Posts mit dem Label Patagonien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Patagonien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 16. Februar 2009

Kreuz des Südens

Was für die Bewohner der Nordhalbkugel der "Große Wagen", auch "Großer Bär" genannt, und eigentlich "Ursa Maior" ist, ist für die südlichen Erdbewohner das "Kreuz des Südens". Mit diesen beiden Sternbildern kann man jederzeit die Position des Nordpols beziehungsweise des Südpols bestimmen. Früher galten sie als wichtige Orientierungspunkte für die Seefahrer. Könnt ihr es erkennen? (Foto: Eigene Herstellung, am Lago Gutierrez, Patagonien)

Das Kreuz des Südens gehört nicht - im Gegensatz zum großen Wagen - zu den antiken Sternbildern, und das, obwohl die Griechen es seinerzeit noch von der Nordhalbkugel aus hätten sehen können. Damals wurde der hellste Stern des Kreuzes für ein anderes Sternbild gebraucht. Durch kleinste fortwährende Richtungsänderung der Erdrotation (Präzessionsbewegung) tauchte das Kreuz des Südens viel später dann im Südhimmel auf, wo es dann wieder etwas später, so etwa im 16. Jahrhundert, von Seefahrern entdeckt wurde. Anfangs wollte man das Kreuz Christi darin erkennen. Alsbald erkannte man den großen Wert zur Orientierung und Bestimmung der Himmelsrichtungen. Es gilt dabei folgende Faustregel: Verlängert man die Längsachse des Kreuzes drei Mal nach "oben" (andere Quellen sprechen von einer fünffachen Verlängerung) und fällt dann das Lot zur Erde, so hat man die Richtung gen Südpol.

Auch wenn die Seefahrer zur Orientierung nicht mehr auf das Kreuz des Südens angewiesen sind, hat es im Laufe der Zeit nichts seiner Berühmtheit eingebüßt. Mittlerweile ist das Kreuz sogar Bestandteil vieler Landesflaggen, so zum Beispiel in Brasilien, Neuseeland, Autralien oder der argentinischen Provinz Feuerland.

Samstag, 24. Januar 2009

Hundstage in Patagonien

Es ist viel los in der Welt. Obama ist endlich - und diesmal mit den richtigen Worten - auf seinen Job eingeschworen worden, die argentinische Präsidentin zeigt sich in diesen Tagen jedoch lieber auf Kuba und mit Venezuelas linkem Agitator Chávez (siehe Links unten), und in Patagonien erleben wir richtige Hundstage auf argentinisch, den heißesten Tagen seit Beginn der Aufzeichnungen der hiesigen Wetterdaten im Jahr 1923. Just als wir - mal wieder (siehe Post vom 27.05.08) - in Las Grutas (Die Grotten) Halt machen, werden dort Rekordtemperaturen von 43,7 Grad Celsius gemessen. Die heißgekochte Suppe in unseren Köpfen können wir im atlantischen Meer gerade noch annähernd auf Körpertemeperatur herunterkühlen, und am Strand von Las Grutas, der durch die felsige Küste auf wenige hundert Meter begrenzt ist, tummeln sich die Urlauber wie Ameisen im Sand und im Wasser, seht euch das Foto oben aus der Zeitung Río Negro an. Unser Lieblingsplatz ist daher eine kleine, ruhigere Strandbar mit super Ausblick an der Bajada 28 de Febrero (siehe Fotos im Album "Las Grutas"). Ein paar passende Artikel gibts hier:

