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Dienstag, 14. Oktober 2008

Atemberaubendes Erlebnis, spektakuläres Schauspiel und viel mehr!

Von Gastautorin Ann-Katrin Seegers

Es war ein sonniger Tag und wir Drei vom argentinischen Niederrhein machten uns mit dem gemieteten Auto auf den Weg zu dem berühmtesten Dreiländereck Südamerikas. Dort angekommen wollten wir natürlich nicht nur das Ländereck Argentinien-Paraguay-Brasilien sehen, sondern viel mehr: die Iguazú-Wasserfälle - und es war ein Schauspiel für sich. Wir sind aus allen Wolken gefallen, die man nur am Himmel finden konnte, es war allerdings ein wolkenloser Tag bei 28C°, mitten im argentinischen Winter. Morgens früh, nach einem leckeren Frühstück haben Birgit, Marc und ich uns also auf den Weg gemacht, die Iguazú-Wasserfälle zu besichtigen. Erst eine kleine Fahrt mit dem Auto, dann musste ein Schattenparkplatz gefunden werden, der Körper wurde mit Insektenspray bombardiert und dann ab zur Menschenschlange, die uns die Tür zu den Wasserfällen öffnete (Website der Parkverwaltung). Fünf Minuten später waren wir dann auch endlich drinnen und es konnte mit dem Toilettenbesuch losgehen. Als dann tatsächlich alle fertig waren, haben wir uns auf die Socken gemacht, um nun endlich was zu sehen. Tatsache, keine zehn Meter weiter standen wir in dem schönsten Tropenwald aller Zeiten, man sollte nur leider nicht vom Weg abkommen, es hätte uns eine böse Schlange auflauern können.

Ein Fußmarsch, der uns bei diesem tollen Wetter nichts ausmachte, brachte uns dann zu den Wasserfällen. Tock, tock, tock da lagen wir dann alle Drei auf dem Boden vor lauter Staunen. Man konnte das Wasser hören und spüren, den Vögeln beim piepen zuschauen, das Gras riechen, die Menschen beobachten und die Natur und das Schauspiel genießen, es war wahnsinnig und einfach nur atemberaubend. Noch ganz benebelt von unserem "ersten" Eindruck gings weiter zu unserem "zweiten" Eindruck, der fast zu einer Ohnmacht geführt hätte. Tock, tock, tock, nein diesmal sind wir stehen geblieben, aber es war größer, weiter, breiter und schöner, die Aussicht war unglaublich und nicht nur das, wir standen regelrecht über dem Abgrund des Wasserfalls, wo jede Sekunde soooo viele Liter Wasser runterplatschen. Du bekamst den Sprühregen des Wasserfalls direkt in dein Gesicht gespritzt und es war eine angenehm warm-kalte Mischung zur Erfrischung. Nachdem wir uns dann alle wieder gefangen hatten, setzten wir unsere Reise fort... Wir trafen noch so viele andere begeisterte Menschen, Tiere, Parkführer und Deutsche, sodass man auch mal ein Pläuschchen mit Einheimischen führen konnte - wundervoll, ich fühlte mich ganz wie zu Hause - und dann gings weiter, die zwei Kilometer lange Wasserfallentdeckungstour durch den Park, der der Höhepunkt unserer 7.500 Kilometer Reise war.

