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Samstag, 13. September 2008

Tren a las Nubes

Er zählt zu einer der Hauptattraktionen, die Argentinien zu bieten hat, in jeglichen Reiseführern und Magazinen wird der Tren a las Nubes, der Zug in die Wolken, als ein Muß beschrieben. Die Arbeiten zu dieser spektakulären Eisenbahnlinie begannen in den 1920er Jahren und dauerten über zwei Jahrzehnte bis zu seiner kompletten Fertigstellung. Der Zug verband einst die Stadt Salta an der östlichen Andenseite mit der chilenischen Pazifikküste auf der anderen Seite des Gebirges. Heute fährt der Zug jedoch nur noch ein Drittel seiner Strecke und gilt seither nicht mehr als gewöhnliches Fortbewegungsmittel, sondern als eine Touristenattraktion der besonderen Art. Beindruckender als auf jeder Kinoleinwand und entspannter als während einer Höhenwanderung erlebt der Fahrgast bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 35 km/h die Schönheit der Berge und Täler der Region und wird Zeuge, wie die Landschaft sich vom einen zum nächsten Augenblick verändert. In Salta nährt noch das satte Grün der saftigen Wiesen die Kulisse, mit Eintritt in die Anden ändert sich das Bild jedoch abrupt. Tiefe Felswände und Schluchten wirken imposant und respekteinflößend, die Farben der verschiedenen Gesteinsschichten reichen von kaminrot über orange und ocker bis hin zu dunkelbraun und schwarz. Sie scheinen die bedrohliche Szenerie geradezu zu besänftigen und abzumildern. Die vielen Kolonien von riesigen Kandelaber-Kakteen, wirken wie stumme Zeugen der ständigen Wandlung der Landschaft.

Auf dem Weg durch die Anden passiert der Zug zahlreiche Tunnel, Brücken und Viadukte. Er quält sich dabei sich auf eine Höhe von 4200 Meter ü. d. M. hinauf, bis er schließlich den Viaducto La Polvorilla - mit seinen 224 Metern Länge und 65 Metern Höhe eine Ingenieursleistung höchster Klasse - erreicht. Nach einem kurzen Aufenthalt geht die Reise zurück, was jedoch nicht einfach nur einem Rückweg gleicht, da die andere Richtung neue Perspektiven eröffnet, den Blickwinkel erweitert. Inzwischen ist auch die Sonne ein Stück weitergelaufen, und somit sorgen auch die veränderten Lichtverhältnisse für viele neue Eindrücke.

Wahrlich: ein Genuß, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Einen Schatten hat das Ganze jedoch. Auch, wenn man bester Gesundheit ist und einem die Höhe und tiefe Abgründe nichts ausmachen, so erleidet man jedoch beim Preis einen akuten Schwindelanfall: Die Fahrt für eine Person kostet inzwischen stolze 140 US-Dollar!!

Die Entscheidung gegen diese Fahrt fällt uns dadurch leicht. Stattdessen fahren wir mit unserem luftigen Mietwagen (er hat ja keine Heckscheibe mehr) im
mer schön neben der Eisenbahnlinie her, kreuzen die Schienen hier und da und erleben das Ganze Spektakel eine Nummer kleiner. Der Vorteil: den Anblick der unzähligen Brücken und Viadukte können nur wir genießen, die Zuggäste müssen schauen, dass sie sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Oben in dem Dörfchen San Antonio de los Cobres machen wir Rast und bestellen uns das billigste Mittagessen unseres gesamten Argentinienaufenthaltes (eine Pizza, zwei riesige Lomitos und drei Empanadas für 24 Pesos - soviel kostet ein günstiges Lomito in Bariloche). Der Ort wirkt trotz oder gerade wegen seiner Öde und Kargheit interessant und geradezu unwirklich. Er scheint wie das Dorf einer Modelleisenbahn, nur dass der Konstrukteur vergessen hat, die Bäume aufzustellen und die Häuser anzumalen. Wir haben jedoch diesmal wenig Zeit, um noch mehr Eindrücke einzufangen, zu sehr drängt das Auto auf eine neue Heckscheibe.

