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Sonntag, 11. Januar 2009

Tierische Clowns

An vielen patagonischen Küstenabschnitten kann man sie finden. Die berühmteste Kolonie lebt am Punta Tombo, circa 60 Kilometer südlich der Industriestadt Rawson. Dort brütet in den Sommermonaten eine halbe Million der Art Magellan-Pinguin (Spheniscus magellanicus). Wir entscheiden uns jedoch einen anderen, touristisch nicht so überlaufenen Ort zu besuchen, die Cabo dos Bahias, um diese netten Artgenossen zu sehen. Suchen muss man sie dort auch nicht, denn schon am Parkplatz präsentieren sich die kleinen Spaßvögel zahlreich. Die meisten stehen regungslos und hochschnabelig der Sonne zugeneigt und zeigen kein besonderes Interesse an uns Zweibeinern. Die Sonne, die Luft und das Meer scheinen sie vollends zu genießen, sie wirken rundherum zufrieden, entspannt und Daseins-bejahend, dass man sich wünscht, ein Pinguin zu sein. Der Schein zu Anfang trügt jedoch etwas. Ein paar Schritte weiter eröffnet sich das, was zunächst wie eine Massendemonstration von Charlie-Chaplin-Fans aussieht. Hat sich das Auge jedoch an die Weite gewöhnt, erkennt man eine schier unendliche Pinguin-Metropole, aus der es stetig quietscht, schmatzt, brummt und knurrt. Man läuft durch diese Kolonie im Schneckentempo, schafft es kaum seine Augen auf den wackeligen Steg zu richten, so viel gibt es zu sehen und zu entdecken. Es kommt einem vor, als betrachte man ein großes Wimmelbild: Hier werden die Federn des einen gesäubert, dort werden Junge gefüttert, weiter hinten streiten sich zwei andere Pinguine. Dabei scheint es um etwas Ernstes zu gehen, denn die beiden gehen mit größter Brutalität aufeinander zu und schlagen sich - klappklappklapp - mit ihren Flügeln. Andere wiederum zeigen dann doch einen Anflug von Neugierde und betrachten uns eindringlich, als ob Außerirdische auf ihrem Planeten gelandet seien. Bei allem was sie tun - sei es gehen, stehen, laufen, streiten, putzen oder essen - wirken die kleinen Tiere so tollpatschig, plump und ungeschickt, dass die bloße Beobachtung eine wahre Freude ist und jedem Besucher ein Lächeln entlockt. Hier und da passieren Missgeschicke, die mit jedem Video von „Pleiten, Pech und Pannen“ mithalten könnten. Mehrmals beobachten wir, wie Pinguine stolz und aufrecht einen Berg erklimmen, um sogleich mit voller Kraft gegen den gespannten Besucherzaun zu prallen. Hier und da stoßen zwei zusammen und oder fallen zu Boden, was ihnen jedoch Nichts auszumachen scheint, denn sofort geht man seines Weges weiter, als ob nichts gewesen wäre. Das Agieren zu Land scheint derartig unökonomisch und aufwendig zu sein, dass ich mich fragen muss, ob es nicht furchtbar anstrengend und nervig sein muss, in solch einem Körper geboren zu sein. Informationsschilder belehren uns jedoch, dass sich die Pinguine Studien zufolge auch an Land geradezu ökonomisch effizient fortbewegen.

Ist man am Aussichtspunkt auf die Küste angelangt, wendet sich das Blatt drastisch, und die Herrschaften zeigen ihre Königsdisziplin: Man muss schon genau hinschauen, um die flinken Vögel im Wasser nicht mit Delfinen zu verwechseln. Wie in einem Rennen um Leben und Tod rasen immer wieder kleine Grüppchen auf den Strand zu, zu gleichen Teilen in der Luft und im Wasser. Man kann es kaum glauben, wie aus den behäbigen Wonneproppen auf einmal wendige Schwimmer werden können. Welch eine Verwandlung!

PS: Eine weitere interessante Beobachtung betrifft das Verdauungsverhalten. Die Ausscheidung geschieht mit einer derartigen Geschwindigkeit, dass man bei dem dabei entstehenden Geräusch an eine Feuerwerksrakete denken muss. Dies hat auch schon Forscher neugierig gemacht. Tatsächlich gibt es eine preisgekrönte Forschungsarbeit mit dem stolzen Namen: "Pressures Produced When Penguins Pooh".




Montag, 5. Januar 2009

Über den Wolken

Lange hat sich hier nichts getan, wird Zeit, dass wir mal wieder vom Ende der Welt berichten. Aber nicht aus Bariloche, das ja eigentlich noch zarte 2000 Kilometer vom Ende der Welt entfernt ist, sondern vom richtigen Ende, dem Feuerland, dem wir uns mehr und mehr nähern. Vor rund zwei Wochen sind wir in unsere verdienten Sommerferien aufgebrochen, haben erstmal Weihnachten am Strand verbracht, in Playas Doradas, einem Kaff ohne Handy und Telefon. Dann haben wir uns auf den Weg gen Süden gemacht, noch mal über die Halbinsel Península Valdéz (UNESCO Welterbe, siehe Post "Wale"), haben am Cabo Dos Bahías im Nirgendwo Patagoniens in Containern übernachtet, sind insgesamt 1000 Kilometer an der Atlantikküste entlang bis Puerto San Julian gefahren, um dann rechts ins Nirgedwo abzubiegen und 400 Kilometer durchs Nirgendwo Patagoniens zu fahren. (Siehe auch Post "La Ruta 40".)