Freitag, 16. Januar 2009

Das teuerste Restaurant Argentiniens

Das Restaurant Milliways am Ende des Universums gilt laut Douglas Adams als "eine der außergewöhnlichsten Unternehmungen in der gesamten Geschichte des Gaststättengewerbes", das Kaupé dürfte demnach sicher als das teuerste Restaurant am Ende der Welt gelten, genauer in Ushuaia, der Hauptstadt der argentinischen Provinz Tierra del Fuego, die sich mit vielen anderen Orten um den Titel "Südlichste Stadt der Welt" streitet. Das Kaupé rühmt sich wie viele Gaststätten in Ushuaia mit den besten Königskrabben - und wird vom Lonely Planet empfohlen. Die Königskrabben waren ausgezeichnet - und ebenso königlich teuer. Das Hauptgericht Centolla Kaupé kostete 88 Pesos, mit einem Spinatpuder gar 90 Pesos. Die Fotos auf dieser Seite (einzelne Gerichte anklicken) geben einen originalgetreuen Eindruck der bescheidenen Portionen wieder, edel ist eben nur, was rar ist. Fazit: Geschmeckt hat es, und der Service war auch ausgezeichnet, wie wir es bisher in keinem argentinischen Restaurant erlebt haben. Und das kostet eben seinen Preis. Nur, während wir gegenüber den Preisen im Reiseführer aus dem Jahr 2006 eine durchschnittliche Preissteigerung von 80 bis 100 Prozent feststellen können, sind die Preise im Kaupé mal eben um rund 150 Prozent gestiegen. Weitere Kommentare erübrigen sich, nachdem auf der Rechnung auch noch je 6 Pesos für's Gedeck auftauchten.

Post scriptum: Heute Abend hatten wir in Puerto San Julián leckere Tintenfischringe als Vorspeise, ein Milanesa mit Papas fristas und ausgezeichnete Tallarines mit frischen Meeresfrüchten, dazu Getränke, eine Nachspeise hat nicht mehr gepasst. Gesamtpreis: 87,50 Pesos. Das Restaurant Naos findet man ganz leicht am Hafen rechts (Straße 9 de Julio und Mitre).

Sonntag, 11. Januar 2009

Tierische Clowns

An vielen patagonischen Küstenabschnitten kann man sie finden. Die berühmteste Kolonie lebt am Punta Tombo, circa 60 Kilometer südlich der Industriestadt Rawson. Dort brütet in den Sommermonaten eine halbe Million der Art Magellan-Pinguin (Spheniscus magellanicus). Wir entscheiden uns jedoch einen anderen, touristisch nicht so überlaufenen Ort zu besuchen, die Cabo dos Bahias, um diese netten Artgenossen zu sehen. Suchen muss man sie dort auch nicht, denn schon am Parkplatz präsentieren sich die kleinen Spaßvögel zahlreich. Die meisten stehen regungslos und hochschnabelig der Sonne zugeneigt und zeigen kein besonderes Interesse an uns Zweibeinern. Die Sonne, die Luft und das Meer scheinen sie vollends zu genießen, sie wirken rundherum zufrieden, entspannt und Daseins-bejahend, dass man sich wünscht, ein Pinguin zu sein. Der Schein zu Anfang trügt jedoch etwas. Ein paar Schritte weiter eröffnet sich das, was zunächst wie eine Massendemonstration von Charlie-Chaplin-Fans aussieht. Hat sich das Auge jedoch an die Weite gewöhnt, erkennt man eine schier unendliche Pinguin-Metropole, aus der es stetig quietscht, schmatzt, brummt und knurrt. Man läuft durch diese Kolonie im Schneckentempo, schafft es kaum seine Augen auf den wackeligen Steg zu richten, so viel gibt es zu sehen und zu entdecken. Es kommt einem vor, als betrachte man ein großes Wimmelbild: Hier werden die Federn des einen gesäubert, dort werden Junge gefüttert, weiter hinten streiten sich zwei andere Pinguine. Dabei scheint es um etwas Ernstes zu gehen, denn die beiden gehen mit größter Brutalität aufeinander zu und schlagen sich - klappklappklapp - mit ihren Flügeln. Andere wiederum zeigen dann doch einen Anflug von Neugierde und betrachten uns eindringlich, als ob Außerirdische auf ihrem Planeten gelandet seien. Bei allem was sie tun - sei es gehen, stehen, laufen, streiten, putzen oder essen - wirken die kleinen Tiere so tollpatschig, plump und ungeschickt, dass die bloße Beobachtung eine wahre Freude ist und jedem Besucher ein Lächeln entlockt. Hier und da passieren Missgeschicke, die mit jedem Video von „Pleiten, Pech und Pannen“ mithalten könnten. Mehrmals beobachten wir, wie Pinguine stolz und aufrecht einen Berg erklimmen, um sogleich mit voller Kraft gegen den gespannten Besucherzaun zu prallen. Hier und da stoßen zwei zusammen und oder fallen zu Boden, was ihnen jedoch Nichts auszumachen scheint, denn sofort geht man seines Weges weiter, als ob nichts gewesen wäre. Das Agieren zu Land scheint derartig unökonomisch und aufwendig zu sein, dass ich mich fragen muss, ob es nicht furchtbar anstrengend und nervig sein muss, in solch einem Körper geboren zu sein. Informationsschilder belehren uns jedoch, dass sich die Pinguine Studien zufolge auch an Land geradezu ökonomisch effizient fortbewegen.

