, 10. Mai 2008
Kick it like Lorenzo
Samstag, 12. April 2008
Mate ist eine Lebensauffassung
Letztens beim Mate trinken hab ich mir mal wieder gedacht, was wir Deutschen eigentlich für nette Rituale, Sitten und Bräuche haben? Hier in Argentinien trinkt man mehrmals am Tag zusammen Mate, steht beieinander, quatscht gemütlich oder trinkt den Mate auch einfach nur nebenbei in der Fachkonferenz. Ein schönes Ritual, genau so wie das sonntägliche Asado, bei dem die ganze Familie oder sogar die ganze Sippe zuMontag, 14. Januar 2008
...da haben wir doch etwas Wichtiges vergessen
Inzwischen sind wir weiter gereist. Ein kurzer Stopp in "La Plata", der Hauptstadt der Provinz Buenos Aires, erlaubt uns den Anblick der Kathedrale "Inmaculada Concepción". Für eine argentininsche Kirche sieht sie etwas ungewöhnlich aus, fast denkt man irgendwo in Europa zu stehen. Nach Vorbildern aus Deutschland (Kölner Dom) und Frankreich (Notre Dame, Notre Dame d'Amiens) wurde sie 1885 erbaut und gilt als eine der größten Kirchen Südamerikas. Mit ihren 111 m hohen Kirchtürmen erlangt sie jedoch nur Platz 40 in der Weltrangliste der höchsten Kirchen. (Preisfrage: Welche Kirchtürme belegen die ersten drei Plätze?)Am nächsten Tag beglückt der in diesem Jahr erste Anblick des Meeres unser beider Gemüt. Das für uns reservierte Zimmer in einer Hostería in Valeria del Mar können wir erst in fünf Tagen beziehen. Das stört uns jedoch nicht im Geringsten, in der Gewissheit, in Besitz eines Zeltes zu sein. Der Kofferraum unseres Autos ist beinahe so geräumig wie ein Haus, sodass wir uns schnell daran machen die Räume sinnvoll aufzuteilen.
So treffen wir gegen 22.00 am Campingplatz unserer Wahl, "Monte Bubi", in der Nähe von Villa Gesell ein und freuen uns auf unser zu Hause für die nächsten fünf Tage. Um so
entsetzter sind wir beim Anblick des Inhalts der Zelttasche: Heringe en masse, alle 3 Zeltstangen und ein wunderbar großes Außenzelt... Nada más! Es fehlt das Innenzelt, das wahrscheinlich noch in Deutschland liegt. Ohne das ist der Rest nutzlos. Auf die Frage, wie lange der Supermarkt geöffnet sei und ob man dort auch Zelte bekommen könne, reagiert das Personal etwas irritiert. Schnell ist jedoch unsere Not erklärt und hilfsbereit, wie man unter Campern ist, bekommen wir als Provisorium für die kommende Nacht ein superkleines Zelt, wahrscheinlich kleiner als der Grundriss eines französischen
Bettes. Damit Sturm und Regen nicht noch ihr Übriges tun können, um uns um diese Nacht zu bringen, spannen wir dass "deutsche" Außenzelt als Schutz darüber... Gerade im Moment voller Aktivität ko
mmt unser "Nachbar" vorbei und fragt: "¿Ya saben cómo?", frei übersetzt: "Ihr wisst schon, wie man ein Zelt aufbaut, oder?" Zu Recht. Denn das Ding, in dem wir schlafen werden, gleicht weniger einem Zelt, als eher einer Schildkröte, der man einen viel zu großen Panzer aufgesetzt hat. Nach der Erläuterung der Lage scheint das Eis zu unseren Nachbarn gebrochen. Man bietet uns an, im Falle eines Wetterumschwungs Unterschlupf in ihrem Vorzelt zu finden, u
nd so beginnt ein schier endloser Monolog über das Camperdasein in Argentinien mit einigen längeren Abstechern in die Politik des Landes, das Wetter und die Geografie. Während der Ansprache wächst in mir die Verzweiflung so sehr, dass ich fast heulen möchte, so groß ist die Hoffungslosigkeit, je wieder aus den Händen dieses von Sprechdurchfall geplagten Mannes zu kommen. Dennoch gelingt uns das scheinbar Unmögliche zu später Stunde, sodass wir endlich und vollkommen erschlagen in unseren Kokon schlüpfen, um uns am nächsten Morgen einigermaßen erholt ein neues Zuhause zu kaufen. Siehe da!