Nun ja, wir hatten bis dahin ja schon wirklich viel gesehen und erlebt, aber als wir dann auf dem Weg zu dem Boot waren, dass uns hautnah an die Wasserfälle ranbringen sollte, trafen wir auch noch komische und vor allem freche Tiere, die sogenannten Nasenbären. Die waren vielleicht putzig und wenn man nicht aufpasste, hatte man kein Brot mehr in der Hand. Als dann auch die Nasenbären wieder weg waren, kamen wir unserem Boot immer näher. WOW! Eine riesige Schlange aus Menschen erwartete uns, eine Schwimmweste gabs auch, drei Säcke zum Gepäck verstauen dazu, ein Helfer auf dem Bootssteg und ein Mann mit Kamera, der unsere Bootsfahrt begleitete. Als dann endlich alle auf ihren Plätzen saßen, ging es auch schon los. Der Motor heulte auf, der Kameramann ließ uns alle mit auf seinen Film und dann kam die Gischt der Wasserfälle auf uns zu, besser wir kamen mit dem Boot auf sie zu. Immer näher, und näher und näher und dann: Mit dem Bug in die Gischt, die Gischt auf uns Menschen, die Menschen pitsche nass und alle schrien: "Wir wollen nochmal!", natürlich auf Spanisch, ich auf Deutsch. Der Fahrer hatte schon gewendet und fuhr auf die gegenüber liegende Seite der Isla San Martín, die die Wasserfälle in zwei Gebiete unterteilt. Gut, nun waren wir auf der anderen Seite, zwar nicht ganz so spektakulär, aber genauso nass wie beim ersten Mal. Dann das ganze Spielchen noch einmal und schließlich kamen alle mit einem breiten Grinsen aus dem Boot raus und keiner, wirklich keiner konnte noch ein trockenes Fleckchen an seiner Kleidung nachweisen. Also beschlossen wir, mit dem zweiten Boot auf die Insel San Martín zu schippern und uns dort auf den Steinen ein bisschen zu sonnen und unsere Sachen zu trocknen. Das Nickerchen beendet und mit riesigem Kohldampf im Magen bestiegen wir den Berg der kleinen Insel, um zu einem weiteren spektakulären Ort zu gelangen. Oben angekommen hatten wir einen umwerfenden Blick über die Wucht des Wassers, das wir zu Gesicht bekamen. Hautnah, zehn Meter maximal entfernt und um uns herum zwei Kilometer lang nichts als Wasserfälle, was will man mehr?

Wir wollten etwas zu essen haben, um uns dann auf die letzte Etappe des Tages vorzubereiten... Was haben wir also getan? Richtig: Wir sind zu einem sündhaft teuren Laden gegangen - alle Läden wären teuer gewesen, also war es egal welchen wir nahmen - und haben uns Sandwiches geholt, ausgeruht und wurden wieder mal von unseren Freunden, den Nasenbären, belagert. Dann gings zur letzten Etappe, die wir mit einer gemütlichen Bahnfahrt begannen, die Bimmelbahn. Die jeden Tag hin und her fährt, hin und her. An der Endstation angekommen, durften wir aufs Neue eine Fußstrecke über eine Fußgängerbrücke zurücklegen, die endlos erschien, aber nicht nur uns, auch kleine Kinder fingen an zu quängeln. Das man am Gesichtsausdruck sah, den ich dennoch deuten kann, auch wenn ich kein Spanisch verstehe. Angekommen am Teufelsschlund (span. Garganta del Diablo), an dem sich Menschenmassen tummelten, wie sonst nur an Kirmestagen, durften wir auch endlich sehen, was andere Leute in eine Trance versetzte, uns einschließlich. WOW, so viel dreckiges Wasser auf einmal?! Wo kommt das denn her? Mein Bruder erklärte mir dann, dass das Wasser aus dem Fluss kommt, der den Modder mit herspült und dann hier in die Wasserfälle mündet. Zufrieden mit der Antwort und mit den Fotos, die ich an diesem Tag gemacht hatte - es waren wohl weit über 150 Fotos - gingen wir mit unseren Eindrücken im Kopf zurück zur Bimmelbahn, dann zum Ausgang, dann zum Parkplatz, ab ins Auto, zurück ins Hotel und ab ins Bett. Es war ein Tag, den ich noch lange in meinem Herzen behalten und an den ich mich gerne zurück erinnern werde. Ich hoffe, ihr habt einen kleinen Eindruck bekommen können, den ihr jetzt auch in eurem Herzen tragt, denn dort ist die Welt noch in Ordnung, denn da muss man keine Sorgen haben und kann seine Gedanken kreisen lassen.