Nachtrag:
Auch, wenn wir mit dem Zug hätten fahren wollen, wäre dies nicht möglich gewesen. Vor drei Jahren war vorerst der Betrieb eingestellt und der Firma die Lizenz entzogen worden, da der Zug mitten auf dem Viadukt La Polvorilla stehen geblieben und nicht mehr zu bewegen war. Die Gäste wurden in schwindelerregender Höhe evakuiert. Seit dem 6. August 2008 fährt er nun wieder. Mit neuer Firma, neuer Lizenz und hoffentlich neuem Motor! Leider waren wir zwei Wochen zu früh da, aber für das gesparte Geld konnten wir eine Woche länger Urlaub machen! :-)

Montag, 11. August 2008

Quebrada de Humahuaca

Von Salta aus nach Norden kommt man nach San Salvador de Jujuy, Hauptstadt der Provinz Jujuy. Dort beginnt die Quebrada de Humahuaca (UNESCO-Weltnaturerbe; sprich: Uma-uaka), die sich über rund 150 Kilometer bis zur Stadt Humahuaca erstreckt. (Als ich den Namen zum ersten mal las, dachte ich an die Horde tanzender Faultiere aus Ice Age, deren Gesang irgendwie ähnlich klang...) Humahuaca ist eine über vierhundert Jahre alte Siedlung auf dem Weg nach Bolivien, die Teil der bedeutenden Inka-Pfade entlang der Kordilleren war. Die wichtigsten Pfade führten entlang der Pazifikküste und auf dem Rücken der Anden vom Süden Kolumbiens durch Ecuador, Peru, Bolivien, Argentinien bis ins Zentrum Chiles.

Die Berge beiderseits des Tals sowie in Seitentälern sind größtenteils kahl, dadurch kann man die vielfarbigen Gesteinsschichten bewundern. Die verschiedenen Farben entstehen durch hohe Konzentrationen unterschiedlicher Mineralien in den Gesteinen, die sich vor der Auffaltung der Anden über Jahrmillionen im Boden abgelagert haben. Besonders der Cerro de los Siete Colores (Foto oben) bei Purmamarca ist mit seiner Farbenvielfalt ein Wahrzeichen für die pastellfarbene Bergwelt der argentinischen Puna.

Dienstag, 27. Mai 2008

Jetzt ist der Sommer nur noch Erinnerung

Der Winter steht vor der Tür, die Temperaturen bewegen sich um den Gefrierpunkt, die Bergspitzen sind in Weiß gehüllt und die ersten Glatteisunfälle ereignen sich auf den Straßen. Morgens wird es erst gegen 8 Uhr 30 hell und abends um 18 Uhr reicht das Tageslicht nicht mehr aus, um im Haus eine Zeitung lesen zu können. Tagelanger Dauerregen macht müde, man will am liebsten das Haus gar nicht mehr verlassen. Die Zeit vor der Wintersonnenwende lässt einen melancholisch sein, das Gemüt wird schwer, aus Dur wird plötzlich Moll, und so ist es nicht verwunderlich, dass man einfach die Augen schließt und sich, genau wie Frederik, die Sonnenstrahlen des Sommers noch einmal in Erinnerung holt.

Zum Beispiel die Erinnerung an Las Grutas, ein kleiner Ort an der atlantischen Küste, den wir in der Osterwoche besucht hatten. Fährt man von Bariloche aus quer durch Patagonien, so landet man in dem für die Barilochenser so beliebten Badeort.

Die Anfahrt gestaltete sich für uns verwöhnte Europäer auch hier wieder etwas mühsam, da die Straßen zur Küste nicht asphaltiert sind. Anfangs glaubten wir kaum, dass wir während der Busfahrt ein Auge zu bekämen, denn Schlaglöcher und Steine auf dem Weg erweckten den Eindruck, dass wir uns in einem Mittelklasseraumschiff inmitten eines Meteroritenschauer befänden. Nach einer Flasche Rotwein jedoch machte uns das gar nichts mehr aus und so spielten wir in unseren Träumen bei originalgetreuer Kulisse weiter Starwars & Co. Und in einem Ruck waren wir dann an der Küste.