Mittlerweile sind wir in El Chaltén angekommen, einem bei Bergsteigern und Bergwanderern beliebten Örtchen nördlich der berühmten Gletscher im Nationalpark Los Glaciares. Und genau hier versteckte sich über den Wolken lange Zeit der Cerro Fitz Roy. Gestern im Trockenen mit dem Zelt losgezogen, um ihm näher zu kommen, sind wir nachmittags erstmal pitschnass geworden, haben abends bei Schneeregen die Laguna de Los Tres erklommen, die den besten Blick auf den Berg bietet..., wenn der Berg denn will (Fotos unten: ein Blick von der Laguna de Los Tres (rechts) auf die Laguna Sucia = schmutzige Lagune). Erst heute morgen haben wir ihn dann gesehen, von ein paar Sonnenstrahlen umspielt und verrückten Wolken, die dort glaube ich produziert werden (Foto oben rechts). Auf dem Weg zum ebenfalls grandiosen Cerro Torre haben sich dann schon wieder Regenwolken zusammengebraut und wir sind mit den ersten Tropfen zurück nach El Chaltén geflüchtet. Morgen geht´s weiter nach El Calafate, um den Gletscher Perito Moreno kalben zu sehen.

Samstag, 15. November 2008

Hilfe für die Guaraní

Eine kleine Hoffnung gibt es für die Guaranís: Ein Ehepaar aus dem Saarland gründete Mitte der 1990er Jahre die so genannte Guaraní-Hilfe e.V. und leistet seitdem Unvorstellbares. Ihr Ziel ist es, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, damit die Guaraní lernen sich in der veränderten Umgebung zurecht zu finden, Alternativen zu finden, überleben zu können. Trotz vieler Hindernisse und Rückschläge sind sie bis heute nicht müde geworden, ihre ganze Kraft und Zeit in die Verbesserung der Lebensbedingungen der Guaraní zu widmen und sich für deren Rechte einzusetzen, denn „schließlich sind wir, die Mitglieder der Konsumgesellschaft, ja für die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage mitverantwortlich“, meint der Vorsitzende. Eigentlich wollte ich nur einen Koffer Kleider abgeben, weil ich durch Telefonate mit dem Ehepaar über die Not und die Problematik erfahren hatte. Durch einen Zufall ergab sich aber dann ein Zusammentreffen mit dem Vereinsgründer, der einen Tag zuvor aus Deutschland angereist war, um einige wichtige Dinge vor Ort voranzutreiben.

So ergab sich für mich die einmalige Möglichkeit mit ihm und Estela, die vor Ort immer erste Ansprechpartnerin ist, in die Siedlungen zu fahren, die sonst für mich niemals zu erreichen gewesen wären. Wir fuhren von der Stadt etwa eine Stunde tief in das Land hinein. Von Wald kann zwar durch die vielen Rodungen nicht mehr gesprochen werden, dennoch bekam ich zum ersten Mal einen Eindruck, wie wohl ein Regenwald aussieht. Das Grün, was ich hier zu sehen bekam, beeindruckte mich sehr. Die Farben schienen intensiver und viel satter, das Grün der Bäume und das Rot der Erde ergaben einen starken Kontrast, andere Farben schienen fast nicht vorhanden zu sein. Auch wenn ich die ganze Fahrt auf der Ladefläche eines Geländewagens sitzend jede kleinste Wurzel, jedes Steinchen und jede Pfütze zu spüren bekam, war die Fahrt für mich ein Erlebnis. Wir besuchten insgesamt drei Guaraní-Siedlungen, meist einfache Hütten aus Naturmaterialien. Man erklärte mir, dass es zurzeit schwierig sei, neue Hütten zu errichten, da die für den Bau nötige Bambusart alle 32 Jahre stirbt, was kürzlich der Fall war. Bis neues Baumaterial heranwächst, dauert es einige Jahre. Den Guaraní, die ich getroffen habe, geht es verhältnismäßig gut, denn hier hat sich dank der Guaraní-Hilfe so einiges getan: In fast allen Siedlungen stehen Waschhäuser und Toiletten zur Verfügung. Die Kinder haben die Möglichkeit zumindest eine Grundschule zu besuchen, was aber mit langen Schulwegen verbunden ist. Dort stehen neben zwei Klassenzimmern auch ein Speisesaal und einige Werkstätten zur Verfügung. In einem Dorf gibt es eine Destillationsanlage zur Herstellung von ätherischen Ölen, die verkauft werden. Eine Schreinerei wurde errichtet, zurzeit läuft die Ausbildung und Unterweisung im Umgang mit den Maschinen. Es gibt eine Nähwerkstatt, in der Altkleider ausgebessert werden, einen Medizinalgarten und ein Erste-Hilfe-Haus. Darüber hinaus wurde in der Stadt ein Internat errichtet, das den Kindern den Besuch der weiterführenden Schule ermöglicht. Wenn die Wetter- und die Straßenlage es erlaubt, fahren sie am Wochenende zurück in ihre Siedlungen.

Der Spagat zwischen dem Kulturerhalt und den nötigen Anpassungen an die neuen Bedingungen ist nicht einfach. So ziehen es einige Kinder im Internat vor, nicht auf Matratzen zu schlafen (das sei nur etwas, wenn es wirklich kalt ist), manchmal gibt es Schwierigkeiten sich an gewisse Regeln zu halten. Es gibt eine Fülle von einzelnen Projekten und Vorhaben, die auf der vereinseigenen Homepage beschrieben werden. Zusammenfassend kann man sagen, dass bisher Unglaubliches geschaffen wurde, um dem Volk der Guaraní eine neue Lebensgrundlage bieten zu können, die darauf ausgerichtet ist, unabhängig und selbständig zu sein. Daher wurde man während dieses Tages auch nicht müde zu betonen, dass den Guaraní nichts geschenkt werde, ihnen werde lediglich die notwendige Infrastruktur zur Verfügung gestellt und Unterricht erteilt, um nachhaltig für sich sorgen zu können. Almosen und Schenkungen gäbe es nicht, Alles, was man zusätzlich braucht (Kleidung, Nahrung etc.) muss abgekauft werden. Auch wenn es Materialspenden gibt, wie zum Beispiel meinen Koffer voller Altkleider, so werden diese nicht einfach unter dem Volk verteilt, sie werden gegen ein entsprechendes Entgelt abgegeben. Geld erhalten sie durch den eigenen Anbau von Tee, die Gewinnung von ätherischen Ölen und in Zukunft auch durch die eigene Schreinerei. Darüber hinaus sind die Guaraní künstlerisch und handwerklich sehr begabt und verkaufen schöne Kunstgegenstände.

