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Montag, 31. März 2008

La Ruta 40

Ende Februar hieß es schon wieder Koffer packen, um das Fernweh zu stillen. Diesmal ging es Richtung Süden und diesmal waren die Schwiegereltern mit im Gepäck. Obwohl die Schule noch nicht angefangen, Marc jedoch schon Schulpflicht hatte, konnte er diese Reise nicht mit uns antreten.
Ein Bus von Chaltén Trafel fuhr uns am ersten Tag durch die komplette Provinz Chubut bis in die Provinz Santa Cruz, genauer gesagt, nach Perito Moreno, einem kleinen unbedeutenden Städtchen mitten im Nirgendwo, circa 800 km südlich von Bariloche. Von hier aus ging es am nächten Morgen weiter, zunächst zur Cueva de las Manos. In einer atemberaubend schönen Schlucht des Río Pinturas wurden 1941 eine Fülle von Höhlemalereien entdeckt, deren Ursprung man um 7.000 v. Chr. schätzt. Sie zeigen neben einer großen Vielfalt an Händen auch Tiere, Jagdszenen und einfache Muster. 1999 hat man diese Höhlen zum Weltkulturerbe der Unesco ernannt.
Von da aus ging es nachmittags weiter nach El Chaltén am Lago Viedma, größtenteils über Schotterpisten übrigens. Am Fuße des beeindruckenen Berges Fitz Roy haben sich hier vor 20 Jahren die ersten Siedler niedergelassen. Heute lebt das Dorf fast ausschließich vom Bergtourismus. In der Hochsaison steigt die Einwohnerzahl von einigen hundert bis auf 15.000 an. Nach einer Übernachtung in einer gemütlichen Jugendherberge versuchten wir die Gegend zu erkunden. Der Versuch wurde aufgrund heftigster Windböen jedoch schon im Keim erstickt. Dies sei sehr typisch für diese Region, sagte man uns. Will man den Berg hinauf, müssen Bergsteiger oft tagelang warten, bis das Wetter eine Wandertour überhaupt erst möglich macht.
Gegen Mittag ging es dann wieder weiter Richtung El Calafate. Vollkommen auf Rüttel-Entzug - wir hatten mittlwerweile schon fast 16 Stunden nicht mehr in einem Bus gesessen - jubelten wir, als wir auf der nächsten Schotterpiste endlich wieder die Durchblutung in Gesäß und Oberschenkel auf die Probe stellen konnten. Das Sitzen auf den üblichen Reisesitzen, die Scheiben, die uns stets von der Außenwelt trennten, unter uns die vier großen rollenden Reifen, sowie der pausenlose Schleudergang waren mittlerweile so vertraute Begleiter geworden, dass wir uns im Bus schon fast heimisch fühlten. Immerhin: Wir können sagen, dass wir die berühmte Ruta 40, die längste Fernstraße Argentiniens, gefahren sind. Dass es sich dabei um eine Schotterpiste der abenteuerlichsten Art handelt, ist eher nebensächlich. Den meisten Schaden hatte wohl eher das Busunternehmen zu beklagen, denn die wild umherschleudernden Steine unter uns haben sichherlich ihre Spuren hinterlassen, nicht nur in unserem Trommelfell.
Das Endziel unserer Reise war El Calafate, das seinen Namen von einem in der Gegend wachsenden Beerenstrauch bekommen hat, dessen Früchte die Leute zu wunderbar schmeckenden Marmeladen, Kuchen und Eis weiterverarbeiten. Der Ort ist Ausgangspunkt zum Nationalpark Los Glaciares, der berühmt und bekannt ist für seine atemberaubende Gletscherlandschaft, übrigens auch ein Weltkulturerbe der Unesco. Der berühmteste Gletscher ist der Perito Moreno Gletscher, benannt nach dem berühmten Geograph und Anthropologen Francisco Pascasio Moreno (kurioserweise ist er nie dort gewesen). So staunten auch wir beim Anblick dieses Naturwunders und standen ehrfürchtig vor einer zum Teil 60 Meter hohen Gletscherwand, von der von Zeit zu Zeit Stücke in den kalten Lagao Argentino abbrachen. Wie in einem Fußballstadion jubelten die Zuschauer, als sie Zeuge dieser Erscheinung sein durften, sahen und hörten, wie das Eis erst mit einem Ächzen, dann aber mit einem lauten Krachen in die Tiefe stürzte. Noch einige Sekunden danach konnte man die Auswirkungen und die Kraft des Eises an den aufschlagenden Wellen erkennen.
Der Gletscher wächst übrigens weiter, entgegen allen anderen Gletschern auf der Welt; täglich schiebt er sich einige Zentimeter nach vorn, bis er eines Tages einen der Zuflüsse des Lago Argentino blockiert, sich hier das Wasser aufstaut und einen enormen Druck erzeugt. Wird dieser zu hoch, so geben die Eismassen in einem spektakulären Tosen, Brechen und Knallen nach und ein riesiger Eisberg stürzt in den See. Dieses Ereignis gab es zum letzten Mal im März 2006, mit einer erneuten "Vorführung" dieser Szene wird in diesem Winter gerechnet. Wer sich davon ein Bild machen will, der kann bei diesem Filmchen (siehe unten) staunen und Gänsehaut bekommen.
Anklicken lohnt sich!
Schade, dass wir nicht live dabei sein konnten, dennoch: Uns bleibt ohne die große Show ein unvergesslicher Eindruck, an den wir uns immer wieder gerne zurück erinnern werden.