Las Grutas ist für zwei Dinge bekannt, zum einen für seine steil abfallenden Felswände, in die in regelmäßigen Abständen die sogenannten bajadas (Abgänge Nr. 1 - 7) gehauen sind und den Zugang zum Meer ermöglichen. Bei Flut reicht das Meer bis an diese Felswände, und so haben sich durch die ständige Spülung dort an einigen Stellen im Laufe der Zeit Grotten (grutas) gebildet. Das zweite Merkmal von Las Grutas ist der immense Tidenhub des Meeres. Bei Ebbe zieht sich das Meer weit zurück und zum Baden muss man einige hundert Meter zum Wasser laufen, während bei Flut das Wasser bis zur Felswand reicht, so dass es teiweilse keinen Zugang mehr zum Meer gibt und nur noch an einer Stelle ein kleiner Strand zur Verfügung steht. Das ist die Zeit, in der man einerseits oben auf der Felswand scharenweise Angler trifft und sich andererseits bei Badelust mit Millionen anderer Wasserratten ein winziges Fleckchen trockenen Strand teilen muss. Zieht sich das Meer jedoch zurück, entspannt sich alles. Raum tut sich auf, und es eröffnet sich eine scheinbar bis zum Horizont reichende Weite.
Man kann stundenlang am Strand entlang laufen (jedenfalls solange, bis dass die Flut wieder kommt), oder die Gefilde, die das Meer nun freigegeben hat, erkunden: Kleine Prile und Pfützen sind nach der Flut in dem felsigen Boden übrig geblieben und bieten kleinen Meeresbewohnern bis zur nächsten Flut ein "Dach über dem Kopf". Stundenlang kann man dort verweilen, seine Neugierde stillen und die Unterwasserwelt bestaunen. Man sieht Krebse, kleine Fische und Quallen sowie verschiedene Vögel aus nächster Nähe.
Wem dies aber nicht reicht und auch der Weg zum Meer nun zu weit erscheint, dem hat Las Grutas seit einigen Jahren auch noch etwas anderes zu bieten und zwar die in den Stein gehauenen piletas (Schwimmbäder), die zwar bei Flut einen Teil des Meeresbodens ausmachen, bei Ebbe jedoch freigelegt werden und so, stets gefüllt mit frischem Meereswasser, den fußkranken Wasserratten ein sicheres Badevergnügen bereitet.

Wir verbrachten die Tage dort mit all diesen Dingen, die man in Las Grutas machen kann. Neben dem Warten auf die Flut und dabei den Anglern zuschauen, am Strand entlang laufen, stundenlanger Meeresforschung und Muschelsuche genossen wir die freie Zeit mit frischen licuados, leckeren Meeresfrüchten (allerdings nur Marc) oder einem gemütlichem Mate unter freiem Himmel.

Samstag, 26. Januar 2008

Zurück nach Patagonien

Die Woche in Valeria del Mar verging wie im Fluge. Neben Schwimmen, am Strand liegen, Sudokus lösen, Bücher lesen und dem fruchtig-frischen Trinkgenuss von licuados (Milch- oder Fruchtshakes), ritten wir am Meer der Abendsonne entgegen. Marc musste uns jedoch dabei von hinten zusehen, denn sein Gaul ... war faul. Bei Antritt der Rückfahrt standen uns ungefähr 1700 km bevor. Um nicht die ganze Strecke vor Augen haben zu müssen, erlaubten wir uns kleine Zwischenstopps z. B. im Strandort Balneario Orense, ein Ort, den wohl noch nie ein Tourist zuvor betreten hat, so überrascht war man bei unserer Ankunft auf dem Campingplatz "Médano 40" (genannt nach der gleichnamigen, überdurchschnittlich hohen Düne), dass wir als extranjeros (Ausländer) den Weg dorthin gefunden haben. Am nächsten Tag wollten wir dann einen Abstecher in die einzige und damit auch höchste Erhebung der Provinz Buenos Aires machen. Doch der Zugang zur Sierra de la Ventana war bis auf Weiteres wegen Waldbrand gesperrt. Von daher war uns der Anblick des Cerro Ventana und des Cerro Tres Picos nicht vergönnt. Enttäuscht und etwas müde entschieden wir uns nun doch, möglichst schnell wieder heim nach Bariloche zu fahren. So fuhren wir stundenlang durch die Weite der Pampa und Patagoniens, vorbei an Feldern und Wiesen zurück ins Andenvorland. Ein paar freie Tage vor Schulbeginn werden uns erlauben, einige Reisen ins Umland von Bariloche und seine wunderschöne Natur zu unternehmen. Wir werden berichten.

Montag, 14. Januar 2008

...da haben wir doch etwas Wichtiges vergessen

Inzwischen sind wir weiter gereist. Ein kurzer Stopp in "La Plata", der Hauptstadt der Provinz Buenos Aires, erlaubt uns den Anblick der Kathedrale "Inmaculada Concepción". Für eine argentininsche Kirche sieht sie etwas ungewöhnlich aus, fast denkt man irgendwo in Europa zu stehen. Nach Vorbildern aus Deutschland (Kölner Dom) und Frankreich (Notre Dame, Notre Dame d'Amiens) wurde sie 1885 erbaut und gilt als eine der größten Kirchen Südamerikas. Mit ihren 111 m hohen Kirchtürmen erlangt sie jedoch nur Platz 40 in der Weltrangliste der höchsten Kirchen. (Preisfrage: Welche Kirchtürme belegen die ersten drei Plätze?)