Für mich hat diese Reise in eine andere Welt einen bleibenden Eindruck hinterlassen, und meine Hochachtung gilt dem Ehepaar Hartmann, das bisher große Dinge erreicht hat. All die realisierten Projekte entstanden allein durch diese Privatinitiative, was ich beachtlich finde. Leider erreicht das Ehepaar mit ihren Bemühungen nur einen kleinen Teil der indigenen Bevölkerung, fünf bis zehn Prozent schätzungsweise. Wie es dem Rest ergeht, ist gar nicht auszudenken. Von daher kann ich die Guaraní-Hilfe jedem empfehlen, der den ein oder anderen Groschen locker sitzen hat und Gutes tun will. Ich werde es tun. Das Geld ist garantiert in guten Händen und kann Großes bewirken, das durfte ich mit eigenen Augen erleben. Noch viel mehr Informationen gibt es auf der Seite der Guaraní-Hilfe e.v., zum Beispiel den ausführlichen Bericht „Die Guaraní, das vergessene Volk Argentiniens“.

Dienstag, 14. Oktober 2008

Atemberaubendes Erlebnis, spektakuläres Schauspiel und viel mehr!

Von Gastautorin Ann-Katrin Seegers

Es war ein sonniger Tag und wir Drei vom argentinischen Niederrhein machten uns mit dem gemieteten Auto auf den Weg zu dem berühmtesten Dreiländereck Südamerikas. Dort angekommen wollten wir natürlich nicht nur das Ländereck Argentinien-Paraguay-Brasilien sehen, sondern viel mehr: die Iguazú-Wasserfälle - und es war ein Schauspiel für sich. Wir sind aus allen Wolken gefallen, die man nur am Himmel finden konnte, es war allerdings ein wolkenloser Tag bei 28C°, mitten im argentinischen Winter. Morgens früh, nach einem leckeren Frühstück haben Birgit, Marc und ich uns also auf den Weg gemacht, die Iguazú-Wasserfälle zu besichtigen. Erst eine kleine Fahrt mit dem Auto, dann musste ein Schattenparkplatz gefunden werden, der Körper wurde mit Insektenspray bombardiert und dann ab zur Menschenschlange, die uns die Tür zu den Wasserfällen öffnete (Website der Parkverwaltung). Fünf Minuten später waren wir dann auch endlich drinnen und es konnte mit dem Toilettenbesuch losgehen. Als dann tatsächlich alle fertig waren, haben wir uns auf die Socken gemacht, um nun endlich was zu sehen. Tatsache, keine zehn Meter weiter standen wir in dem schönsten Tropenwald aller Zeiten, man sollte nur leider nicht vom Weg abkommen, es hätte uns eine böse Schlange auflauern können.

Ein Fußmarsch, der uns bei diesem tollen Wetter nichts ausmachte, brachte uns dann zu den Wasserfällen. Tock, tock, tock da lagen wir dann alle Drei auf dem Boden vor lauter Staunen. Man konnte das Wasser hören und spüren, den Vögeln beim piepen zuschauen, das Gras riechen, die Menschen beobachten und die Natur und das Schauspiel genießen, es war wahnsinnig und einfach nur atemberaubend. Noch ganz benebelt von unserem "ersten" Eindruck gings weiter zu unserem "zweiten" Eindruck, der fast zu einer Ohnmacht geführt hätte. Tock, tock, tock, nein diesmal sind wir stehen geblieben, aber es war größer, weiter, breiter und schöner, die Aussicht war unglaublich und nicht nur das, wir standen regelrecht über dem Abgrund des Wasserfalls, wo jede Sekunde soooo viele Liter Wasser runterplatschen. Du bekamst den Sprühregen des Wasserfalls direkt in dein Gesicht gespritzt und es war eine angenehm warm-kalte Mischung zur Erfrischung. Nachdem wir uns dann alle wieder gefangen hatten, setzten wir unsere Reise fort... Wir trafen noch so viele andere begeisterte Menschen, Tiere, Parkführer und Deutsche, sodass man auch mal ein Pläuschchen mit Einheimischen führen konnte - wundervoll, ich fühlte mich ganz wie zu Hause - und dann gings weiter, die zwei Kilometer lange Wasserfallentdeckungstour durch den Park, der der Höhepunkt unserer 7.500 Kilometer Reise war.

Nun ja, wir hatten bis dahin ja schon wirklich viel gesehen und erlebt, aber als wir dann auf dem Weg zu dem Boot waren, dass uns hautnah an die Wasserfälle ranbringen sollte, trafen wir auch noch komische und vor allem freche Tiere, die sogenannten Nasenbären. Die waren vielleicht putzig und wenn man nicht aufpasste, hatte man kein Brot mehr in der Hand. Als dann auch die Nasenbären wieder weg waren, kamen wir unserem Boot immer näher. WOW! Eine riesige Schlange aus Menschen erwartete uns, eine Schwimmweste gabs auch, drei Säcke zum Gepäck verstauen dazu, ein Helfer auf dem Bootssteg und ein Mann mit Kamera, der unsere Bootsfahrt begleitete. Als dann endlich alle auf ihren Plätzen saßen, ging es auch schon los. Der Motor heulte auf, der Kameramann ließ uns alle mit auf seinen Film und dann kam die Gischt der Wasserfälle auf uns zu, besser wir kamen mit dem Boot auf sie zu. Immer näher, und näher und näher und dann: Mit dem Bug in die Gischt, die Gischt auf uns Menschen, die Menschen pitsche nass und alle schrien: "Wir wollen nochmal!", natürlich auf Spanisch, ich auf Deutsch. Der Fahrer hatte schon gewendet und fuhr auf die gegenüber liegende Seite der Isla San Martín, die die Wasserfälle in zwei Gebiete unterteilt. Gut, nun waren wir auf der anderen Seite, zwar nicht ganz so spektakulär, aber genauso nass wie beim ersten Mal. Dann das ganze Spielchen noch einmal und schließlich kamen alle mit einem breiten Grinsen aus dem Boot raus und keiner, wirklich keiner konnte noch ein trockenes Fleckchen an seiner Kleidung nachweisen. Also beschlossen wir, mit dem zweiten Boot auf die Insel San Martín zu schippern und uns dort auf den Steinen ein bisschen zu sonnen und unsere Sachen zu trocknen. Das Nickerchen beendet und mit riesigem Kohldampf im Magen bestiegen wir den Berg der kleinen Insel, um zu einem weiteren spektakulären Ort zu gelangen. Oben angekommen hatten wir einen umwerfenden Blick über die Wucht des Wassers, das wir zu Gesicht bekamen. Hautnah, zehn Meter maximal entfernt und um uns herum zwei Kilometer lang nichts als Wasserfälle, was will man mehr?