Müde und immer noch ziemlich durchgerüttelt, kamen wir nach fünf Tagen Ruta 40 und vielen weiteren Erschütterungen und Rührungen wieder in Bariloche an. Zurück haben wir uns ein Flugzeug gegönnt. Es reichte uns die eine Kostprobe der Ruta 40!

Sonntag, 16. März 2008

Das Wandern ist des Gringos Lust

Im Frühtau zu Berge wir geh´n, fallera,
es grünen die Wälder, die Höhn, fallera.
Wir wandern ohne Sorgen
singend in den Morgen
noch ehe im Tale die Hähne krähn.







Nicht ganz so harmonisch wie im Volkslied verlief unsere erste gemeinsame Wandertour zu einem der vielen Refugios rund um Bariloche. Marc hatte bereits einige paar Tage zuvor die Bergwelt unsicher machen wollen, was jedoch nicht von Erfolg gekrönt war, denn die Bergwelt war eindeutig stärker und schaffte es ihrerseits, Marc tief zu verunsichern. Die Beratung im hiesigen Club Andino, der für Ausflüge in die Berge der erste Ansprechpartner sein soll, enttäuschte doch arg. Alle Touren seien gut zu schaffen, die Wege prima und alles kein Problem. Jedoch war Marcs zweitägige Wandertour Paso de las Nubes alles andere als anfängertauglich. Nach diesen Erfahrungen glaubten wir danach doch lieber der Meinung der Kollegen und Bekannten, die uns eine Wanderung zum Refugio Otto Meiling auf dem Tronador empfahlen, mit 3491 m der höchste Berg in unserer Umgebung. Der von Gletschern umgebene Berg macht seinem Namen (Donnerer) alle Ehre, denn von Zeit zu Zeit hört man schon von weitem das Grollen, wenn Eismassen in die Tiefen stürzen. Ausgangspunkt der Wanderung ist Pampa Linda, das man nach einer zweistündigen Fahrt über 50 km Schotterpiste erreicht. Kurz vor Beginn dieser Buckelpiste wird Eintrittsgeld zum Parque Nacional Nahuel Huapi verlangt, dem ältesten Nationalpark Argentiniens. Als Ansässige haben wir jedoch freien Eintritt. Zu beachten ist zusätzlich, dass die Verkehrsrichtung der Straße alle fünf Stunden wechselt: Nach Pampa Linda hin kommt man nur zwischen 9 und 14 Uhr, bis 19 Uhr geht es dann in die andere Richtung zurück nach Bariloche. Für die Wanderung sind vom Startpunkt bis zur Berghütte fünf Stunden angesetzt. Ich gehe jedoch davon aus, dass wir schneller sind, zu oft konnten wir in der Vergangenheit die angegebenen Richtwerte unterbieten. Noch bin ich optimistisch und frohen Mutes: Der Himmel ohne Wolken, der Bauch gefüllt, die Haut eingecremt mit LSF 65, der Rucksack voller Proviant und Wasser, sodass es einem an nichts mangeln muss. Noch ist die Welt in Ordnung, mein Leben scheint nicht in Gefahr, ich wähne mich in der absoluten Gewissheit, dass ich diesen Tag überleben werde. Auch, nachdem wir endlich die schweren Rucksäcke auf dem Rücken tragen und die ersten Schritte wagen, ahne ich noch Nichts. Nachdem wir den Río Castaño Overo überqueren, folgt eine lange Reihe von Serpentinen, die wir stets durch kleine, quer verlaufende Trampelpfade abkürzen. Mal müssen wir unter einen