Am nächsten Tag beglückt der in diesem Jahr erste Anblick des Meeres unser beider Gemüt. Das für uns reservierte Zimmer in einer Hostería in Valeria del Mar können wir erst in fünf Tagen beziehen. Das stört uns jedoch nicht im Geringsten, in der Gewissheit, in Besitz eines Zeltes zu sein. Der Kofferraum unseres Autos ist beinahe so geräumig wie ein Haus, sodass wir uns schnell daran machen die Räume sinnvoll aufzuteilen.

So treffen wir gegen 22.00 am Campingplatz unserer Wahl, "Monte Bubi", in der Nähe von Villa Gesell ein und freuen uns auf unser zu Hause für die nächsten fünf Tage. Um so entsetzter sind wir beim Anblick des Inhalts der Zelttasche: Heringe en masse, alle 3 Zeltstangen und ein wunderbar großes Außenzelt... Nada más! Es fehlt das Innenzelt, das wahrscheinlich noch in Deutschland liegt. Ohne das ist der Rest nutzlos. Auf die Frage, wie lange der Supermarkt geöffnet sei und ob man dort auch Zelte bekommen könne, reagiert das Personal etwas irritiert. Schnell ist jedoch unsere Not erklärt und hilfsbereit, wie man unter Campern ist, bekommen wir als Provisorium für die kommende Nacht ein superkleines Zelt, wahrscheinlich kleiner als der Grundriss eines französischen Bettes. Damit Sturm und Regen nicht noch ihr Übriges tun können, um uns um diese Nacht zu bringen, spannen wir dass "deutsche" Außenzelt als Schutz darüber... Gerade im Moment voller Aktivität kommt unser "Nachbar" vorbei und fragt: "¿Ya saben cómo?", frei übersetzt: "Ihr wisst schon, wie man ein Zelt aufbaut, oder?" Zu Recht. Denn das Ding, in dem wir schlafen werden, gleicht weniger einem Zelt, als eher einer Schildkröte, der man einen viel zu großen Panzer aufgesetzt hat. Nach der Erläuterung der Lage scheint das Eis zu unseren Nachbarn gebrochen. Man bietet uns an, im Falle eines Wetterumschwungs Unterschlupf in ihrem Vorzelt zu finden, und so beginnt ein schier endloser Monolog über das Camperdasein in Argentinien mit einigen längeren Abstechern in die Politik des Landes, das Wetter und die Geografie. Während der Ansprache wächst in mir die Verzweiflung so sehr, dass ich fast heulen möchte, so groß ist die Hoffungslosigkeit, je wieder aus den Händen dieses von Sprechdurchfall geplagten Mannes zu kommen. Dennoch gelingt uns das scheinbar Unmögliche zu später Stunde, sodass wir endlich und vollkommen erschlagen in unseren Kokon schlüpfen, um uns am nächsten Morgen einigermaßen erholt ein neues Zuhause zu kaufen. Siehe da!

Montag, 7. Januar 2008

...und es geht weiter!

Nach einer Woche Buenos Aires sind wir einem Hostería-Tipp der hiesigen Tageszeitung Clarín gefolgt und nach Tigre gefahren. Tigre ist eine kleine Stadt im Nordwesten der Hauptstadt und gilt als Startpunkt für den Besuch des Labyrinths unzähliger Flussarme, die sich im Delta des Río Paraná an seiner Mündung in den breiten Río de la Plata gebildet haben (Nur zur Info: Der Río de la Plata ist an seiner schmalsten Stelle etwa 50 km breit und bildet den Zusammenfluss des Río Paraná und des Río Uruguay. Durch beständigen, starken Wind vom Meer her wurde am Wochenende das Wasser den Fluss wieder "hochgedrückt" und stieg im ganzen Delta binnen Stunden um über zwei Meter!). Von hier gehen wir an Bord und werden mit einem Luxusliner (Foto) auf eine der Inseln gebracht. Die Fahrt gleicht einer Fahrt in die Vergangenheit. Wie auf den Spuren von Tom Sawyer entdecken wir hier die bunte Vielfalt einer Flusslandschaft. Die verwirrende Welt von Kanälen, Wasserstraßen und Inseln ist beeindruckend, der Kontrast zur Großtadt kann gewaltiger nicht sein. Die Landschaft lässt das Gedränge, den Lärm und die Hektik von Buenos Aires mit einem Mal vergessen und subtropische Flora, üppig gefüllte Flussbetten und das beständige Plätschern des Wassers verwöhnen die Sinne. Je weiter weg von Tigre, desto stiller wird es. Hier und da sieht man tote Schiffe ihrem Schicksal selbst überlassen, andere fast tote Schiffe fahren noch schwere Last und erinnern auf seltame Art und Weise an die Schaufelraddampfer des Mississippi. An den Ufern zeigt sich eine bunte Mischung architektonischen Könnens verschiedenster Epochen, allen Häusern gemein: sie sind nur über den Wasserweg zu erreichen, Stege und Stiegen hinauf zum Ufer zieren jedes bewohnte Grundstück. Hier bleiben wir drei Tage und zuweilen trauen wir uns auch in das braune Wasser des Flusses, der, zumindest in den drei breiten Haupkanälen, von kleineren und größeren, alten und noch viel älteren Schiffen befahren wird, da diese einen wichtigen Verkehrsweg ins Landesinnere darstellen. Braun ist der Fluss jedoch nicht deswegen, vielmehr schwemmt der Fluss auf seinen langem Weg zum Atlantik Eisen und 'ne Menge Schlamm aus dem Erdreich an. Den Argentinier scheint das wenig zu irritieren, denn bei einem Streifzug durch einige Flussarme sieht man mehr Menschen zu Wasser als zu Lande.