Wir wollten etwas zu essen haben, um uns dann auf die letzte Etappe des Tages vorzubereiten... Was haben wir also getan? Richtig: Wir sind zu einem sündhaft teuren Laden gegangen - alle Läden wären teuer gewesen, also war es egal welchen wir nahmen - und haben uns Sandwiches geholt, ausgeruht und wurden wieder mal von unseren Freunden, den Nasenbären, belagert. Dann gings zur letzten Etappe, die wir mit einer gemütlichen Bahnfahrt begannen, die Bimmelbahn. Die jeden Tag hin und her fährt, hin und her. An der Endstation angekommen, durften wir aufs Neue eine Fußstrecke über eine Fußgängerbrücke zurücklegen, die endlos erschien, aber nicht nur uns, auch kleine Kinder fingen an zu quängeln. Das man am Gesichtsausdruck sah, den ich dennoch deuten kann, auch wenn ich kein Spanisch verstehe. Angekommen am Teufelsschlund (span. Garganta del Diablo), an dem sich Menschenmassen tummelten, wie sonst nur an Kirmestagen, durften wir auch endlich sehen, was andere Leute in eine Trance versetzte, uns einschließlich. WOW, so viel dreckiges Wasser auf einmal?! Wo kommt das denn her? Mein Bruder erklärte mir dann, dass das Wasser aus dem Fluss kommt, der den Modder mit herspült und dann hier in die Wasserfälle mündet. Zufrieden mit der Antwort und mit den Fotos, die ich an diesem Tag gemacht hatte - es waren wohl weit über 150 Fotos - gingen wir mit unseren Eindrücken im Kopf zurück zur Bimmelbahn, dann zum Ausgang, dann zum Parkplatz, ab ins Auto, zurück ins Hotel und ab ins Bett. Es war ein Tag, den ich noch lange in meinem Herzen behalten und an den ich mich gerne zurück erinnern werde. Ich hoffe, ihr habt einen kleinen Eindruck bekommen können, den ihr jetzt auch in eurem Herzen tragt, denn dort ist die Welt noch in Ordnung, denn da muss man keine Sorgen haben und kann seine Gedanken kreisen lassen.

Samstag, 13. September 2008

Tren a las Nubes

Er zählt zu einer der Hauptattraktionen, die Argentinien zu bieten hat, in jeglichen Reiseführern und Magazinen wird der Tren a las Nubes, der Zug in die Wolken, als ein Muß beschrieben. Die Arbeiten zu dieser spektakulären Eisenbahnlinie begannen in den 1920er Jahren und dauerten über zwei Jahrzehnte bis zu seiner kompletten Fertigstellung. Der Zug verband einst die Stadt Salta an der östlichen Andenseite mit der chilenischen Pazifikküste auf der anderen Seite des Gebirges. Heute fährt der Zug jedoch nur noch ein Drittel seiner Strecke und gilt seither nicht mehr als gewöhnliches Fortbewegungsmittel, sondern als eine Touristenattraktion der besonderen Art. Beindruckender als auf jeder Kinoleinwand und entspannter als während einer Höhenwanderung erlebt der Fahrgast bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 35 km/h die Schönheit der Berge und Täler der Region und wird Zeuge, wie die Landschaft sich vom einen zum nächsten Augenblick verändert. In Salta nährt noch das satte Grün der saftigen Wiesen die Kulisse, mit Eintritt in die Anden ändert sich das Bild jedoch abrupt. Tiefe Felswände und Schluchten wirken imposant und respekteinflößend, die Farben der verschiedenen Gesteinsschichten reichen von kaminrot über orange und ocker bis hin zu dunkelbraun und schwarz. Sie scheinen die bedrohliche Szenerie geradezu zu besänftigen und abzumildern. Die vielen Kolonien von riesigen Kandelaber-Kakteen, wirken wie stumme Zeugen der ständigen Wandlung der Landschaft.

Auf dem Weg durch die Anden passiert der Zug zahlreiche Tunnel, Brücken und Viadukte. Er quält sich dabei sich auf eine Höhe von 4200 Meter ü. d. M. hinauf, bis er schließlich den Viaducto La Polvorilla - mit seinen 224 Metern Länge und 65 Metern Höhe eine Ingenieursleistung höchster Klasse - erreicht. Nach einem kurzen Aufenthalt geht die Reise zurück, was jedoch nicht einfach nur einem Rückweg gleicht, da die andere Richtung neue Perspektiven eröffnet, den Blickwinkel erweitert. Inzwischen ist auch die Sonne ein Stück weitergelaufen, und somit sorgen auch die veränderten Lichtverhältnisse für viele neue Eindrücke.

Wahrlich: ein Genuß, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Einen Schatten hat das Ganze jedoch. Auch, wenn man bester Gesundheit ist und einem die Höhe und tiefe Abgründe nichts ausmachen, so erleidet man jedoch beim Preis einen akuten Schwindelanfall: Die Fahrt für eine Person kostet inzwischen stolze 140 US-Dollar!!

