- Dieser Text erschien in geänderter Fassung im Argentinischen Tageblatt vom 11.10.2008
- Mitteilung des INADI Río Negro
- Bericht in der Tageszeitung Río Negro
- Interview mit Graciela Nabel de Jinich im Río Negro
- Pressemitteilung Agencia Judia de Noticias (Jewish News Agency)
Grin|go [ˈgriŋgo], der; -s, -s [span.]: früher im span. Lateinamerika abwertend für Nichtromane, bes. Angelsachse (wahrscheinl. zu span. griego = "griechisch", übertr. auch "unverständlich, fremd"; "Esto es griego para mí."); heute Fremder in Südamerika, der eine nichtromanische Sprache spricht, in Argentinien allgemein für Immigranten, besonders aus Nordamerika, aber nicht aus Spanien, normalerweise nicht mehr als abwertend zu verstehen
Sonntag, 28. September 2008
Antisemitismus heute
Donnerstag, 10. Juli 2008
Paso Flores, letzter Teil
So vergingen einige Jahre. Im Laufe dieser Zeit grenzten sich jedoch zwei Gruppen mit unterschiedlichen Auffassungen innerhalb der Gemeinschaft voneinander ab, was schließlich Anfang der 70er Jahre zu einer Teilung der Gruppe führte. Ein Teil der Gruppe verließ Paso Flores, um an einem anderen Ort 300 Kilometer weiter südlich ihre Vorstellung vom Leben zu verwirklichen. Der Teil, der in Paso Flores geblieben waren, stand nun vor neuen Herausforderungen. Bei gleichbleibender Arbeit fehlte es an Arbe
So vergingen b
Im März 1984 begannen die Bauarbeiten zum Stausee Embalse Piedra del Aguila. In Zukunft sollte der Rio Limay auf einer ca. 300 km² großen Fläche zum Zwecke der Hochwasserregulierung sowie der Stromerzeugung gestaut werden. Leider befand sich Paso Flores genau an seinem Ufer. 1985 wurde dementsprechend das Land enteignet. Bis es jedoch zur Überflutung kam, hatte man noch einge Jahre Zeit. Dennoch machte man sich schon jetzt große Gedanken: "Noch einmal von vorne, ganz bei null anfangen?". So warfen die Gedanken und Sorgen einen großen Schatten auf Paso Flores, Resignation machte sich breit, man begann sogar das geistige Fundament anzuzweifeln, das über die Jahre so stabil und für alle ein fester Anker war. Das Zusammenleben gestaltete
Nach einer intensiven Suche fand man schließlich ein neues Land, ca. 15 Kilometer Luftlinie vom alten Paso Flores entfernt. In schier endlos erscheinender Kleinstarbeit baute man die Gebäude vom alten Paso Flores ab, um das Baumaterial für das neue Gelände nutzen zu können. So entstanden daraus
Während der Bauarbeiten am Stausee kam es immer öfter vor, dass die Arbeiter Paso Flores als Übernachtungsmöglichkeit nutzten. Sie fühlten sich auf der Estancia teilweise so wohl, dass sie anfingen ihre Frauen und Kinder mitzubringen, um gewissermaßen Urlaub auf dem Lande zu machen. Reiten war möglich, andere Tiere konnten aus der Nähe betrachtet und gestreichelt werden und die Gegend lud zu endlosen Spaziergängen und Wanderungen ein. Aus diesem Zufall entwickelte sich langsam aber sicher die Idee, Gäste auf Paso Flores zu beherbergen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich für eine Weile in die Natur und Einsamkeit zurückzuziehen.
Mittlerweile ist Paso Flores sehr bekannt und beliebt, es ist zu einem beliebten Ausflugziel für immer wiederkehrende Patagonier oder Touristen aus vielen Ländern geworden.
Weitab von Krach, Kommerz und Konsum genießt man hier das Nich
Einige Dinge haben sich aber doch verändern müssen. So entbinden schwangere Frauen heute nicht mehr in Paso Flores, sondern reisen einige Zeit vorher nach Bariloche. Die Kinder besuchen weiterhin die nah gelegene Internatsgrundschule, für die Sekundarstufe ist man jedoch gezwungen die Kinder nach Bariloche zu schicken. Ob mit oder ohne Eltern, das entscheidet jede Familie individuell. Dies wird für Klaus, der übrigens mit einer Argentinierin verheiratet ist, in Kürze ein Thema sein, denn seine jüngste Tochter wird in einem Jahr die Grundschule verlassen. Der älteste Sohn ist bereits verheiratet mit einer deutschen Frau, die er durch ein Austauschprogramm kennen gelernt hatte. Beide wohnen und arbeiten hier, allerdings nicht gezwungenermaßen, jedes Kind kann frei entscheiden, welchen Beruf es erlernen und wo es leben will. Klaus' älteste Tocher wohnt zum Beispiel zurzeit in Cordoba, etwa 1.700 Kilometer von ihrer Heimat entfernt.