Samstag, 13. September 2008

Tren a las Nubes

Er zählt zu einer der Hauptattraktionen, die Argentinien zu bieten hat, in jeglichen Reiseführern und Magazinen wird der Tren a las Nubes, der Zug in die Wolken, als ein Muß beschrieben. Die Arbeiten zu dieser spektakulären Eisenbahnlinie begannen in den 1920er Jahren und dauerten über zwei Jahrzehnte bis zu seiner kompletten Fertigstellung. Der Zug verband einst die Stadt Salta an der östlichen Andenseite mit der chilenischen Pazifikküste auf der anderen Seite des Gebirges. Heute fährt der Zug jedoch nur noch ein Drittel seiner Strecke und gilt seither nicht mehr als gewöhnliches Fortbewegungsmittel, sondern als eine Touristenattraktion der besonderen Art. Beindruckender als auf jeder Kinoleinwand und entspannter als während einer Höhenwanderung erlebt der Fahrgast bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 35 km/h die Schönheit der Berge und Täler der Region und wird Zeuge, wie die Landschaft sich vom einen zum nächsten Augenblick verändert. In Salta nährt noch das satte Grün der saftigen Wiesen die Kulisse, mit Eintritt in die Anden ändert sich das Bild jedoch abrupt. Tiefe Felswände und Schluchten wirken imposant und respekteinflößend, die Farben der verschiedenen Gesteinsschichten reichen von kaminrot über orange und ocker bis hin zu dunkelbraun und schwarz. Sie scheinen die bedrohliche Szenerie geradezu zu besänftigen und abzumildern. Die vielen Kolonien von riesigen Kandelaber-Kakteen, wirken wie stumme Zeugen der ständigen Wandlung der Landschaft.

Auf dem Weg durch die Anden passiert der Zug zahlreiche Tunnel, Brücken und Viadukte. Er quält sich dabei sich auf eine Höhe von 4200 Meter ü. d. M. hinauf, bis er schließlich den Viaducto La Polvorilla - mit seinen 224 Metern Länge und 65 Metern Höhe eine Ingenieursleistung höchster Klasse - erreicht. Nach einem kurzen Aufenthalt geht die Reise zurück, was jedoch nicht einfach nur einem Rückweg gleicht, da die andere Richtung neue Perspektiven eröffnet, den Blickwinkel erweitert. Inzwischen ist auch die Sonne ein Stück weitergelaufen, und somit sorgen auch die veränderten Lichtverhältnisse für viele neue Eindrücke.

Wahrlich: ein Genuß, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Einen Schatten hat das Ganze jedoch. Auch, wenn man bester Gesundheit ist und einem die Höhe und tiefe Abgründe nichts ausmachen, so erleidet man jedoch beim Preis einen akuten Schwindelanfall: Die Fahrt für eine Person kostet inzwischen stolze 140 US-Dollar!!

Die Entscheidung gegen diese Fahrt fällt uns dadurch leicht. Stattdessen fahren wir mit unserem luftigen Mietwagen (er hat ja keine Heckscheibe mehr) im
mer schön neben der Eisenbahnlinie her, kreuzen die Schienen hier und da und erleben das Ganze Spektakel eine Nummer kleiner. Der Vorteil: den Anblick der unzähligen Brücken und Viadukte können nur wir genießen, die Zuggäste müssen schauen, dass sie sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Oben in dem Dörfchen San Antonio de los Cobres machen wir Rast und bestellen uns das billigste Mittagessen unseres gesamten Argentinienaufenthaltes (eine Pizza, zwei riesige Lomitos und drei Empanadas für 24 Pesos - soviel kostet ein günstiges Lomito in Bariloche). Der Ort wirkt trotz oder gerade wegen seiner Öde und Kargheit interessant und geradezu unwirklich. Er scheint wie das Dorf einer Modelleisenbahn, nur dass der Konstrukteur vergessen hat, die Bäume aufzustellen und die Häuser anzumalen. Wir haben jedoch diesmal wenig Zeit, um noch mehr Eindrücke einzufangen, zu sehr drängt das Auto auf eine neue Heckscheibe.

Nachtrag:
Auch, wenn wir mit dem Zug hätten fahren wollen, wäre dies nicht möglich gewesen. Vor drei Jahren war vorerst der Betrieb eingestellt und der Firma die Lizenz entzogen worden, da der Zug mitten auf dem Viadukt La Polvorilla stehen geblieben und nicht mehr zu bewegen war. Die Gäste wurden in schwindelerregender Höhe evakuiert. Seit dem 6. August 2008 fährt er nun wieder. Mit neuer Firma, neuer Lizenz und hoffentlich neuem Motor! Leider waren wir zwei Wochen zu früh da, aber für das gesparte Geld konnten wir eine Woche länger Urlaub machen! :-)

Mittwoch, 10. September 2008

Salinas Grandes

Durch einen unglücklichen Zufall kamen wir während unseres Urlaubs in den Genuss, die Salinas Grandes del Noroeste, eine große Salzwüste, etwas intensiver zu erleben als der normale Tourist. Hier die Auszüge aus unserem Logbuch.