Die Entscheidung gegen diese Fahrt fällt uns dadurch leicht. Stattdessen fahren wir mit unserem luftigen Mietwagen (er hat ja keine Heckscheibe mehr) im
mer schön neben der Eisenbahnlinie her, kreuzen die Schienen hier und da und erleben das Ganze Spektakel eine Nummer kleiner. Der Vorteil: den Anblick der unzähligen Brücken und Viadukte können nur wir genießen, die Zuggäste müssen schauen, dass sie sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Oben in dem Dörfchen San Antonio de los Cobres machen wir Rast und bestellen uns das billigste Mittagessen unseres gesamten Argentinienaufenthaltes (eine Pizza, zwei riesige Lomitos und drei Empanadas für 24 Pesos - soviel kostet ein günstiges Lomito in Bariloche). Der Ort wirkt trotz oder gerade wegen seiner Öde und Kargheit interessant und geradezu unwirklich. Er scheint wie das Dorf einer Modelleisenbahn, nur dass der Konstrukteur vergessen hat, die Bäume aufzustellen und die Häuser anzumalen. Wir haben jedoch diesmal wenig Zeit, um noch mehr Eindrücke einzufangen, zu sehr drängt das Auto auf eine neue Heckscheibe.

Nachtrag:
Auch, wenn wir mit dem Zug hätten fahren wollen, wäre dies nicht möglich gewesen. Vor drei Jahren war vorerst der Betrieb eingestellt und der Firma die Lizenz entzogen worden, da der Zug mitten auf dem Viadukt La Polvorilla stehen geblieben und nicht mehr zu bewegen war. Die Gäste wurden in schwindelerregender Höhe evakuiert. Seit dem 6. August 2008 fährt er nun wieder. Mit neuer Firma, neuer Lizenz und hoffentlich neuem Motor! Leider waren wir zwei Wochen zu früh da, aber für das gesparte Geld konnten wir eine Woche länger Urlaub machen! :-)

Mittwoch, 10. September 2008

Salinas Grandes

Durch einen unglücklichen Zufall kamen wir während unseres Urlaubs in den Genuss, die Salinas Grandes del Noroeste, eine große Salzwüste, etwas intensiver zu erleben als der normale Tourist. Hier die Auszüge aus unserem Logbuch.

Von Purmamarca (2.206 Meter ü. d. M.) führt uns gegen 9 Uhr morgens eine abenteuerlicher Pass hoch auf 4170 Meter. Dort oben ist es trotz strahlender Sonne eiskalt. Eigentlich wollten wir nur kurz aussteigen, um Beweisfotos dafür zu machen, der Sonne jemals so nah gekommen zu sein. Wir entdecken jedoch, dass wir hier oben nicht die Einzigen sind. Eine Frau steht vor einer Auswahl indianischer Kunstgegenstände, die sie wohl schon vor einer Weile vor sich ausgebreitet haben muss. Bekleidet mit einem Hut, Tuch und Sommerjäckchen kann man sich kaum vorstellen, dass sie hier schon länger steht und noch lebt. Wir bekommen auf unsere Fragen nur zurückhaltend knappe Antworten, ein Gespräch kann man das nicht nennen. Nach diesem Steno-Frage-Antwort-Spiel wissen wir jedoch, dass die Dame zwei Wochen dort oben an selber Stelle haust. Dann wird sie abgelöst von ihren Kolleginnen, die zurzeit noch einige hundert Kilometer entfernt weitere Kunstgegenstände anfertigen. Auf die Frage, ob es nachts nicht fürchterlich kalt werde, hört man nur ein zaghaftes, kaum hörbares "Si", mehr nicht – scheinbar wohlweislich ihres Schicksal bewusst, jedoch genügsam akzeptierend. Bei ihr kaufen wir einige Dinge, ganz egal wie touristisch das sein mag, die Frau soll bei ihrem nächsten Einsatz eine wärmere Jacke tragen. Bevor wir wieder ins Auto steigen, hören wir ein paar spielende Kinder. Unsere Augen entdecken hinter einem aus Steinen aufgebauten Windschutz ein Zelt, in dem die gute Frau scheinbar noch ihre Familie untergebracht hat. Auf unserer Weiterfahrt denke ich an all die warmen Sachen, die ich der Frau hätte geben können, hätte ich sie nur mit ins Gepäck gestopft: Einen ausrangierten Schlafsack, einen alten Wintermantel, ein paar dicke Socken ...

Bald erschließt sich uns die Hochebene Argentiniens, Puna genannt, in ihrer eindrucksvollen Weite und Leere. Immer noch befinden wir uns auf knapp 4000 Meter über Null, was jedoch merkwürdig erscheint, kein Hügel, keine Täler weit und breit ... nur plattes Land und ein paar Berge in weiter Ferne. Ein Stückchen weiter erreichen wir die Salinas Grandes del Noroeste, eine 12.000 Hektar große Salzwüste, in der rund 60 Salineros in einer Salzkooperative arbeiten. Es sind alles Quechua, Nachfahren der Inka. Es heißt, wer als Salinero geboren wird, der stirbt auch als Salinero. Das scheint ein hartes Schicksal zu sein - der Sonne, dem Wind, der Höhe und dem Salz fast schutzlos ausgesetzt, verrichten sie ihr Tagewerk. Dabei ist es nur eine Frage der Zeit, wann die Augen, die Haut und die Lungen um Hilfe rufen. Der Lohn ist schlecht, für fünf Tonnen Salz bekommt man 60 Peso (etwa 13 Euro).