Wer sich einmal selbst ein Bild machen will, kann dies durch den kürzlich in den Kinos gezeigten Film La León tun. Eine ausführliche Beschreibung des Films gibt es hier.

Freitag, 4. Januar 2008

Back in Buenos Aires

Wir ihr ja schon lesen konntet, sind wir wieder wohlbehalten wenn auch total gerädert in Buenos Aires angekommen. Die Lufthansa hat uns für die einzigen beiden Trunkenbolde im ganzen Flieger, die ausgerechnet 13 Stunden lang neben und teilweise auf uns saßen, mit einer Flasche Champus entschädigt, die wir Silvester auf der Dachterrasse unseres Apartements geköpft haben. Der Anflug auf Buenos Aires ist jedes mal der reinste Wahnsinn (ich durfte ja schon letztes Jahr drei Mal mehr zu Fortbildungen auf die Stadt anfliegen), und jedes mal ist es irre, wie riesig diese Stadt ist, sie hat keinen Anfang und kein Ende, ein endloses Häusermeer, im Norden nur durch den Río de la Plata begrenzt, in alle anderen Richtungen kann man das Ende wegen der Erdkrümmung (oder des Dunstes?) nicht einsehen. Frankfurts Hochhäuser stehen hier an einer von tausenden Straßenkreuzungen und die Bevölkerung Winnekendonks (rund 4.000 Seelen) könnte rechnerisch in zwei Blocks untergebracht werden... einfach kolossal!

Eigentlich wollte ich von einer unserer zahlereichen Taxifahrten erzählen, die wir uns glücklicherweise bedenkenlos leisten können, jedenfalls was den Fahrpreis angeht, was die Sicherheit betrifft, sollte man lieber nicht an die ganzen Geschichten von ausgeraubten Touristen denken, wenn man grad mal ein Taxi nehmen möchte. Man sollte jedenfalls immer ein sogenanntes "Radio-Taxi" oder ein "Remise" (Mietwagen) nehmen, denn von den geschätzten 70.000 schwarz-gelben Taxen sind nach Meinung unseres Taxifahrers rund 20.000 bis 30.000 nicht registriert, gleichwohl sie täuschend echt aussehen. Na jedenfalls sind wir von Villa Ballester in rund 20 Minuten bis Belgrano gefahren worden, und es müssten ungefähr sechs bis sieben Kilometer gewesen sein, auf denen unserer Fahrer locker 20 rote Ampeln überfahren hat! Zwanzig von ungefähr zwanzig! Endlich habe ich eine der Verkehrsregeln von Buenos Aires entschlüsselt: Taxen haben per se Vorfahrt! Die Regel "rechts vor links" soll in Argentinien angeblich auch gelten, hat der Fahrer aber nur einmal beachtet, es war wohl eher Zufall.

Und mehr gibt es auch nicht zu berichten, denn mehr haben wir eigentlich nicht unternommen. Tagsüber haben wir uns in unserer gekühlten Höhle verkrochen und nachts waren wir zu erschöpft von der Hitze, um etwas zu unternehmen. Bei 39 Grad Celsius haben denn auch die Pilates-Jünger im Park eine Pause gemacht, und Tàijíquán, bekannt als Tai Chi Chuan, wird sicher auch erst wieder unter 30º open air statt finden. In den letzten Tagen wars hier eigentlich immer rund 35º, nur nachts gings mal bis auf 25º runter. Gestern Nacht war ein Gewitter, viel Regen fiel und die Temperaturen fielen auf 22º, da wars tatsächlich zu kalt ohne T-Shirt!