Von Purmamarca (2.206 Meter ü. d. M.) führt uns gegen 9 Uhr morgens eine abenteuerlicher Pass hoch auf 4170 Meter. Dort oben ist es trotz strahlender Sonne eiskalt. Eigentlich wollten wir nur kurz aussteigen, um Beweisfotos dafür zu machen, der Sonne jemals so nah gekommen zu sein. Wir entdecken jedoch, dass wir hier oben nicht die Einzigen sind. Eine Frau steht vor einer Auswahl indianischer Kunstgegenstände, die sie wohl schon vor einer Weile vor sich ausgebreitet haben muss. Bekleidet mit einem Hut, Tuch und Sommerjäckchen kann man sich kaum vorstellen, dass sie hier schon länger steht und noch lebt. Wir bekommen auf unsere Fragen nur zurückhaltend knappe Antworten, ein Gespräch kann man das nicht nennen. Nach diesem Steno-Frage-Antwort-Spiel wissen wir jedoch, dass die Dame zwei Wochen dort oben an selber Stelle haust. Dann wird sie abgelöst von ihren Kolleginnen, die zurzeit noch einige hundert Kilometer entfernt weitere Kunstgegenstände anfertigen. Auf die Frage, ob es nachts nicht fürchterlich kalt werde, hört man nur ein zaghaftes, kaum hörbares "Si", mehr nicht – scheinbar wohlweislich ihres Schicksal bewusst, jedoch genügsam akzeptierend. Bei ihr kaufen wir einige Dinge, ganz egal wie touristisch das sein mag, die Frau soll bei ihrem nächsten Einsatz eine wärmere Jacke tragen. Bevor wir wieder ins Auto steigen, hören wir ein paar spielende Kinder. Unsere Augen entdecken hinter einem aus Steinen aufgebauten Windschutz ein Zelt, in dem die gute Frau scheinbar noch ihre Familie untergebracht hat. Auf unserer Weiterfahrt denke ich an all die warmen Sachen, die ich der Frau hätte geben können, hätte ich sie nur mit ins Gepäck gestopft: Einen ausrangierten Schlafsack, einen alten Wintermantel, ein paar dicke Socken ...

Bald erschließt sich uns die Hochebene Argentiniens, Puna genannt, in ihrer eindrucksvollen Weite und Leere. Immer noch befinden wir uns auf knapp 4000 Meter über Null, was jedoch merkwürdig erscheint, kein Hügel, keine Täler weit und breit ... nur plattes Land und ein paar Berge in weiter Ferne. Ein Stückchen weiter erreichen wir die Salinas Grandes del Noroeste, eine 12.000 Hektar große Salzwüste, in der rund 60 Salineros in einer Salzkooperative arbeiten. Es sind alles Quechua, Nachfahren der Inka. Es heißt, wer als Salinero geboren wird, der stirbt auch als Salinero. Das scheint ein hartes Schicksal zu sein - der Sonne, dem Wind, der Höhe und dem Salz fast schutzlos ausgesetzt, verrichten sie ihr Tagewerk. Dabei ist es nur eine Frage der Zeit, wann die Augen, die Haut und die Lungen um Hilfe rufen. Der Lohn ist schlecht, für fünf Tonnen Salz bekommt man 60 Peso (etwa 13 Euro).