Bei unserem Besuch in der Salinas Grandes gehen wir zunächst zurückhaltend und vorsichtig vor, wir bleiben immer schön am Rande, trauen uns nicht weit vor. Dennoch genießen wir das tolle Wetter, die Farben und die klare Luft, mittlerweile ist es auch nicht mehr so kalt. Auf unserer Weiterfahrt Richtung San Antonio de los Cobres werden wir Mitten im Nirgendwo von zwei jungen Quechuas angehalten, die uns warme Socken und Handschuhe verkaufen wollen. Leider beachten wir den heranbrausenden riesigen Lastwagen gar nicht, als jedoch ein mittelgroßer Stein mit einem riesengroßen Knall die komplette Heckscheibe des Mietwagens zerschlägt, wissen wir, dass der Ratschlag der beiden Frauen, weiter seitlich der Straße zu halten, kein Verkaufstrick sondern ein guter Hinweis war. Wir verbringen noch einige Zeit dort, ein paar Kinder kommen dazu, alle packen an, um die Scherben aufzusammeln und das Heck notdürftig zu verkleben. Zum Dank verschenken wir all unser Tagesproviant. Damit steht das Etappenziel dieses Tages fest: Zurück zur Autovermietung nach Salta ... Doch zunächst heißt es für uns, die Spur des LKW aufzunehmen, den die Frauen in der Salina wähnen und die Verfolgung zu starten. Gesucht wird ein großer roter Lastwagen, irgendsoeiner mit Plane. Irgendwo zwischen hier und da, dahinten in der weißen Wüste. Der erste Verdächtige hat ein Alibi, seit Tagen steht er schon mit Motorschaden bei dem kleinen Stützpunkt am Rande des Salzsees. Doch die drei Mechaniker vor Ort liefern weitere entscheidende Hinweise, der Gesuchte ist in die Salina gefahren und lädt frisches Salz. Der Weg ist einfach: Immer geradeaus den beiden Fahrrinnen nach bis dahinten, wo es rot schimmert. Die Fahrt über die Wüste ist ein Erlebnis, Marc fühlt sich wie auf einer Testtrecke in der Great Salt Lake Desert. Am LKW angekommen treffen wir auf drei zunächst mürrische Typen, es dauert etwas, bis wir unser Anliegen verständlich machen, die beiden Indios verstehen wir kaum. Es bedarf daher keiner großen Anstrengung, den LKW-Fahrer zu entlarven, denn er ist der einzige Weiße hier oben. Und er ist geständig, händigt uns ohne Zögern seine Versicherungspapiere aus, "Ningun problema, reine Formsache", meint er. Nachdem das "Salz" gebrochen ist, kommen wir ins Gespräch. Er heißt Antonio und ist eigentlich Spanier, seit seinem fünften Lebensjahr aber Mendoziner, zwischendurch hat er sogar ein paar Jahre in Spanien gearbeitet, aber das Leben gefällt ihm hier in Argentinien wesentlich besser, auch wenn wir uns über die Regierung schnell einig sind - eine Katastrophe. Dann erklärt er uns, wie das Salz abgebaut wird, wofür es verwendet wird und dass man im Sommer während der Regenzeit von November bis Ende Februar kein Salz abbauen kann, denn dann steht die ganze Wüste kniehoch unter Wasser. Gut, dass wir im Winter da waren.

Später in Salta kassiert Europcar den Schaden wegen der hohen Selbstbeteiligung natürlich dirket bei uns, die machen sich selbstverständlich nicht die Arbeit, die Versicherung zu bemühen, obwohl wir bei der Polizei einen Bericht eingeholt, alle nötigen Papiere beisammen haben und in Argentinien wohnen. Für die "Original-VW-Heckscheibe" knöpfen uns die Gauner fette 170 Euro ab, inklusive Touristenaufschlag, wir fühlen uns echt abgezockt, aber das ist hier leider nichts seltenes, denn die Regierung macht es den Menschen so vor.

Donnerstag, 28. August 2008

MAAM

Das Urteil unserer Reiseführer über die Museen Argentiniens ist ernüchternd. Meist mangele es an einer Struktur und logischer Anordnung, sodass ein Besucher zwar schöne Dinge zu sehen bekomme, diese seien jedoch meist aus dem Kontext gerissen und bar jeder Erklärung.

Das Museo de Arqueología de Alta Montaña (MAAM), das Museum für Hochgebirgsarchäologie, mitten in der Innenstadt Saltas, direkt an der Plaza 9 de Julio, stellt diesbezüglich jedoch eine Ausnahme dar. Es beinhaltet eine eindrucksvolle Sammlung über die Kultur der Inkas in Südamerika und zeigt viele archäologische Fundstücke aus dieser Zeit. Höhepunkt bilden die Niños de Llullaillaco, die Kinder des Llullaillaco, dem dritthöchsten Vulkan der Erde (6739 m), gelegen in den Anden zwischen Argentinien und Chile.

Berge hatten in der Inkawelt eine große Bedeutung und galten stets als Verbindung zwischen der Erde (
Patchamama = Mutter Erde) und den Göttern im Himmel. Um diese zu besänftigen und gut zu stimmen, wurden ihnen während des Qhapaqhucha-Festes ganz besondere Opfer dargeboten: Aus allen Ecken des Inka-Reichs, welches die Inka selbst Tawantinsuyu (Land der vier Teile) bezeichneten, prozessierten zu dieser Zeit ausgewählte Mitglieder der einzelnen Siedlungen nach Cuzco, dem kulturellen und auch geografischen Zentrum von Tawantinsuyu. Unter den Auserwählten waren Priester und andere Würdenträger sowie herausragend schöne (perfekte) Kinder, gesund und in sehr guter körperlicher Verfassung (Für die Götter nur das Beste). In Cuzco angekommen zelebrierte man sodann verschiedenste Rituale, opferte Tiere (z. B. Lamas), um anschließend auf einer Art Pilgerweg die Rückreise anzutreten. Wieder in den beheimateten Siedlungen angekommen, wurden die Pilger mit großer Freude empfangen, was Rituale mit weiteren Opferdarbringungen nach sich zog. Diesmal handelte es sich jedoch nicht um Tiere: Bei rhytmischen Gesängen wurden die auserwählten Kinder mit den besten und edelsten Kleidern angezogen, ihnen wurden die Haare geflochten und Chicha (Maisbier) zu trinken gegeben. Sobald der Alkohol sie genügend betäubt und berauscht hatte, wurden sie zusammen mit einer reichhaltigen und wertvollen Mitgift hoch oben in den Gipfeln der Anden begraben. In ihrem Glauben nahmen die Inka an, dass die Kinder ohne zu sterben ins Reich der Götter aufgenommen werden, um diesen dann die Geschenke bringen zu könenn, um sie damit bei Laune zu halten.