umgefallenen Baumstamm langkriechen, mal einen sandigen Steilhang hoch oder herunterhängende Äste versperren uns den Weg. Dies ist allerdings im Gegensatz zu dem, was uns in Kürze erwarten wird, ein Kinderspiel. Als wir Serpentine Nr. 458 abkürzen, bekommen wir unerwarteten Besuch. Erst eine, dann zwei, drei, kurze Zeit später jedoch Hunderte. Sie nennen sich tábanos, was man gemeinhin als Bremse übersetzten würde. Jedoch das, was uns da das Leben zur Hölle macht, kann man unmöglich als Bremse bezeichnen. Da haben sich Abscheulichkeit, Dreistigkeit, Gemeinheit und Persistenz zusammengetan, um dem Menschen verschiedenste negative Emotionen zu entlocken: Wut, Angst und Verzweiflung sind ab sofort unsere Begleiter. Sie fliegen wie Bienenschwärme um Kopf und Beine herum, versuchen um jeden Preis Hautkontakt zu bekommen, und einige versuchen es sogar in allen möglichen Körperöffnungen. Bleibt man stehen, ist man ihnen ausgeliefert. So ist Bewegung der einzige klägliche Ausweg, mit dieser Situation fertig zu werden. Wenn wir anderen Wanderern begegnen, schauen wir uns stumm und mitleidig an, Anteilnahme braucht hier keine Worte, das wäre auch fatal, denn beim Öffnen des Mundes eröffnen sich neue Horizonte für unsere lästigen Begleiter. Das stetige Schlagen und Schwingen eines Tuches oder Hutes scheint Abhilfe zu bringen, andere versuchen es mit Tanzen, wiederum andere vermummen sich mit allem, was sie dabei haben. Würde man von oben auf den Berg schauen können, sähe man eine Horde wildgewordener Wanderer, die offenbar alle von derselben Geisteskrankheit befallen sind. Eine Pause ist aufgrund der hohen Angriffsgefahr nicht möglich, Gehen und Bewegen heißt die Devise. An der Baumgrenze vorbei, sind wir nun auch der Sonne schutzlos ausgeliefert. Körperliche Schwäche stellt sich ein, Schweiß, Sonnencreme und Staub bringen Unerfreuliches, eine pelzige, schmierige Schicht bildet sich auf unserer Haut. Mir macht das allerdings nicht mehr viel aus, denn ich habe das Gefühl, mein Leben retten zu müssen. Keuchend, wankend und kraftlos suchen wir Schutz vor der Sonne unter einem kleinen Felsvorsprung. Zwei Dosen kühle Limonade, die Marc zur großen Überraschung aus dem Rucksack zaubert, haben gleich eine doppelte Wirkung: Der Zucker verhilft uns zu neuer Energie und so wird auch der Rucksack leichter. Die letzte Stunde ist angebrochen, an den Gletscherfeldern angelangt tut sich die letzte Etappe auf. Endlich haben wir Sichtkontakt zum Zielobjekt, was hilft, die letzten Energiereserven zu sammeln. Nach fünfeinhalb Stunden sind wir oben angekommen und uns erschließt sich eine spektakuläre Sicht auf die drei Gipfelspitzen des Cerro Tronador, viele Gletscher und die Andenkette. Alle Strapazen und Anstrengungen sind vergessen. Nach einem zünftigen Abendessen genießen wir den Sonnenuntergang, die Sterne und die Stille der Nacht. Ein Erlebnis, das zur Wiederholung einlädt!