Samstag, 15. September 2007
Día de la tía und andere Tage in Argentinien!
Wie bei uns gibt es hier neben den rund zwölf staatlichen Feiertagen zunächst einmal den Muttertag und den Vatertag. Aber das schien den Argentiniern offenbar zu wenig und so erfand man kurzerhand neue, wichtige Feiertage im Jahr!
Wenn man sich das Potpourri der angesagten (kommerziellen) Feiertage einmal vor Augen führt, kann man voller Begeisterung ebensolche machen, denn so ein jeder wird sich sicherlich nicht nur einmal im Jahr wie der König fühlen, weil er aufgrund irgendeines Umstandes gefeiert wird.
So empfing ich zum Beispiel am achten März Glückwünsche zum „Día de la mujer“.
Am 20. Juli wollten Marc und ich spontan essen gehen. Doch dies war unmöglich, weil „Día del amigo“ war und alle Restaurants überfüllt waren mit Freunden.
Letzte Woche am 14. September erheiterte uns der „Día del maestro“ (Tag des Lehrers) das Gemüt. Zur Feier des Tages darf ein jeder Lehrer (und zwangsläufig auch seine Schüler) der Schule fernbleiben. Um diesen Tag ausgiebig zu feiern, gab es am Abend für die Lehrer im Casino der Stadt ein Dinner mit Sho
w und Tombola. Nach einem fleischigem Essen und der Verlosung schrie der Entertainer pünktlich um 00.00 Uhr seine Glückwünsche in sein Mikrofon, dass auch jeder hören konnte: „Feliz Día del mestro“. Es wurde angestoßen und gratuliert. Wir kamen uns dabei etwas komisch vor, denn das ganze ähnelte einer Neujahrsfeier. Der Abend klang aus mit Musik und Tanz, wobei es wirklich schwierig war, seinen Platz auf der Tanzfläche zu behaupten. Da tanzte Chemie mit Deutsch, Sport mit Spanisch und auch Mathe und Geograpie bewegten sich im Takt.
Aber dem noch nicht genug, denn was wäre ein Feiertag ohne Geschenke?
So kam es, dass am darauf folgenden Tag immer wieder Schüler ins Lehrerzimmer kamen, um ihre Gaben ihrem Meister zu überreichen. Auf diese Weise kam Marc in den Besitz eines neuen T-Shirts und einiger leckerer Pralinen (Fotos). Und auch ich durfte mich über eine schöne Duftkerze der Klasse 4b erfreuen.
Wenn ich mir noch einmal die Liste dieser Feiertage anschaue, dann weiß ich, auf welche nächsten Feiertage ich mich in Zukunft freuen kann:
- Dìa del matrimonio (4. Sonntag im April) > Tag der Ehe
- Día de la salud (7. April) > Tag der Gesundheit (für mich als Hypochonder ganz wichtig)
- Día del nieto (12.Mai) > Tag des Kindes (sind wir nicht alle Kinder?)