So fand im Jahr 1999 eine Expedition der National Geographic Society im Eis des Llullaillaco die Mumien dreier Kinder im Alter zwischen sechs und 15 Jahren. Zwei der Körper sind derzeit im hiesigen Museum zu bestaunen. Vorher jedoch durchläuft der Besucher einige Ausstellungsräume, in denen er ausführlich und anschaulich über die Kultur der Inka sowie die Geschichte der Hochgebirgsarchäologie informiert wird. Kommt man schließlich in den Saal der Mumien, verperrt zunächst eine spanische Wand die weitere Sicht. Ein Schild weist auf das nun Folgende hin, um sich bei denjenigen, die aus emotionalen, ethischen oder moralischen Gründen die Mumien nicht sehen möchten, zu verabschieden und herzlichst für ihr Interesse zu bedanken.

Unser Interesse jedoch reicht über die spanische Wand hinaus, und so erleben wir den unbeschreiblichen Anblick eines 500 Jahre alten Körpers eines Kindes, das aussieht, als ob es gerade eben erst eingeschlafen ist. Ehrfürchtig und wortkarg verlassen wir das Museum. Wer Lust hat kann hier und hier einen kleinen Eindruck bekommen. Bei Youtube kann man sich einen kleinen unscharfen Film über das Museum anschauen. Deutsche Artikel findet ihr hier und hier.

Anmerkung: Es herrscht Uneinigkeit darüber, wie die Kinder letztendlich gestorben sind. Entgegen der Museumsversion wird in anderen Berichten behauptet, sie seien schon vor ihrem Begräbnis z. B. durch Erwürgen oder Erschlagen gestorben.

Montag, 11. August 2008

Quebrada de Humahuaca

Von Salta aus nach Norden kommt man nach San Salvador de Jujuy, Hauptstadt der Provinz Jujuy. Dort beginnt die Quebrada de Humahuaca (UNESCO-Weltnaturerbe; sprich: Uma-uaka), die sich über rund 150 Kilometer bis zur Stadt Humahuaca erstreckt. (Als ich den Namen zum ersten mal las, dachte ich an die Horde tanzender Faultiere aus Ice Age, deren Gesang irgendwie ähnlich klang...) Humahuaca ist eine über vierhundert Jahre alte Siedlung auf dem Weg nach Bolivien, die Teil der bedeutenden Inka-Pfade entlang der Kordilleren war. Die wichtigsten Pfade führten entlang der Pazifikküste und auf dem Rücken der Anden vom Süden Kolumbiens durch Ecuador, Peru, Bolivien, Argentinien bis ins Zentrum Chiles.

Die Berge beiderseits des Tals sowie in Seitentälern sind größtenteils kahl, dadurch kann man die vielfarbigen Gesteinsschichten bewundern. Die verschiedenen Farben entstehen durch hohe Konzentrationen unterschiedlicher Mineralien in den Gesteinen, die sich vor der Auffaltung der Anden über Jahrmillionen im Boden abgelagert haben. Besonders der Cerro de los Siete Colores (Foto oben) bei Purmamarca ist mit seiner Farbenvielfalt ein Wahrzeichen für die pastellfarbene Bergwelt der argentinischen Puna.

Sonntag, 10. August 2008

Salta - La Linda

Die erste Station unserer Winterreise heißt Salta. Die Hauptstadt der gleichnahmigen Provinz trägt zu Recht den Beinamen La Linda - die Schöne. Davon können wir uns bereits bei unserer Ankunft überzeugen. Ein Taxi bringt uns nach einer 12-stündigen Busreise sonntags morgens um ca. 7.30 Uhr ins Zentrum der Stadt. So wie bei den meisten Städten Südamerikas tummelt sich alles rund um die zentrale Plaza, die hier in Salta besonders schön gelungen ist. Zitrusbäume und Palmen sorgen für ein besonders sommerlich fröhliches Flair. Umsäumt von einem Arkadengang, mit einer Fülle von Straßencafés, kommt man nicht umhin, hier einen Halt einzulegen, um einen leckeren licuado zu trinken, im Schatten der Bäume eine Siesta zu verbringen, auf den Bänken der Plaza gemütlich ein Sandwich zu futtern oder einfach nur die vorbei flanierenden, geschäftigen Salteños (Einwohner der Stadt) zu beobachten. Man muss jedoch eines anmerken: Schöner wäre die Plaza, wenn nicht die herumfahrenden Autos und die laut pfeifenden Verkehrsregler an jeder der vier Ecken die Aufmerksamkeit auf sich zögen. Das stört uns am Tag unserer Ankunft jedoch nur wenig, denn es ist noch früh am Morgen, kein Mensch und Auto in Sicht, sodass wir in Ruhe auf der Plaza sitzend beobachten, wie die Sonnenstrahlen endlich das Gebäude der Kathedrale an der Nordseite der Plaza überwinden und diese dann regelrecht vergolden.

Die Pro
vinz Salta ist eine der größten Provinzen Argentiniens und grenzt im Norden an Bolivien. Das Land scheint ganz anders als im Süden: die Landschaft, die Menschen und die Kultur sind den nördlichen Andenstaaten (Bolivien, Peru usw.) weitaus ähnlicher als der südlichere Teil des Landes. Zahlreiche Ruinen und Relikte aus präkolumbischen Zeiten zeugen von der indianischen Kultur, die immer noch stark zu spüren ist.
Ob es nun an
den vielen typischen Gesichtern der Nachfahren der Ureinwohner, oder an der atemberaubenden Naturkulisse liegt: Die Reise in den Norden gleicht einer Zeitreise ins ursprüngliche Südamerika.

Samstag, 26. April 2008

Neue Fotos ...