Ist man am Aussichtspunkt auf die Küste angelangt, wendet sich das Blatt drastisch, und die Herrschaften zeigen ihre Königsdisziplin: Man muss schon genau hinschauen, um die flinken Vögel im Wasser nicht mit Delfinen zu verwechseln. Wie in einem Rennen um Leben und Tod rasen immer wieder kleine Grüppchen auf den Strand zu, zu gleichen Teilen in der Luft und im Wasser. Man kann es kaum glauben, wie aus den behäbigen Wonneproppen auf einmal wendige Schwimmer werden können. Welch eine Verwandlung!

PS: Eine weitere interessante Beobachtung betrifft das Verdauungsverhalten. Die Ausscheidung geschieht mit einer derartigen Geschwindigkeit, dass man bei dem dabei entstehenden Geräusch an eine Feuerwerksrakete denken muss. Dies hat auch schon Forscher neugierig gemacht. Tatsächlich gibt es eine preisgekrönte Forschungsarbeit mit dem stolzen Namen: "Pressures Produced When Penguins Pooh".




Montag, 5. Januar 2009

Über den Wolken

Lange hat sich hier nichts getan, wird Zeit, dass wir mal wieder vom Ende der Welt berichten. Aber nicht aus Bariloche, das ja eigentlich noch zarte 2000 Kilometer vom Ende der Welt entfernt ist, sondern vom richtigen Ende, dem Feuerland, dem wir uns mehr und mehr nähern. Vor rund zwei Wochen sind wir in unsere verdienten Sommerferien aufgebrochen, haben erstmal Weihnachten am Strand verbracht, in Playas Doradas, einem Kaff ohne Handy und Telefon. Dann haben wir uns auf den Weg gen Süden gemacht, noch mal über die Halbinsel Península Valdéz (UNESCO Welterbe, siehe Post "Wale"), haben am Cabo Dos Bahías im Nirgendwo Patagoniens in Containern übernachtet, sind insgesamt 1000 Kilometer an der Atlantikküste entlang bis Puerto San Julian gefahren, um dann rechts ins Nirgedwo abzubiegen und 400 Kilometer durchs Nirgendwo Patagoniens zu fahren. (Siehe auch Post "La Ruta 40".)

Mittlerweile sind wir in El Chaltén angekommen, einem bei Bergsteigern und Bergwanderern beliebten Örtchen nördlich der berühmten Gletscher im Nationalpark Los Glaciares. Und genau hier versteckte sich über den Wolken lange Zeit der Cerro Fitz Roy. Gestern im Trockenen mit dem Zelt losgezogen, um ihm näher zu kommen, sind wir nachmittags erstmal pitschnass geworden, haben abends bei Schneeregen die Laguna de Los Tres erklommen, die den besten Blick auf den Berg bietet..., wenn der Berg denn will (Fotos unten: ein Blick von der Laguna de Los Tres (rechts) auf die Laguna Sucia = schmutzige Lagune). Erst heute morgen haben wir ihn dann gesehen, von ein paar Sonnenstrahlen umspielt und verrückten Wolken, die dort glaube ich produziert werden (Foto oben rechts). Auf dem Weg zum ebenfalls grandiosen Cerro Torre haben sich dann schon wieder Regenwolken zusammengebraut und wir sind mit den ersten Tropfen zurück nach El Chaltén geflüchtet. Morgen geht´s weiter nach El Calafate, um den Gletscher Perito Moreno kalben zu sehen.