Samstag, 28. Juli 2007

Mendoza

Zwei Tage in Mendoza, zwei Tage Genuss und Entspannung. Angenehmes Wetter, viel Grün, schöne, sonnige Plätze und eine nette Unterkunft haben uns den Aufenthalt derart versüßt, dass wir nicht umhin können, jedem, der nach Argentinien reisen will, diese Stadt wärmstens zu empfehlen. So wollen wir uns den Worten unseres Reiseführers (lonely planet) mit 100%iger Überzeugung anschließen:

"Als erstes fallen die Bäume ins Auge: Gingantische Platanen, die sich über den Straßen wie Baldachine ausbreiten und Mendozas lebhafte Bewohner vor der brennenden Sommersonne schützen - kein Mensch käme auf die Idee, dass die Stadt mitten in der Wüste liegt. Das verraten nur die acequias, die offenen Bewässerungskanäle entlang der Straßen, in denen das Schmelzwasser aus den Anden fließt. Sie gehören zu den eindrucksvollen Zeugnissen der präkolumbischen und kolonialen Vergangenheit der Stadt - und sind selbst da noch zu sehen, wo moderne, erdbebensichere Konstruktionen die eingestürzten historischen Gebäude ersetzt haben. Überhaupt: Mendozas Architektur versteckt sich hinter den Bäumen, man entdeckt sie erst auf den zweiten Blick. Ohne die Bäume wäre Mendoza die Hölle - doch so ist sie eine der schönsten Städte Argentiniens."

Besser hätten wir es auch nicht sagen können. Für uns die optima le Erholung vor den zu erwartenden Strapazen der Andenüberquerung nach Chile mitsamt der Besteigung des Aconcagua (6959m).


Donnerstag, 26. Juli 2007

San Juan

Auf einigen Umwegen durch die Gegend von Córdoba, über Alta Gracia, Villa General Belgrano, Mina Clavero, die Quebrada del Condorito, Chamical, das Valle de la Luna und viele endlose Kilometer durch den Cuyo sind wir in San Juan gelandet, einem netten Städtchen im Flachland vor den Anden, wo es selbst im Winter kaum unter zehn Grad wird und im Sommer die baumbewachsenen Alleen Schatten spenden. (Hier mussten wir übrigens einen Stopp einlegen, um unsere Reisepässe im Instituto Alemán abzuholen, die meine Kollegin bei uns zu Hause in Bariloche abgeholt und auf ihrer "Winterreise", die glücklicherweise auch durch San Juan führte, dort deponiert hatte, sonst wäre Chile ein Traum geblieben.) Noch ein Wort zu den Entfernungen. Ich hatte es zwar schon mal angedeutet, als wir mal eben 1100 Kilometer zu den Walen gefahren sind (eine Strecke), aber man muss sich das wirklich mal vor Augen führen: Der Weg von Bariloche nach Córdoba führt erstmal hunderte Kilometer nahezu geradeaus, dann bei Kilometer 996 gehts an der Kreuzung 90° links ab und dann wieder 600 Kilometer geradeaus, und geradeaus heißt hier mitunter wirklich geradeaus. Endlose Kilometer durch die Landschaft, die alle Stunde mal das Gesicht wechselt: Wiesen mit Sträuchern in der Pampa, Wiesen mit Rindern, Wiesen ohne Rinder, dann endloses Land mit ein paar Bäumen, vielen Sträuchern, zwischendurch mal ein Hügel, dann wieder ewiges Land, als wäre die Welt nicht schon groß genug. Und dann geht es ja so weiter, wenn man in irgendeine Richtung wieder weiter fährt, endlose 500 Kilometer bis San Juan. Bueno, San Juan ist ganz nett, aber nicht weiter der Rede wert. Wir sind gespannt auf Mendoza, der Stadt des Weines, tatsächlich nicht mehr als 170 Kilometer von San Juan entfernt!