Auch jedem selbst überlassen ist der Umgang mit Gott und der Bibel. Außer der gemeinsamen Bibelstunde am Samstagmorgen gibt es keine Verpflichtungen, es obliegt jedem selbst ob und wie er zu Gott spricht oder wie lange und intensiv er in der Bibel verweilt. Auf die Frage, wie weit entfernt man in diesen Tagen von der ursprünglichen Idee und dem Anfangstraum sei, anwortete Klaus: "Noch nie waren wir so nah dran wie jetzt." Uns hat es gut gefallen in Paso Flores. Beeindruckt von diesem Ort und seiner Friedlichkeit blättern wir jetzt schon in unserem Terminkalender, wann wir wieder einmal dorthin fahren können.
So endete unsere kleine Geschichte über die Menschen, die für uns hier im wil
PS: Hier in Bariloche gibt es einige Gerüchte rund um Paso Flores. Es gibt Menschen, die behaupten Paso Flores sei ein Nazi-Auffangbecken gewesen. Hitler selbst habe hier Unterschlupf gefunden, da er ja nie Selbstmord begangen hatte. In einem weiteren Artikel in der Tageszeitung Río Negro versucht Hans endlich mit diesen blödsinnigen Gerüchten aufzuräumen.
Donnerstag, 26. Juni 2008
Paso Flores Teil 2
Übrigens: Als wir dort zu Gast waren, jährte sich dieses Ereignis auf den Tag genau zum 50sten Mal.
Fortsetzung folgt ...
Freitag, 6. Juni 2008
Wo kommt eigentlich das Sauerkraut her? - Paso Flores Teil 1
Nach einer etwa zweistündigen Fahrt an der Talsperre Embalse de Piedra de Aguila, danach links und dann 36 km auf unbefestigten Pisten gerade aus durch die patagonische Steppe ... und irgendwann erhebt sich aus dem Nichts die Estancia Paso Flores. Sowohl in deutscher als auch spanischer Sprache wird man willkommen geheißen. Das Gelände gleicht einem Kloster, einer Jugendherberge, einem Bauernhof und einer Begegnungsstätte zugleich. Ein Spaziergang auf dem Geländ
Freitag, 12. Oktober 2007
Oktoberfest in Argentinien

Donnerstag, 2. August 2007
Osorno, oder der gelungene Abschluss einer langen Reise
n wir, ob wir lieber schnell nach Hause wollen, um endlich einmal anzukommen und nicht mehr ans Weiterfahren denken zu müssen (am Ende sollen es 5156 Kilometer werden), oder ob wir noch einen Zwischenstop in Osorno einlegen, um einen Kollegen zu besuchen. Nach einigem Hin und Her entscheiden wir uns für Zweiteres. Den Kollegen besuchen wir jedoch nicht in seinem "Wohnklo" (wie er sagt) mitten in der Stadt Osorno, sondern aufgrund einer Krankschreibung ist er mit seiner Frau die Woche über in seinem Haus am Fuße des Vulkans Osorno geblieben. Unser Glück, denn allein die Fahrt dor
thin in der sanften Abendsonne ist die reinste Sinnesfreude: In einer mehr oder weniger flachen grünen Landschaft ragt ein großer, einsamer Berg heraus, ganz allein auf weiter Flur! Uns fällt es schwer den Blick abzuwend
en, denn er gleicht wie einer Zeichnung aus einem Bilderbuch. Fast zu perfekt, um echt zu sein. Scheinbar symmetrisch erhebt er sich aus dem Nichts, der Gipfel sieht aus, als hätte man die obere Spitze sauber mit dem Messer abgeschnitten. Das Holzhaus des Kollegen ist traumhaft auf einer großen Wiese am See gelegen. Innen gibt es eine große Fensterfront (siehe Foto re.), von der man den Vulkan gänzlich bewundern kann. Es wirkt wie eine riesige Filmkulisse, von der man jeden Moment erwartet, dass sie abgebaut wird oder jemand ein anderes Motiv davor schiebt... Nach der ersten Nacht entscheiden wir, noch eine Nacht zu bleiben, zu schön die Gegend, zu schön das Wetter, zu schön die Kulisse, die tatsächlich bleibt.
Ein gelungener Abschluss unseres fast dreiwöchigen Urlaubs!