- Día de la tía (1. Sonntag im Oktober) > Tag der Tante
- Día del estudiante (21. September) > Tag des Schülers (da haben auch die Lehrer frei)
- Día del kinesiólogo (13. April) > Tag des Physiotherapeuten (bin ich ja so halb)
Und abschließend meine persönliche Hitliste der beliebtesten Festtage in Argentinien:
2. Día del peluquero (25. August) > Tag des Frisörs
3. Día del psicólogo (17. September) > Tag des Psychologen
4. Día del odontólogo (3. Oktober) > Tag des Zahnarztes
5. Día de la suegra (26. Oktober) > Tag der Schwiegermutter
Freitag, 13. Juli 2007
Fiesta de las Colectividades
Auf der Fiesta gab es außerdem kulinarische Köstlichkeiten wie italienische Pizza, spanische Paella, russischen Borschtsch, ungarisches Gulasch, deutsches Sauerkraut mit Kassler (tatsächlich vom Schwein, das man hier eigentlich nirgendwo findet) und Hot Dogs am dänischen, schweizer und deutschen Stand (typisch europäisch?!), natürlich Wein, deutsches Bier und russischen, sehr leckeren Wodka (da wurden Erinnerungen an Charkiv wach), serviert von einer russischstämmigen Ukrainerin, die ursprünglich aus Jalta auf der Krim kommt (siehe auch Konferenz von Jalta) und seit sieben Jahren mit einem Argentinier aus Bariloche verheiratet ist. Ebenso bunt wie diese Paarung waren die vielen Kuchen und Torten aus aller Herren und Frauen Länder: Streusel, Apfelstrudel (der heißt hier wirklich estrudel de manzana), Kirschkuchen und natürlich Schokoladentorte, die in Bariloche nicht fehlen darf. (Eins der vielen Schokoladengeschäft hier heißt tatsächlich „Mamuschka“. Um dem Vorwurf der Schleichwerbung vorzubeugen, aber vor allem, damit ihr euer Bild der Barilochenser Schokoladenindustrie vervollständigen könnt, seien noch Del Turista und Rapa Nui genannt.) Komischerweise gabs aber keinen argentinischen Stand, weder von den eurpäischstämmigen Argentiniern noch von der indigenen Bevölkerung.
Es war ein wunderbar rauschendes Fest ohne Gastgeber, die Stadthalle war brechend voll, die Ränge ebenso und die Leute feierten durch bis morgens früh … Na jedenfalls lang genug, so dass später oft erzählt wurde, es wäre sehr viel getrunken worden. Mal ganz unter uns, es war nicht ein Gast des Festes auch nur annähernd so betrunken wie ein durchschnittlicher Besucher einer deutschen Dorfkirmes, eines Schützenfestes oder auf Karneval. Die argentinischen Schüler, die kürzlich drei Monate in Deutschland waren, erzählten unisono von ihren Erfahrungen mit Alkohol und den betrunkenen Karnevalisten auf Kölner Straßen beziehungsweise von deren Begegnungen mit der Polizei. Da braucht man sich nicht mehr wundern, woher das Klischee vom „trinkfesten Deutschen“ kommt ...
Was für ein schönes, buntes, multikulturelles Fest! Wie gut, dass die conquistadores damals ganze Arbeit geleistet hatten, als sie das Land eroberten, die meisten indigenen Völker abschlachteten und die Übrigen unterwarfen. Die 40 Prozent der Argentinier, die auch in Bariloche unter der Armutsgrenze leben und größtenteils von den Menschen abstammen, die das Land ursprünglich mal bevölkerten, waren auf dem Fest nicht zu sehen. Es kostete 20 Peso Eintritt. 5 Euro.