Dienstag, 24. Juli 2007

Auf der Durchreise

In der Gegend von Córdoba haben wir einige Estancias Jesuiticas besucht, die seit einigen Jahren zum Weltkulturerbe zählen, so zum Beispiel eine schöne Estancia Jesuitica in Jesús María, 60 Kilometer nördlich von Córdoba. In Alta Gracia (30 Kilometer südwestlich von Córdoba) gibts neben einer Estancia noch eine weitere berühmte Sehenswürdigkeit: das Wohnhaus von Ernesto "Che" Guevara (siehe auch die Bedeutung von "Che"), in dem er wegen Asthma seine Jugendjahre verbrachte, heute ist es ein Museum. (Vielleicht hat er Asthma aber auch nur vorgetäuscht, um legal dopen zu dürfen...) Im letzen Jahr noch haben Fidel Castro und Hugo Chávez gemeinsam das Haus besucht, ein eigener Raum informiert jetzt darüber. Wer Lust hat, sollte sich mal die Doku "Diarios de motocicleta" (dt. Die Reise des jungen Che) über die Reise Guevaras 1952 durch Argentinien anschauen - wunderschöne Aufnahmen und viel Interessantes über Che, als er noch nicht Che war. Von dort aus ist es nicht weit nach Villa General Belgrano, einem furchtbar bayerisch angehauchten Städtchen mit hausgebrautem Bier und dem jährlichen Oktoberfest, dem größten Bierfest Argentiniens. In Mina Clavero [esp.] war es dann schon wieder schöner, vielleicht auch wegen der netten alten "Herbergseltern" im Hotel "Porteño", die uns herzlich verwöhnt haben. Es gab zu dem üblicherweise kargen argetinischen Frühstück, bestehend aus Kaffee oder Tee mit Medialunas (eine Art Chroissant), sogar anderes süßes Gebäck und vorzügliche hausgemachte Marmelade, sozusagen ein sehr ausführliches argentinisches Frühstück... Über ein Hochplateau der pampinen Sierren auf knapp 2000 Meter kommt man dann zum Eingang eines Nationalparks (Parque Nacional Quebrada del Condorito [esp.]), in dem bei warmen Aufwinden normalerweise zahllose junge Condore bei ihren Flugversuchen zu sehen sind. Leider nur fehlten die warmen Aufwinde und so haben wir uns fast umsonst bei null Grad die neun Kilometer zu den Aussichtspunkten durch eiskalten Wind gekämpft. Zwischendurch schlug das Wetter vollends um und ein paar Schneeflocken vereisten unsere Augenbrauen auf dem Rückweg. Okay, okay, so schlimm wie damals bei der Antarktisdurchquerung war es nicht... und immerhin haben wir einen kleinen Condorito gesehen, weit oben und weit weg.

Danach ging es im schnellen Ritt wieder einige hundert Kilometer durch den Cuyo in Richtung "Valle de la Luna", dem Parque Provincial de Ischigualasto (Weltnaturerbe), einem wunderschönen Naturreservat mit bizarren, jahrmillionen alten Felsformationen. Am Parkeingang mussten wir auf den Start der nächsten Karavane warten, denn den Park kann man nur mit Guide durchfahren. Und so zuckelten fast zwanzig Autos dem Guide hinterher zu den verschiedenen sehenswerten Punkten auf der 40 Kilometer langen Rundstrecke. Und wie es der Zufall so will - die Welt ist ja bekanntlich klein -, hören wir plötzlich jemanden rufen: "Marc, was machst du denn hier?" Da quatscht uns mein Kollege an (der auch noch Seeger heißt, kein Witz!), den ich im November in Köln bei der Vorbereitung auf die "Mission: Argentinien" kennen gelernt hatte, und der jetzt im Instituto Lenguas Vivas in Buenos Aires in der Lehrerausbildung tätig ist. Alle paar Kilometer haben wir unsere Plauderei dann auf den Zwischenstopps fortgesetzt. Sachen gibts...

Freitag, 20. Juli 2007

Córdoba

Man sieht es an den Schuhen und an der Kleidung, die Frauen tragen hohe Absätze und spitze Stiefel, selbst die Männer sind teilweise chic. Ganz anders als in Bariloche, wo frau mit Absätzen gar nicht die bergigen Straßen hoch käme und die Klamotten daher viel funktioneller sind, selbst abends im Restaurant. Wir befinden uns in Córdoba, nach 1600 Kilometern durch die Provinzen Neuquén, Río Negro und La Pampa die erste Station (primera parada) auf unserer Ferientour, die uns während der dreiwöchigen Winterferien (!) durch den Mittelwesten von Argentinien und nach Chile führen wird (grobe Route: Bariloche - Córdoba - Mendoza - Santiago de Chile - Valparaiso (Chile) - Osorno (Chile) - Bariloche, rund 4000 Kilometer). Hier in Córdoba geht Mann und Frau jedenfalls sehr modebewußt aus, genug Boutiquen gibt es im Zentrum dafür auf jeden Fall. Die sonnige und recht schöne Plaza San Martín wird von einigen Einkaufsstraßen im Quadrat umrahmt. Die Stadt ist ansonsten aber lange nicht so beeindruckend, wie es der Reiseführer verspricht. Klar sind hier viele Kolonialbauten zu sehen, sie ist schließlich eine der ältesten Städte Artgentiniens (1573 "offiziell" gegründet, es gab aber vorher schon eine Indianersiedlung, siehe Geschichte der Stadt), sie besitzt die erste Universität (1613) des Landes, aber leider stehen die tollen kolonialen Gebäude fast alle im Schatten der hässlichen Hochhäuser, die zwischendrin gebaut worden sind. Es sieht - ähnlich wie in Buenos Aires - ein bisschen so wie auf diesen großen, grauen Plastikplatten aus, die wir früher mit Legosteinen in allen Höhen und Farben vollgebaut haben.