PS: Zwei Wochen später hätten wir die tábanos wohl nicht kennen gelernt, sie haben eine recht kurze Lebensdauer und zeigen sich in dieser Gegend nur im Januar und Februar.

Mittwoch, 20. Februar 2008

Bariloche - Buenos Aires: 1600 KM geradeaus

Auf der Fahrt nach Buenos Aires (damals im Dezember 2007, Gott, ist das lange her...) habe ich so etwa alle Hundert Kilometer angehalten und einen Schnappschuss von der Landschaft gemacht. Auf den 20 Bildern des Albums könnt ihr also ganz gut die Weite Patagoniens erfahren und den Übergang der verschiedenen Landschaften erkennen: von der patagonischen Schichtstufenlandschaft Río Negros über die Steppenlandschaft der Provinz La Pampa bis hin zur feuchten Grassteppe (Pampa) der Provinz Buenos Aires. Viel Spaß auf der Reise! (Bitte auf das Bild klicken. Ich empfehle die "Diaschau" mit Anzeige der Untertitel von 8-10 Sekunden, dann kann man alles lesen und trotzdem Bilder gucken.)

1600 KM von Bariloche nach Buenos Aires in 20 Bildern

Samstag, 26. Januar 2008

Zurück nach Patagonien

Die Woche in Valeria del Mar verging wie im Fluge. Neben Schwimmen, am Strand liegen, Sudokus lösen, Bücher lesen und dem fruchtig-frischen Trinkgenuss von licuados (Milch- oder Fruchtshakes), ritten wir am Meer der Abendsonne entgegen. Marc musste uns jedoch dabei von hinten zusehen, denn sein Gaul ... war faul. Bei Antritt der Rückfahrt standen uns ungefähr 1700 km bevor. Um nicht die ganze Strecke vor Augen haben zu müssen, erlaubten wir uns kleine Zwischenstopps z. B. im Strandort Balneario Orense, ein Ort, den wohl noch nie ein Tourist zuvor betreten hat, so überrascht war man bei unserer Ankunft auf dem Campingplatz "Médano 40" (genannt nach der gleichnamigen, überdurchschnittlich hohen Düne), dass wir als extranjeros (Ausländer) den Weg dorthin gefunden haben. Am nächsten Tag wollten wir dann einen Abstecher in die einzige und damit auch höchste Erhebung der Provinz Buenos Aires machen. Doch der Zugang zur Sierra de la Ventana war bis auf Weiteres wegen Waldbrand gesperrt. Von daher war uns der Anblick des Cerro Ventana und des Cerro Tres Picos nicht vergönnt. Enttäuscht und etwas müde entschieden wir uns nun doch, möglichst schnell wieder heim nach Bariloche zu fahren. So fuhren wir stundenlang durch die Weite der Pampa und Patagoniens, vorbei an Feldern und Wiesen zurück ins Andenvorland. Ein paar freie Tage vor Schulbeginn werden uns erlauben, einige Reisen ins Umland von Bariloche und seine wunderschöne Natur zu unternehmen. Wir werden berichten.