Bei unserem Besuch in der Salinas Grandes gehen wir zunächst zurückhaltend und vorsichtig vor, wir bleiben immer schön am Rande, trauen uns nicht weit vor. Dennoch genießen wir das tolle Wetter, die Farben und die klare Luft, mittlerweile ist es auch nicht mehr so kalt. Auf unserer Weiterfahrt Richtung San Antonio de los Cobres werden wir Mitten im Nirgendwo von zwei jungen Quechuas angehalten, die uns warme Socken und Handschuhe verkaufen wollen. Leider beachten wir den heranbrausenden riesigen Lastwagen gar nicht, als jedoch ein mittelgroßer Stein mit einem riesengroßen Knall die komplette Heckscheibe des Mietwagens zerschlägt, wissen wir, dass der Ratschlag der beiden Frauen, weiter seitlich der Straße zu halten, kein Verkaufstrick sondern ein guter Hinweis war. Wir verbringen noch einige Zeit dort, ein paar Kinder kommen dazu, alle packen an, um die Scherben aufzusammeln und das Heck notdürftig zu verkleben. Zum Dank verschenken wir all unser Tagesproviant. Damit steht das Etappenziel dieses Tages fest: Zurück zur Autovermietung nach Salta ... Doch zunächst heißt es für uns, die Spur des LKW aufzunehmen, den die Frauen in der Salina wähnen und die Verfolgung zu starten. Gesucht wird ein großer roter Lastwagen, irgendsoeiner mit Plane. Irgendwo zwischen hier und da, dahinten in der weißen Wüste. Der erste Verdächtige hat ein Alibi, seit Tagen steht er schon mit Motorschaden bei dem kleinen Stützpunkt am Rande des Salzsees. Doch die drei Mechaniker vor Ort liefern weitere entscheidende Hinweise, der Gesuchte ist in die Salina gefahren und lädt frisches Salz. Der Weg ist einfach: Immer geradeaus den beiden Fahrrinnen nach bis dahinten, wo es rot schimmert. Die Fahrt über die Wüste ist ein Erlebnis, Marc fühlt sich wie auf einer Testtrecke in der Great Salt Lake Desert. Am LKW angekommen treffen wir auf drei zunächst mürrische Typen, es dauert etwas, bis wir unser Anliegen verständlich machen, die beiden Indios verstehen wir kaum. Es bedarf daher keiner großen Anstrengung, den LKW-Fahrer zu entlarven, denn er ist der einzige Weiße hier oben. Und er ist geständig, händigt uns ohne Zögern seine Versicherungspapiere aus, "Ningun problema, reine Formsache", meint er. Nachdem das "Salz" gebrochen ist, kommen wir ins Gespräch. Er heißt Antonio und ist eigentlich Spanier, seit seinem fünften Lebensjahr aber Mendoziner, zwischendurch hat er sogar ein paar Jahre in Spanien gearbeitet, aber das Leben gefällt ihm hier in Argentinien wesentlich besser, auch wenn wir uns über die Regierung schnell einig sind - eine Katastrophe. Dann erklärt er uns, wie das Salz abgebaut wird, wofür es verwendet wird und dass man im Sommer während der Regenzeit von November bis Ende Februar kein Salz abbauen kann, denn dann steht die ganze Wüste kniehoch unter Wasser. Gut, dass wir im Winter da waren.

Später in Salta kassiert Europcar den Schaden wegen der hohen Selbstbeteiligung natürlich dirket bei uns, die machen sich selbstverständlich nicht die Arbeit, die Versicherung zu bemühen, obwohl wir bei der Polizei einen Bericht eingeholt, alle nötigen Papiere beisammen haben und in Argentinien wohnen. Für die "Original-VW-Heckscheibe" knöpfen uns die Gauner fette 170 Euro ab, inklusive Touristenaufschlag, wir fühlen uns echt abgezockt, aber das ist hier leider nichts seltenes, denn die Regierung macht es den Menschen so vor.

Donnerstag, 28. August 2008

MAAM

Das Urteil unserer Reiseführer über die Museen Argentiniens ist ernüchternd. Meist mangele es an einer Struktur und logischer Anordnung, sodass ein Besucher zwar schöne Dinge zu sehen bekomme, diese seien jedoch meist aus dem Kontext gerissen und bar jeder Erklärung.

Das Museo de Arqueología de Alta Montaña (MAAM), das Museum für Hochgebirgsarchäologie, mitten in der Innenstadt Saltas, direkt an der Plaza 9 de Julio, stellt diesbezüglich jedoch eine Ausnahme dar. Es beinhaltet eine eindrucksvolle Sammlung über die Kultur der Inkas in Südamerika und zeigt viele archäologische Fundstücke aus dieser Zeit. Höhepunkt bilden die Niños de Llullaillaco, die Kinder des Llullaillaco, dem dritthöchsten Vulkan der Erde (6739 m), gelegen in den Anden zwischen Argentinien und Chile.