Nun ja, wir sind ja nicht nur zum Sightseeing hierher gekommen. Wir haben die Woche genutzt, um unser Spanisch aufzubessern und haben die ganze Woche durch die Schulbank gedrückt. Und das in den Ferien! Ganz schön bekloppt, wird sicher jemand sagen, aber ich sage nur, das war bitter nötig, denn bisher kommen wir kaum voran mit der Sprache. Das liegt natürlich daran, das wir schon ein bisschen aus dem günstigen Alter zum Sprachen lernen heraus sind, aber vor allem liegt es daran, dass wir in Bariloche einfach zu viel Deutsch sprechen, mit den Kollegen in der Schule und mit den vielen deutsch-stämmigen Argentiniern außerhalb der Schule... Birgit und ich hatten schon mal probiert, miteinander nur noch castellano zu sprechen, aber da war der Tag doch ein wenig einsam und still. Die Schule hat jedenfalls Spaß gemacht! Und es hat uns aufgezeigt, wie viel es noch zu lernen gibt in dieser Sprache, von der es so gerne heißt: "Ach, wenn du Latein hattest, ist Spanisch eigentlich total einfach." Von wegen.

Ein anderer Umstand stellt uns weit mehr zufrieden: Die Temperaturen hier in Córdoba sind wie erhofft für den Winter sehr angenehm, pendeln im Moment zwischen 12 und 18 Grad Celsius. Letzte Woche, vor unserer Ankunft, soll es aber auch hier mal kurz geschneit haben, zum ersten Mal nach 70 Jahren! Wie übrigens auch in Buenos Aires nach 90 Jahren zum ersten Mal wieder, aber das war ja schon in den Nachrichten in Deutschland. Am Montagmorgen musste ich mir dann auch mal schnell einen Pulli kaufen, da es doch noch recht kühl war, was allerdings auch an dem reichlichen Schatten lag, den die Hochhäuser spenden. Ein günstiger Pulli für umgerechnet 13 Euro war aber schnell gefunden. Überhaupt wundert mich immer wieder, was es hier alles zu kaufen gibt, nicht nur hier in Córdoba, sondern auch in Buenos Aires (claro!), aber auch in Bariloche und den (paar) anderen Städten, in denen wir bisher waren. Man sieht es besonders an den zahllosen Handy-, Klamotten- und Schuhgeschäften, die mir am meisten auffallen. (Deren Zahl könnte wirklich noch höher sein als die der Geländewagen in Bariloche.) Es gibt eigentlich nichts, was es in Argentinien nicht zu kaufen gäbe, die Frage ist nur, wer kauft das alles? Denn nicht alles ist so günstig wie ein Pulli, und selbst der Preis von 54 Peso ist kein Sonderangebot. Die lezte Wirtschaftskrise, während der unter anderem Privatkonten eingefroren und nach der Entkoppelung des Peso vom Dollar nur noch ein Drittel der Gelder wieder aufgetaut wurden, liegt erst sechs Jahre zurück. Der Peso war plötzlich nur noch ein Drittel wert, doch die Hypotheken blieben bestehen. Mancher verlor dadurch den Gegenwert eines ganzen Hauses. Außerdem leben 34 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze - "angeblich", muss man angesichts des Marktangebots fast sagen, auch wenn ich das natürlich nicht wirklich bezweifle, ich brauche nur an die vielen Holzhütten in den Außenbezirken Bariloches, den Gürtel rund um Córdoba oder die Papphütten unter den Stadtautobahnen von Buenos Aires zu denken und schon passt es mit den 34 Prozent wieder. Aber auch die anderen 66 Prozent leben natürlich nicht in Reichtum, das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen liegt mit 900 Peso (300 Euro) nur knapp über der Armutsgrenze, das durchschnittliche Haushaltseinkommen liegt bei 1600 Peso (400 Euro), eine gute 3-Zimmer-Wohnung ohne großen Luxus kostet in Buenos Aires zwischen 1000 und 3000 US-Dollar monatlich. US-Dollar! Wer soll das alles also kaufen? Die argentinische Wirtschaft gibt mir noch so einige Rätsel auf, aber davon vielleicht später mehr, jetzt sind erstmal wieder Ferien angesagt. Am Sonntag geht es weiter, wohin wissen wir aber noch nicht so genau, das Land ist einfach so groß und vielfältig, dass wir uns kaum festlegen wollen, nur die grobe Richtung steht fest: West-Nordwest.