Freitag, 13. Juli 2007
Fiesta de las Colectividades
Auf der Fiesta gab es außerdem kulinarische Köstlichkeiten wie italienische Pizza, spanische Paella, russischen Borschtsch, ungarisches Gulasch, deutsches Sauerkraut mit Kassler (tatsächlich vom Schwein, das man hier eigentlich nirgendwo findet) und Hot Dogs am dänischen, schweizer und deutschen Stand (typisch europäisch?!), natürlich Wein, deutsches Bier und russischen, sehr leckeren Wodka (da wurden Erinnerungen an Charkiv wach), serviert von einer russischstämmigen Ukrainerin, die ursprünglich aus Jalta auf der Krim kommt (siehe auch Konferenz von Jalta) und seit sieben Jahren mit einem Argentinier aus Bariloche verheiratet ist. Ebenso bunt wie diese Paarung waren die vielen Kuchen und Torten aus aller Herren und Frauen Länder: Streusel, Apfelstrudel (der heißt hier wirklich estrudel de manzana), Kirschkuchen und natürlich Schokoladentorte, die in Bariloche nicht fehlen darf. (Eins der vielen Schokoladengeschäft hier heißt tatsächlich „Mamuschka“. Um dem Vorwurf der Schleichwerbung vorzubeugen, aber vor allem, damit ihr euer Bild der Barilochenser Schokoladenindustrie vervollständigen könnt, seien noch Del Turista und Rapa Nui genannt.) Komischerweise gabs aber keinen argentinischen Stand, weder von den eurpäischstämmigen Argentiniern noch von der indigenen Bevölkerung.
Es war ein wunderbar rauschendes Fest ohne Gastgeber, die Stadthalle war brechend voll, die Ränge ebenso und die Leute feierten durch bis morgens früh … Na jedenfalls lang genug, so dass später oft erzählt wurde, es wäre sehr viel getrunken worden. Mal ganz unter uns, es war nicht ein Gast des Festes auch nur annähernd so betrunken wie ein durchschnittlicher Besucher einer deutschen Dorfkirmes, eines Schützenfestes oder auf Karneval. Die argentinischen Schüler, die kürzlich drei Monate in Deutschland waren, erzählten unisono von ihren Erfahrungen mit Alkohol und den betrunkenen Karnevalisten auf Kölner Straßen beziehungsweise von deren Begegnungen mit der Polizei. Da braucht man sich nicht mehr wundern, woher das Klischee vom „trinkfesten Deutschen“ kommt ...
Was für ein schönes, buntes, multikulturelles Fest! Wie gut, dass die conquistadores damals ganze Arbeit geleistet hatten, als sie das Land eroberten, die meisten indigenen Völker abschlachteten und die Übrigen unterwarfen. Die 40 Prozent der Argentinier, die auch in Bariloche unter der Armutsgrenze leben und größtenteils von den Menschen abstammen, die das Land ursprünglich mal bevölkerten, waren auf dem Fest nicht zu sehen. Es kostete 20 Peso Eintritt. 5 Euro.
Samstag, 3. März 2007
"El asador" oder wie werde ich Grillweltmeister
Heute gab`s also asado. Das ist nicht nur irgendein Stück Fleisch (ein wirklich ellenlanges Stück Rippensteak), „es ist ein Ritual, das am Wochenende von dem meisten Familien praktiziert wird … Gegrillt wird nicht wie in Europa auf Holzkohle, stattdessen wird hartes Holz verbrannt, die dabei entstandene Glut unter ein Rost gezogen, und darauf wird gegrillt. Ein Asado besteht aus einer bestimmten Folge von verschiedenen Würsten und Fleischstücken, das Essen dauert mindestens drei Stunden, und die Kunst des Asadors besteht darin, das richtige Stück Fleisch oder Wurst zum richtigen Zeitpunkt richtig gegart zu haben.“, sagt jedenfalls der Reiseführer*. Das Ganze sei im Buch „El asador“
wunderbar auf die Schippe genommen, sagt Ernst und schmunzelt – und serviert auf der Glut harten Holzes gegrilltes, mit Kräutern gewürztes, bestes patagonisches Lamm. Traumhaft köstlich! Weil wir hier seit unserer Ankunft fast nur mit Deutsch-Argentiniern zu tun haben, die eben teilweise noch recht deutsch sind und nicht jede Woche asado machen, mussten wir eben vier Wochen auf unser erstes (kleines) asadito warten. Das ist allerdings auch gar nicht weiter tragisch, denn jedes Wochenende könnte ich so viel chorizos (gewürzte Bratmettsalamiwürste), pollos (Hühnchen), asados de tira (Rippensteak) und corderos patagónicos (Lamm) gar nicht essen. Die nächsten zwei Wochen reichen mir Wasser und Brot! Zum Glück sind wir nicht mehr zu den morcillas (Blutwurst) gekommen, denn die sind ebenso wenig nach meinem Geschmack wie manch anderes, was Argentinier so auf den Grill schmeißen: chinchulines (Därme nur mit Milch genährter Rinder), riñones (Niere) und andere Innereien. Zum Glück ist Ernst so deutsch, dass er das Zeug gar nicht erst gekauft hat. Morgen wollen wir per pedes Bariloches Hausberg, den Cerro Otto (1405m), erklimmen, um endlich mal einen Panoramablick über die Stadt werfen zu können. Da bleiben dann sicher schon ein paar Gramm chorizo auf der Strecke.