Berge hatten in der Inkawelt eine große Bedeutung und galten stets als Verbindung zwischen der Erde (
Patchamama = Mutter Erde) und den Göttern im Himmel. Um diese zu besänftigen und gut zu stimmen, wurden ihnen während des Qhapaqhucha-Festes ganz besondere Opfer dargeboten: Aus allen Ecken des Inka-Reichs, welches die Inka selbst Tawantinsuyu (Land der vier Teile) bezeichneten, prozessierten zu dieser Zeit ausgewählte Mitglieder der einzelnen Siedlungen nach Cuzco, dem kulturellen und auch geografischen Zentrum von Tawantinsuyu. Unter den Auserwählten waren Priester und andere Würdenträger sowie herausragend schöne (perfekte) Kinder, gesund und in sehr guter körperlicher Verfassung (Für die Götter nur das Beste). In Cuzco angekommen zelebrierte man sodann verschiedenste Rituale, opferte Tiere (z. B. Lamas), um anschließend auf einer Art Pilgerweg die Rückreise anzutreten. Wieder in den beheimateten Siedlungen angekommen, wurden die Pilger mit großer Freude empfangen, was Rituale mit weiteren Opferdarbringungen nach sich zog. Diesmal handelte es sich jedoch nicht um Tiere: Bei rhytmischen Gesängen wurden die auserwählten Kinder mit den besten und edelsten Kleidern angezogen, ihnen wurden die Haare geflochten und Chicha (Maisbier) zu trinken gegeben. Sobald der Alkohol sie genügend betäubt und berauscht hatte, wurden sie zusammen mit einer reichhaltigen und wertvollen Mitgift hoch oben in den Gipfeln der Anden begraben. In ihrem Glauben nahmen die Inka an, dass die Kinder ohne zu sterben ins Reich der Götter aufgenommen werden, um diesen dann die Geschenke bringen zu könenn, um sie damit bei Laune zu halten.

So fand im Jahr 1999 eine Expedition der National Geographic Society im Eis des Llullaillaco die Mumien dreier Kinder im Alter zwischen sechs und 15 Jahren. Zwei der Körper sind derzeit im hiesigen Museum zu bestaunen. Vorher jedoch durchläuft der Besucher einige Ausstellungsräume, in denen er ausführlich und anschaulich über die Kultur der Inka sowie die Geschichte der Hochgebirgsarchäologie informiert wird. Kommt man schließlich in den Saal der Mumien, verperrt zunächst eine spanische Wand die weitere Sicht. Ein Schild weist auf das nun Folgende hin, um sich bei denjenigen, die aus emotionalen, ethischen oder moralischen Gründen die Mumien nicht sehen möchten, zu verabschieden und herzlichst für ihr Interesse zu bedanken.

Unser Interesse jedoch reicht über die spanische Wand hinaus, und so erleben wir den unbeschreiblichen Anblick eines 500 Jahre alten Körpers eines Kindes, das aussieht, als ob es gerade eben erst eingeschlafen ist. Ehrfürchtig und wortkarg verlassen wir das Museum. Wer Lust hat kann hier und hier einen kleinen Eindruck bekommen. Bei Youtube kann man sich einen kleinen unscharfen Film über das Museum anschauen. Deutsche Artikel findet ihr hier und hier.

Anmerkung: Es herrscht Uneinigkeit darüber, wie die Kinder letztendlich gestorben sind. Entgegen der Museumsversion wird in anderen Berichten behauptet, sie seien schon vor ihrem Begräbnis z. B. durch Erwürgen oder Erschlagen gestorben.