Donnerstag, 12. Juli 2007
Smalltalk
Bei der Bestellung einiger empanadas fragte mich der junge Mann hinter der Feinkosttheke die inzwischen vertraute Frage: „De donde son?“ (Woher kommt ihr?). Dann erzählte er mir, dass sein bester Freund in Aachen wohne, worauf ich direkt entgegnen konnte, dass ich dort während meines Studiums gewohnt hatte. Ich wurde informiert, dass sein Freund dort ein argentinisches Steak-Restaurant („La Pampa“) besäße. Gedankenverloren schaute ich in die Luft, um vor meinem geistigen Auge ganz Aachen nach einem argentinischen Restaurant abzusuchen… In diesem Augenblick schaltete sich die Dame hinter mir ein und entgegnete, das „La Pampa“ wäre doch in Mönchengladbach, worauf ich mein geistiges Auge vertröstete und wieder in die Realität blickte, um erneut erstaunt zu bemerken, dass ich in Mönchengladbach aufgewachsen sei. Die Dame war die Mutter, Tante, Oma des Besitzers des "La Pampa" in Mönchengladbach und verriet uns sogleich ihren Namen, ihre Adresse und fragte uns nach der unsrigen Identität. So war in einigen Augenblicken ein neuer Kontakt gelegt, einerseits zu Tomás, ab jetzt der Feinkosthändler unseres Vertrauens und andererseits zu der Mutter, Oma oder Tante des Fast-Mönchengladbachers Tomás K. (ein anderer Tomás). Solche und viele andere Wortwechsel kann man hier erleben. So wurden wir am Strand von Vaeria del Mar (siehe Post vom 8. April) unter zahlreichen Touristen von dem 94jährigen irischstämmigen Kenny und
seiner nicht weniger jüngeren Frau Laura angesprochen: „Ustedes son turistas, verdad?“ mit dem Ende vom (mindestens 30 Minuten langen) Lied, dass wir nun ihre Adresse in unserem Wörterbuch stehen haben. (Hinterher half mir Laura übrigens noch beim Kauf eines Sonnenschirms). Oder die Dame im Bus, die uns begrüßte wie alte Bekannte (hier gleich in der Übersetzung): „Wir kennen uns doch aus dem Restaurant. Ich saß mit meiner Tochter gegenüber von Euch…“ Oder im Baumarkt die Dame an der Kasse: „Du bist keine Argentinierin, oder?“Sonntag, 3. Juni 2007
Feucht fröhlich
Mit meiner verirrten Hand hinter mir, vor mir oder zwischen uns, muss ich wohl immer ziemlich dämlich ausgesehen haben. Heute beuge ich mich selber vor, ohne zu zögern, zielstrebig, offensiv und verfolge damit nur ein Ziel: die Wange meines Gesprächspartners. Statt mit einem Händedruck begrüßt man hier alles mit der rechte Gesichtshälfte, den Gegenüber seitlich an den Oberarmen fassend. Mit der Zeit gewöhnt man sich an alles. Dabei ist die Kunst, so flüchtig wie möglich zu küssen und die Lippen quasi so zu formen, dass sie die Haut des anderen gerade eben berühren und somit ein Anflug von höflicher Zweisamkeit Wange an Wange aufkommt. Obwohl man nicht so richtig „echt“ küsst, ist es umso erstaunlicher, dass man dabei trotzdem ausdrucksvoll schmatzt. So habe ich das zumindest bei den Argentiniern abgeschaut.Küssen tust du jeden, mit dem du mehr als zwei Worte wechselst. Demnach kommt man aus dem Küssen nicht mehr raus: Leute, die dir vorgestellt werden, küsst du! Wechselst du mehr als zwei Worte mit den Kollegen: Also küssen! Die Sprechstunde bei der Hautärztin umfasst auch mehrere Worte: Also wird Frau Dr. geküsst. Von meinem Unfallchirurg Dr. M. bekomme ich als Willkommensgeschenk einen beso und natürlich auch zum Abschied einen warmen, leicht kratzigen Abdruck seiner Wange auf meine. Der Optiker, mit dem ich über meine Kontaktlinsen spreche,
gibt mir ein Bussi zum Abschied. Nach einer Party oder einem offiziellem Empfang hast du ein taubes Gesicht von diesen zahllosen gewollten Zusammenstößen. Hier küssen Frauen Frauen, Frauen Männer, Männer Frauen… Bei Männern unter sich ist jedoch ein wenig heikel. Hier küsst du nicht jeden, sondern nur die, die sich wirklich gut kennen… Ansonsten gilt hier der Händedruck.Freitag, 1. Juni 2007
Dunkle Wahrheit
Da hörten wir unten unseren Nachbarn Darío das Tor aufschließen und seinen Wagen aufpiepsen (die Autos werden hier alle aufgepiepst, mehr laut als leise). „Komisch, was fährt der mitten in der Nacht weg?“. Diese Verwunderung führte uns ganz schnell zu der nackten Tatsache, dass es bereits halb neun war morgens! Kein Sonnenstrahl, kein Licht, nicht mal ein Ansatz von Dämmerung war zu sehen! Der Alptraum der Nacht war mittlerweile ein Sonntagsspaziergang geworden im Gegensatz zu dem, was uns die Realität an diesem Morgen darbot! Und es wird noch schlimmer kommen: Bis zum 21. Juni wird uns weiterhin Licht geraubt, so dass wir wahrscheinlich kommende Woche bei Mondschein Mittagessen werden… Hätten wir unseren Entschluss, nach Bariloche zu kommen, etwa ausgiebiger bedenken sollen?Dienstag, 29. Mai 2007
Sensación térmica!