Sonntag, 20. Januar 2008

Sonne, Sand und Meer

Die folgende Woche haben wir uns bei rund 30 bis 35 Grad von den 40 Grad Hitze in Buenos Aires erholt! Der Campingplatz und der Strand und das Meer am Rande von Villa Gesell waren ja wunderschön ..., aber der Ort, eine einzige Katastrophe! Renesse an Pfingsten, nur zehnfach schlimmer! Das Arenal Argentiniens! Party bis in die Morgenstunden, statt Sex, Drugs and Rock `n` Roll gabs auch schon mal Drogen, Mord und Totschlag. Okay, ob es wirklich fünf tote Jugendliche nach einer morgendlichen Disko-Schlägerei gab, wie wir es aus der Gerüchteküche gehört haben, ließ sich bisher nicht bestätigen, aber ein paar Dealer, die in Diskos "éxtasis, LSD, cocaína y marihuana" vertickt haben, gabs wirklich (siehe Clarín online).

Nach ein paar Tagen im Zelt sind wir dann rund 20 km weiter nach Valeria del Mar umgezogen. Der Ort hatte uns ja Ostern schon gefallen, fast schon idyllisch - die Hostería Martins ist auch viel gemütlicher als das Zelt - und hat ebenfalls einen tollen, breiten Strand, wo man auf dem Weg zum Wasser nicht über Handtücher und Sonnenschirme springen muss.

Nach fast zwei Wochen Sonne, Sand und Meer machen wir uns dann auf den Heimweg. Zwischendurch wollen wir noch einen Stopp in der Sierra de la Ventana machen (hier gibts schon mal ein paar Fotos), einem netten, kleinen Gebirge mitten in der Pampa nahe Bahía Blanca.

Montag, 14. Januar 2008

...da haben wir doch etwas Wichtiges vergessen

Inzwischen sind wir weiter gereist. Ein kurzer Stopp in "La Plata", der Hauptstadt der Provinz Buenos Aires, erlaubt uns den Anblick der Kathedrale "Inmaculada Concepción". Für eine argentininsche Kirche sieht sie etwas ungewöhnlich aus, fast denkt man irgendwo in Europa zu stehen. Nach Vorbildern aus Deutschland (Kölner Dom) und Frankreich (Notre Dame, Notre Dame d'Amiens) wurde sie 1885 erbaut und gilt als eine der größten Kirchen Südamerikas. Mit ihren 111 m hohen Kirchtürmen erlangt sie jedoch nur Platz 40 in der Weltrangliste der höchsten Kirchen. (Preisfrage: Welche Kirchtürme belegen die ersten drei Plätze?)

Am nächsten Tag beglückt der in diesem Jahr erste Anblick des Meeres unser beider Gemüt. Das für uns reservierte Zimmer in einer Hostería in Valeria del Mar können wir erst in fünf Tagen beziehen. Das stört uns jedoch nicht im Geringsten, in der Gewissheit, in Besitz eines Zeltes zu sein. Der Kofferraum unseres Autos ist beinahe so geräumig wie ein Haus, sodass wir uns schnell daran machen die Räume sinnvoll aufzuteilen.