Donnerstag, 14. August 2008

San Carlos: Die älteste Siedlung Argentiniens

Der kleine Ort San Carlos (1700 m ü. d. M., Valle Calchaquí, Provinz Salta) besitzt wie fast alle Orte der Region „eine sehenswerte Kirche, die aber als einzige hier mit einer Kuppel gekrönt ist“, verspricht der Reiseführer. In der Kirche treffe ich auf den kleinen Juanito, der mir mit seinen elf Jahren alles über die Geschichte der Kirche und der Stadt erzählt. Die älteste Stadt Argentiniens sei nämlich gar nicht Santiago del Estero, sondern eben sein San Carlos, das zwei Jahre früher gegründet worden war, nämlich bereits 1551. San Carlos zählte damals 20.000 Einwohner und doppelt so viele Nutztiere. Die Stadt habe eben erst vor zwei Wochen ihr 457-jähriges Bestehen gefeiert. Das wissen allerdings nicht viele, gibt Juanito kritisch zu bedenken und fährt stolz fort, dass die Spanier das Land und die Valles Calchaquíes ja schließlich von Norden her eroberten, und daher sei es nur logisch, dass sie San Carlos vor dem viel südlicheren Santiago del Estero gründeten. Und wenn San Carlos später nicht die Wahl zur Provinzhauptstadt gegen Salta mit nur einer fehlenden Stimme verloren hätte, dann wüssten es heute auch alle und Santiago würde sich nicht weiter damit rühmen können. In der Tat bestätigt der Reiseführer, dass Santiago del Estero 1553 gegründet wurde, schränkt aber ein, dass es „die älteste, heute noch erhaltene Stadt Argentiniens“, San Carlos hingegen mehrfach zerstört worden sei. Das zählt wohl für Juanito nicht. Er weiß außerdem, dass die Kirche auf einem alten Friedhof der aborígenes erbaut wurde und das heutige Holzdach der Kirche nicht original ist, denn ursprünglich war das gesamte Dach von angemaltem Leder überspannt, wie man es noch an einem schmalen Streifen hinter der Kuppel bewundern kann, und er führt mich fachmännisch wie ein Reiseführer durch den Altarraum und zeigt es mir. Die Belohnung für seinen tollen Vortrag nimmt er fast widerwillig, aber sehr höflich entgegen, dann verabschieden wir uns.

Wir setzen uns noch einen Moment auf die schöne Plaza und fahren dann die paar Kilometer bis Cafayate.

Montag, 11. August 2008

Quebrada de Humahuaca

Von Salta aus nach Norden kommt man nach San Salvador de Jujuy, Hauptstadt der Provinz Jujuy. Dort beginnt die Quebrada de Humahuaca (UNESCO-Weltnaturerbe; sprich: Uma-uaka), die sich über rund 150 Kilometer bis zur Stadt Humahuaca erstreckt. (Als ich den Namen zum ersten mal las, dachte ich an die Horde tanzender Faultiere aus Ice Age, deren Gesang irgendwie ähnlich klang...) Humahuaca ist eine über vierhundert Jahre alte Siedlung auf dem Weg nach Bolivien, die Teil der bedeutenden Inka-Pfade entlang der Kordilleren war. Die wichtigsten Pfade führten entlang der Pazifikküste und auf dem Rücken der Anden vom Süden Kolumbiens durch Ecuador, Peru, Bolivien, Argentinien bis ins Zentrum Chiles.

Die Berge beiderseits des Tals sowie in Seitentälern sind größtenteils kahl, dadurch kann man die vielfarbigen Gesteinsschichten bewundern. Die verschiedenen Farben entstehen durch hohe Konzentrationen unterschiedlicher Mineralien in den Gesteinen, die sich vor der Auffaltung der Anden über Jahrmillionen im Boden abgelagert haben. Besonders der Cerro de los Siete Colores (Foto oben) bei Purmamarca ist mit seiner Farbenvielfalt ein Wahrzeichen für die pastellfarbene Bergwelt der argentinischen Puna.