Macht sich auch hier die Klimaveränderung bemerkbar? Gibt es bald keinen Flecken mehr auf der Erde, der seinem Klima treu bleibt? Heute Nacht ist übrigens eine thermische Sensation von minus 13° C angekündigt (bei AccuWeather.com) - und das im Mai! Die spinnen, die Patagonier...Ergänzung, 30.05.2007:
Der erste Schnee, wenn auch nur ein Hauch, folgte sogleich.
Montag, 7. Mai 2007
Hunde & Co.
und die Streunenden. Diese beiden Parteien scheinen sich viel zu sagen zu haben oder über vieles diskutieren zu müssen und dies besonders abends. So kommt es, dass man abends mindestens eine Stunde lang ein Hundekonzert anhören kann, in dem alle Stimmen und Lautstärken vertreten sind. Dies wird von einigen krächzenden Vögeln kommentiert, den Chimangos, die den Schornstein des Nachbarhauses bewohnen, was ein nervenaufreibendes Spektakel ergibt. Man tut gut daran, sich nach einer gewissen Zeit daran zu gewöhnen, ansonsten wird man wahnsinnig.Neben den Hunden stehen an dritter Stelle die Ohrenkneifer, wobei wir hoffen, dass dies nur eine temporäre Erscheinung ist. Man findet sie überall, wo es warm, eng und trocken ist. Jeder Haushalt klagt über diese illegalen Einwanderer. Man findet sie überall. Die bevorzugten Schlafplätze sind u. a. die Mittelfalte unserer Fernsehzeitschrift, der (trockene) Küchenlappen, und die bombilla (eine Art Metallstrohhalm für das berühmte Materitual). Ich begegnete einst einem Ohrenkneifer in unserem Vollkornbrot, eine lehrreiche Erfahrung.