Hallo Leute, bei http://picasaweb.google.de/marc.seegers gibts endlich neue Fotos aus Argentinien: Wandern, Tronador, Rafting, Herbstbilder, Sommerurlaub, Gletscher, Ruta 40 und vieles mehr ... schaut mal rein.
Perito Moreno Gletscher 02-2008

Montag, 31. März 2008

La Ruta 40

Ende Februar hieß es schon wieder Koffer packen, um das Fernweh zu stillen. Diesmal ging es Richtung Süden und diesmal waren die Schwiegereltern mit im Gepäck. Obwohl die Schule noch nicht angefangen, Marc jedoch schon Schulpflicht hatte, konnte er diese Reise nicht mit uns antreten.
Ein Bus von Chaltén Trafel fuhr uns am ersten Tag durch die komplette Provinz Chubut bis in die Provinz Santa Cruz, genauer gesagt, nach Perito Moreno, einem kleinen unbedeutenden Städtchen mitten im Nirgendwo, circa 800 km südlich von Bariloche. Von hier aus ging es am nächten Morgen weiter, zunächst zur Cueva de las Manos. In einer atemberaubend schönen Schlucht des Río Pinturas wurden 1941 eine Fülle von Höhlemalereien entdeckt, deren Ursprung man um 7.000 v. Chr. schätzt. Sie zeigen neben einer großen Vielfalt an Händen auch Tiere, Jagdszenen und einfache Muster. 1999 hat man diese Höhlen zum Weltkulturerbe der Unesco ernannt.
Von da aus ging es nachmittags weiter nach El Chaltén am Lago Viedma, größtenteils über Schotterpisten übrigens. Am Fuße des beeindruckenen Berges Fitz Roy haben sich hier vor 20 Jahren die ersten Siedler niedergelassen. Heute lebt das Dorf fast ausschließich vom Bergtourismus. In der Hochsaison steigt die Einwohnerzahl von einigen hundert bis auf 15.000 an. Nach einer Übernachtung in einer gemütlichen Jugendherberge versuchten wir die Gegend zu erkunden. Der Versuch wurde aufgrund heftigster Windböen jedoch schon im Keim erstickt. Dies sei sehr typisch für diese Region, sagte man uns. Will man den Berg hinauf, müssen Bergsteiger oft tagelang warten, bis das Wetter eine Wandertour überhaupt erst möglich macht.
Gegen Mittag ging es dann wieder weiter Richtung El Calafate. Vollkommen auf Rüttel-Entzug - wir hatten mittlwerweile schon fast 16 Stunden nicht mehr in einem Bus gesessen - jubelten wir, als wir auf der nächsten Schotterpiste endlich wieder die Durchblutung in Gesäß und Oberschenkel auf die Probe stellen konnten. Das Sitzen auf den üblichen Reisesitzen, die Scheiben, die uns stets von der Außenwelt trennten, unter uns die vier großen rollenden Reifen, sowie der pausenlose Schleudergang waren mittlerweile so vertraute Begleiter geworden, dass wir uns im Bus schon fast heimisch fühlten. Immerhin: Wir können sagen, dass wir die berühmte Ruta 40, die längste Fernstraße Argentiniens, gefahren sind. Dass es sich dabei um eine Schotterpiste der abenteuerlichsten Art handelt, ist eher nebensächlich. Den meisten Schaden hatte wohl eher das Busunternehmen zu beklagen, denn die wild umherschleudernden Steine unter uns haben sichherlich ihre Spuren hinterlassen, nicht nur in unserem Trommelfell.
Das Endziel unserer Reise war El Calafate, das seinen Namen von einem in der Gegend wachsenden Beerenstrauch bekommen hat, dessen Früchte die Leute zu wunderbar schmeckenden Marmeladen, Kuchen und Eis weiterverarbeiten. Der Ort ist Ausgangspunkt zum Nationalpark Los Glaciares, der berühmt und bekannt ist für seine atemberaubende Gletscherlandschaft, übrigens auch ein Weltkulturerbe der Unesco. Der berühmteste Gletscher ist der Perito Moreno Gletscher, benannt nach dem berühmten Geograph und Anthropologen Francisco Pascasio Moreno (kurioserweise ist er nie dort gewesen). So staunten auch wir beim Anblick dieses Naturwunders und standen ehrfürchtig vor einer zum Teil 60 Meter hohen Gletscherwand, von der von Zeit zu Zeit Stücke in den kalten Lagao Argentino abbrachen. Wie in einem Fußballstadion jubelten die Zuschauer, als sie Zeuge dieser Erscheinung sein durften, sahen und hörten, wie das Eis erst mit einem Ächzen, dann aber mit einem lauten Krachen in die Tiefe stürzte. Noch einige Sekunden danach konnte man die Auswirkungen und die Kraft des Eises an den aufschlagenden Wellen erkennen.
Der Gletscher wächst übrigens weiter, entgegen allen anderen Gletschern auf der Welt; täglich schiebt er sich einige Zentimeter nach vorn, bis er eines Tages einen der Zuflüsse des Lago Argentino blockiert, sich hier das Wasser aufstaut und einen enormen Druck erzeugt. Wird dieser zu hoch, so geben die Eismassen in einem spektakulären Tosen, Brechen und Knallen nach und ein riesiger Eisberg stürzt in den See. Dieses Ereignis gab es zum letzten Mal im März 2006, mit einer erneuten "Vorführung" dieser Szene wird in diesem Winter gerechnet. Wer sich davon ein Bild machen will, der kann bei diesem Filmchen (siehe unten) staunen und Gänsehaut bekommen.
Anklicken lohnt sich!
Schade, dass wir nicht live dabei sein konnten, dennoch: Uns bleibt ohne die große Show ein unvergesslicher Eindruck, an den wir uns immer wieder gerne zurück erinnern werden.

Müde und immer noch ziemlich durchgerüttelt, kamen wir nach fünf Tagen Ruta 40 und vielen weiteren Erschütterungen und Rührungen wieder in Bariloche an. Zurück haben wir uns ein Flugzeug gegönnt. Es reichte uns die eine Kostprobe der Ruta 40!