Sonntag, 10. August 2008

Salta - La Linda

Die erste Station unserer Winterreise heißt Salta. Die Hauptstadt der gleichnahmigen Provinz trägt zu Recht den Beinamen La Linda - die Schöne. Davon können wir uns bereits bei unserer Ankunft überzeugen. Ein Taxi bringt uns nach einer 12-stündigen Busreise sonntags morgens um ca. 7.30 Uhr ins Zentrum der Stadt. So wie bei den meisten Städten Südamerikas tummelt sich alles rund um die zentrale Plaza, die hier in Salta besonders schön gelungen ist. Zitrusbäume und Palmen sorgen für ein besonders sommerlich fröhliches Flair. Umsäumt von einem Arkadengang, mit einer Fülle von Straßencafés, kommt man nicht umhin, hier einen Halt einzulegen, um einen leckeren licuado zu trinken, im Schatten der Bäume eine Siesta zu verbringen, auf den Bänken der Plaza gemütlich ein Sandwich zu futtern oder einfach nur die vorbei flanierenden, geschäftigen Salteños (Einwohner der Stadt) zu beobachten. Man muss jedoch eines anmerken: Schöner wäre die Plaza, wenn nicht die herumfahrenden Autos und die laut pfeifenden Verkehrsregler an jeder der vier Ecken die Aufmerksamkeit auf sich zögen. Das stört uns am Tag unserer Ankunft jedoch nur wenig, denn es ist noch früh am Morgen, kein Mensch und Auto in Sicht, sodass wir in Ruhe auf der Plaza sitzend beobachten, wie die Sonnenstrahlen endlich das Gebäude der Kathedrale an der Nordseite der Plaza überwinden und diese dann regelrecht vergolden.

Die Pro
vinz Salta ist eine der größten Provinzen Argentiniens und grenzt im Norden an Bolivien. Das Land scheint ganz anders als im Süden: die Landschaft, die Menschen und die Kultur sind den nördlichen Andenstaaten (Bolivien, Peru usw.) weitaus ähnlicher als der südlichere Teil des Landes. Zahlreiche Ruinen und Relikte aus präkolumbischen Zeiten zeugen von der indianischen Kultur, die immer noch stark zu spüren ist.
Ob es nun an
den vielen typischen Gesichtern der Nachfahren der Ureinwohner, oder an der atemberaubenden Naturkulisse liegt: Die Reise in den Norden gleicht einer Zeitreise ins ursprüngliche Südamerika.

Dienstag, 5. August 2008

Winterferien

Die Winterferien liegen hinter uns und schon schimmern sie nur noch als kleine Sterne am Himmel der Erinnerungen. Um sie nicht ganz unserem Gedächtnis entschwinden zu lassen, soll an dieser Stelle das ein oder andere festgehalten werden.

Auf dem Plan stand dieses Mal, zusammen mit Marc's Schwester den Norden des Landes zu erkunden. Da wir die letzte Winterreise noch lebhaft in Erinnerung hatten - mit eigenem PKW über 5.500 Kilometer durch die zentralen Provinzen Argentiniens und Chiles -, entschieden wir uns dieses Mal für die bequemen und komfortablen Busse. Da das Fliegen innerhalb des Landes sehr teuer ist und kaum Bahnlinien existieren, ist der Bus das Verkehrsmittel Nummer eins. Es gibt eine Vielzahl von Unternehmen, die zu recht günstigen Preisen kreuz und quer durch das Land fahren. Die meisten Busunternehmen wie etwa Vía Bariloche bieten verschiedene Komfortklassen an. Wählt man die höchste Klasse Super cama, so ist man an Bord bestens versorgt. Die Sitze - nur drei Plätze in jeder Reihe - können problemlos in ein Bett verwandelt werden, wie uns das Model Anka auf dem Foto vorführt, ein Vorhang an der Seite kann davor schützen, den im Traum sabbernden Nachbar anschauen zu müssen, und zu den gewohnten Tageszeiten bekommt man eine entsprechende Mahlzeit serviert. Hat man sein spannendes Buch gerade nicht zu Hand, sorgt ein abwechslungsreiches Filmangebot für die nötige Kurzweil.

So oder so ähnlich (dazu später mehr) sind wir Drei mehr als 8.800 Kilometer durchs Land gereist und hatten dabei die Möglichkeit, Schönheit und Schätze des Landes mit großen Augen und stets eingeschalteter Kamera zu bestaunen.
Die abgebildete Karte soll einen groben Überblick über unsere Tour geben. In der nächsten Zeit werden wir dann das ein oder andere berichten, zum Beispiel über
  • die einladende und wunderschöne Stadt Salta am Fuße der Zentralanden,
  • den Zug in die Wolken (Tren a las Nubes) und warum wir "nur" nebenher gefahren sind,
  • die atemberaubenden Schluchten (Quebradas) in den Provinzen Salta und Jujuy,
  • die Überreste der Indianerkultur,
  • die Salzwüste und die beschwerliche Arbeit der salineros oder
  • die atemberaubenden Iguazu-Wasserfälle in Missiones, der nördlichesten Provinz Argentiniens.