Montag, 30. April 2007
El sueño de una camioneta - Teil I
Wenn man allerdings mal in die nähere Umgebung von Bariloche raus möchte, kommt man ohne Auto nicht weit. Bariloche wächst seit Jahren in alle geographisch möglichen Himmelsrichtungen, die Einwohnerzahl steigt stetig und der Verkehr nimmt immer mehr zu. Ein Auto zu kaufen sollte also eigentlich kein Problem sein, von den sprachlich bedingten Nachteilen bei den Verhandlungen mal abgesehen. Das Straßenbild ist von Fahrzeugen aller Art und aller Jahrgänge geprägt: Vom '69er Ford Falcon über den '81er Dodge RAM 150 Truck, die nicht mehr datierbare Ente (siehe Fotoalbum), den aufpolierten '70er Chevy Camaro (Foto oben) bis zum neuesten VW Fox gibt es alle Modelle. Am meisten sieht man aber camionetas fahren (el camion - der Lastwagen, la camioneta - das Lastwägelchen, also ein Pickup, Truck oder Geländewagen), Bariloche scheint die Stadt mit der höchsten Geländewagendichte zu sein. Statistisch gesehen muss jeder Barilochenser mindestens eine camioneta besitzen, denn jedes zweite Auto ist eine camioneta, und da es noch jede Menge andere Autos gibt, kommen auf jeden Einwohner wohl mindestens zwei Autos... Die Autos gibt es in allen technischen Beschaffenheiten! Eine Art TÜV soll es wohl geben, der kontrolliert aber nicht, folglich kommen die Autos von neu bis schrottreif daher. Für einen Autofreak wie mich, der ab der ersten Ausgabe 1986 sein Taschengeld für die "Auto-Bild" ausgegeben hat (damals kurze Zeit für 50 Pfennig Erstausgabepreis!), ist das natürlich ein Schlaraffenland, für meine Lungen und die der Natur sicher nicht. Es fahren wirklich die letzten Karren hier rum und verpesten die Umwelt, auf den Hauptverkehrsstraßen stinkt es zum Himmel. In den Nebenstraßen merkt man davon zum Glück nicht mehr viel.
Ein weiteres Übel daran ist, dass wegen der fehlenden TÜV-Kontrolle jedes noch so alte Auto wieder verkauft werden kann, solange es noch fährt, denn irgendwer findet sich immer, der ein altes Auto braucht. Noch dazu werden die alten Autos in der Versicherung und der Steuer immer günstiger, getreu dem Motto, wer sich ein neues Auto leisten kann, der kann sich auch Versicherung und Steuer leisten. Dadurch steigen die Gebrauchtwagenpreise ins Unermeßliche, ein uralter Fiat 600 etwa kostet noch 3000 Peso (rund 750 Euro, Foto oben, zum Vergrößern anklicken), ein 1993er VW Senda (etwa ein VW Jetta) 11.000 Peso (knapp 3000 Euro) oder ein 1982er Isuzu K8 4x4 Pickup 16.000 Peso (4000 Euro, Foto unten, die Flasche auf dem Dach zeigt den Verkauf des Wagens an! zum Vergrößern anklicken). Außerdem varriieren die Preise für das gleiche Modell je nach Zustand und Baujahr um einige Tausend Peso, so kann ein guter Chevrolet Corsa (alle Opel fahren hier als Chevrolet) von 1996 um 6000 Peso teurer sein als ein schlechter von 2003! Für
manche coche (Auto) müsste man bei uns drauf zahlen, damit sie ein Schrotthändler nimmt ... Da mussten wir natürlich erst mal kräftig schlucken, denn das ganze hat unsere Vorstellungen von einem günstigen Gebrauchtwagen natürlich herrlich durcheinander gewirbelt. Meinen Traum, gerade hier auf den Schotterpisten, wo lediglich die Hauptverkehrsstraßen und ein paar Straßen im Zentrum asphaltiert sind, einen Pickup oder Geländewagen fahren und mit Birgits Gewissen vereinbaren zu können, habe ich ganz schnell ausgeträumt, denn eine camioneta ist im Vergleich zu anderen Gebrauchtwagen sozusagen dreifach überzeichnet. Ein 2003er Toyota Hilux 4x4 würde zwar "nur" 72.000 Peso (18.000 Euro) kosten, die wir nicht haben, ein 1990er Isuzu Pickup doble cabina aber immer noch 47.000 Peso (knapp 12.000 Euro), die wir auch nicht haben. Wenn alles klappt, werden wir in ein paar Tagen in den Besitz eines 1994er Nissan Maxima kommen, der zwar doppelt so viel kostet wie bei uns (19.000 Peso, rund 4.500 Euro), den wir aber in zwei, drei Jahren mit ein bisschen Glück für kaum weniger wieder verkaufen können, wenn die Preise weiter so steigen. Fortsetzung folgt.