So treffen wir gegen 22.00 am Campingplatz unserer Wahl, "Monte Bubi", in der Nähe von Villa Gesell ein und freuen uns auf unser zu Hause für die nächsten fünf Tage. Um so entsetzter sind wir beim Anblick des Inhalts der Zelttasche: Heringe en masse, alle 3 Zeltstangen und ein wunderbar großes Außenzelt... Nada más! Es fehlt das Innenzelt, das wahrscheinlich noch in Deutschland liegt. Ohne das ist der Rest nutzlos. Auf die Frage, wie lange der Supermarkt geöffnet sei und ob man dort auch Zelte bekommen könne, reagiert das Personal etwas irritiert. Schnell ist jedoch unsere Not erklärt und hilfsbereit, wie man unter Campern ist, bekommen wir als Provisorium für die kommende Nacht ein superkleines Zelt, wahrscheinlich kleiner als der Grundriss eines französischen Bettes. Damit Sturm und Regen nicht noch ihr Übriges tun können, um uns um diese Nacht zu bringen, spannen wir dass "deutsche" Außenzelt als Schutz darüber... Gerade im Moment voller Aktivität kommt unser "Nachbar" vorbei und fragt: "¿Ya saben cómo?", frei übersetzt: "Ihr wisst schon, wie man ein Zelt aufbaut, oder?" Zu Recht. Denn das Ding, in dem wir schlafen werden, gleicht weniger einem Zelt, als eher einer Schildkröte, der man einen viel zu großen Panzer aufgesetzt hat. Nach der Erläuterung der Lage scheint das Eis zu unseren Nachbarn gebrochen. Man bietet uns an, im Falle eines Wetterumschwungs Unterschlupf in ihrem Vorzelt zu finden, und so beginnt ein schier endloser Monolog über das Camperdasein in Argentinien mit einigen längeren Abstechern in die Politik des Landes, das Wetter und die Geografie. Während der Ansprache wächst in mir die Verzweiflung so sehr, dass ich fast heulen möchte, so groß ist die Hoffungslosigkeit, je wieder aus den Händen dieses von Sprechdurchfall geplagten Mannes zu kommen. Dennoch gelingt uns das scheinbar Unmögliche zu später Stunde, sodass wir endlich und vollkommen erschlagen in unseren Kokon schlüpfen, um uns am nächsten Morgen einigermaßen erholt ein neues Zuhause zu kaufen. Siehe da!

Montag, 7. Januar 2008

...und es geht weiter!

Nach einer Woche Buenos Aires sind wir einem Hostería-Tipp der hiesigen Tageszeitung Clarín gefolgt und nach Tigre gefahren. Tigre ist eine kleine Stadt im Nordwesten der Hauptstadt und gilt als Startpunkt für den Besuch des Labyrinths unzähliger Flussarme, die sich im Delta des Río Paraná an seiner Mündung in den breiten Río de la Plata gebildet haben (Nur zur Info: Der Río de la Plata ist an seiner schmalsten Stelle etwa 50 km breit und bildet den Zusammenfluss des Río Paraná und des Río Uruguay. Durch beständigen, starken Wind vom Meer her wurde am Wochenende das Wasser den Fluss wieder "hochgedrückt" und stieg im ganzen Delta binnen Stunden um über zwei Meter!). Von hier gehen wir an Bord und werden mit einem Luxusliner (Foto) auf eine der Inseln gebracht. Die Fahrt gleicht einer Fahrt in die Vergangenheit. Wie auf den Spuren von Tom Sawyer entdecken wir hier die bunte Vielfalt einer Flusslandschaft. Die verwirrende Welt von Kanälen, Wasserstraßen und Inseln ist beeindruckend, der Kontrast zur Großtadt kann gewaltiger nicht sein. Die Landschaft lässt das Gedränge, den Lärm und die Hektik von Buenos Aires mit einem Mal vergessen und subtropische Flora, üppig gefüllte Flussbetten und das beständige Plätschern des Wassers verwöhnen die Sinne. Je weiter weg von Tigre, desto stiller wird es. Hier und da sieht man tote Schiffe ihrem Schicksal selbst überlassen, andere fast tote Schiffe fahren noch schwere Last und erinnern auf seltame Art und Weise an die Schaufelraddampfer des Mississippi. An den Ufern zeigt sich eine bunte Mischung architektonischen Könnens verschiedenster Epochen, allen Häusern gemein: sie sind nur über den Wasserweg zu erreichen, Stege und Stiegen hinauf zum Ufer zieren jedes bewohnte Grundstück. Hier bleiben wir drei Tage und zuweilen trauen wir uns auch in das braune Wasser des Flusses, der, zumindest in den drei breiten Haupkanälen, von kleineren und größeren, alten und noch viel älteren Schiffen befahren wird, da diese einen wichtigen Verkehrsweg ins Landesinnere darstellen. Braun ist der Fluss jedoch nicht deswegen, vielmehr schwemmt der Fluss auf seinen langem Weg zum Atlantik Eisen und 'ne Menge Schlamm aus dem Erdreich an. Den Argentinier scheint das wenig zu irritieren, denn bei einem Streifzug durch einige Flussarme sieht man mehr Menschen zu Wasser als zu Lande.

Wer sich einmal selbst ein Bild machen will, kann dies durch den kürzlich in den Kinos gezeigten Film La León tun. Eine ausführliche Beschreibung des Films gibt es hier.

Freitag, 4. Januar 2008

Back in Buenos Aires

Wir ihr ja schon lesen konntet, sind wir wieder wohlbehalten wenn auch total gerädert in Buenos Aires angekommen. Die Lufthansa hat uns für die einzigen beiden Trunkenbolde im ganzen Flieger, die ausgerechnet 13 Stunden lang neben und teilweise auf uns saßen, mit einer Flasche Champus entschädigt, die wir Silvester auf der Dachterrasse unseres Apartements geköpft haben. Der Anflug auf Buenos Aires ist jedes mal der reinste Wahnsinn (ich durfte ja schon letztes Jahr drei Mal mehr zu Fortbildungen auf die Stadt anfliegen), und jedes mal ist es irre, wie riesig diese Stadt ist, sie hat keinen Anfang und kein Ende, ein endloses Häusermeer, im Norden nur durch den Río de la Plata begrenzt, in alle anderen Richtungen kann man das Ende wegen der Erdkrümmung (oder des Dunstes?) nicht einsehen. Frankfurts Hochhäuser stehen hier an einer von tausenden Straßenkreuzungen und die Bevölkerung Winnekendonks (rund 4.000 Seelen) könnte rechnerisch in zwei Blocks untergebracht werden... einfach kolossal!

Eigentlich wollte ich von einer unserer zahlereichen Taxifahrten erzählen, die wir uns glücklicherweise bedenkenlos leisten können, jedenfalls was den Fahrpreis angeht, was die Sicherheit betrifft, sollte man lieber nicht an die ganzen Geschichten von ausgeraubten Touristen denken, wenn man grad mal ein Taxi nehmen möchte. Man sollte jedenfalls immer ein sogenanntes "Radio-Taxi" oder ein "Remise" (Mietwagen) nehmen, denn von den geschätzten 70.000 schwarz-gelben Taxen sind nach Meinung unseres Taxifahrers rund 20.000 bis 30.000 nicht registriert, gleichwohl sie täuschend echt aussehen. Na jedenfalls sind wir von Villa Ballester in rund 20 Minuten bis Belgrano gefahren worden, und es müssten ungefähr sechs bis sieben Kilometer gewesen sein, auf denen unserer Fahrer locker 20 rote Ampeln überfahren hat! Zwanzig von ungefähr zwanzig! Endlich habe ich eine der Verkehrsregeln von Buenos Aires entschlüsselt: Taxen haben per se Vorfahrt! Die Regel "rechts vor links" soll in Argentinien angeblich auch gelten, hat der Fahrer aber nur einmal beachtet, es war wohl eher Zufall.

Und mehr gibt es auch nicht zu berichten, denn mehr haben wir eigentlich nicht unternommen. Tagsüber haben wir uns in unserer gekühlten Höhle verkrochen und nachts waren wir zu erschöpft von der Hitze, um etwas zu unternehmen. Bei 39 Grad Celsius haben denn auch die Pilates-Jünger im Park eine Pause gemacht, und Tàijíquán, bekannt als Tai Chi Chuan, wird sicher auch erst wieder unter 30º open air statt finden. In den letzten Tagen wars hier eigentlich immer rund 35º, nur nachts gings mal bis auf 25º runter. Gestern Nacht war ein Gewitter, viel Regen fiel und die Temperaturen fielen auf 22º, da wars tatsächlich zu kalt ohne T-Shirt!