Samstag, 23. August 2008

Gletscher Perito Moreno kalbt

Während wir im Norden des Landes unterwegs waren, sorgte der Perito-Moreno-Gletscher im tiefsten Süden Patagoniens für Aufsehen, als er einen riesigen Stoß seines massiven Eises in den Lago Argentino erbrach. Der Gletscher gehört zu den wenigen kontinentalen Eisflächen, die noch wachsen!



Weitere interessante Informationen und Filmaufnahmen finden sich auf der Seite von Lupacorp.com ... und natürlich bei YOUtube.

Auf der Karte sieht man die Provinz Santa Cruz, die von der Ruta 40 (siehe Post) durchzogen wird und mit vielen Sehenswürdigkeiten wie versteinerten Wäldern Bosques Petrificados Sarmiento, historischen Höhlenmalereien Cueva de las Manos und natürlich Nationalparks wie dem Parque Nacional Los Glaciares aufwartet.


Ver mapa más grande

Dienstag, 27. Mai 2008

Jetzt ist der Sommer nur noch Erinnerung

Der Winter steht vor der Tür, die Temperaturen bewegen sich um den Gefrierpunkt, die Bergspitzen sind in Weiß gehüllt und die ersten Glatteisunfälle ereignen sich auf den Straßen. Morgens wird es erst gegen 8 Uhr 30 hell und abends um 18 Uhr reicht das Tageslicht nicht mehr aus, um im Haus eine Zeitung lesen zu können. Tagelanger Dauerregen macht müde, man will am liebsten das Haus gar nicht mehr verlassen. Die Zeit vor der Wintersonnenwende lässt einen melancholisch sein, das Gemüt wird schwer, aus Dur wird plötzlich Moll, und so ist es nicht verwunderlich, dass man einfach die Augen schließt und sich, genau wie Frederik, die Sonnenstrahlen des Sommers noch einmal in Erinnerung holt.

Zum Beispiel die Erinnerung an Las Grutas, ein kleiner Ort an der atlantischen Küste, den wir in der Osterwoche besucht hatten. Fährt man von Bariloche aus quer durch Patagonien, so landet man in dem für die Barilochenser so beliebten Badeort.

Die Anfahrt gestaltete sich für uns verwöhnte Europäer auch hier wieder etwas mühsam, da die Straßen zur Küste nicht asphaltiert sind. Anfangs glaubten wir kaum, dass wir während der Busfahrt ein Auge zu bekämen, denn Schlaglöcher und Steine auf dem Weg erweckten den Eindruck, dass wir uns in einem Mittelklasseraumschiff inmitten eines Meteroritenschauer befänden. Nach einer Flasche Rotwein jedoch machte uns das gar nichts mehr aus und so spielten wir in unseren Träumen bei originalgetreuer Kulisse weiter Starwars & Co. Und in einem Ruck waren wir dann an der Küste.

Las Grutas ist für zwei Dinge bekannt, zum einen für seine steil abfallenden Felswände, in die in regelmäßigen Abständen die sogenannten bajadas (Abgänge Nr. 1 - 7) gehauen sind und den Zugang zum Meer ermöglichen. Bei Flut reicht das Meer bis an diese Felswände, und so haben sich durch die ständige Spülung dort an einigen Stellen im Laufe der Zeit Grotten (grutas) gebildet. Das zweite Merkmal von Las Grutas ist der immense Tidenhub des Meeres. Bei Ebbe zieht sich das Meer weit zurück und zum Baden muss man einige hundert Meter zum Wasser laufen, während bei Flut das Wasser bis zur Felswand reicht, so dass es teiweilse keinen Zugang mehr zum Meer gibt und nur noch an einer Stelle ein kleiner Strand zur Verfügung steht. Das ist die Zeit, in der man einerseits oben auf der Felswand scharenweise Angler trifft und sich andererseits bei Badelust mit Millionen anderer Wasserratten ein winziges Fleckchen trockenen Strand teilen muss. Zieht sich das Meer jedoch zurück, entspannt sich alles. Raum tut sich auf, und es eröffnet sich eine scheinbar bis zum Horizont reichende Weite.
Man kann stundenlang am Strand entlang laufen (jedenfalls solange, bis dass die Flut wieder kommt), oder die Gefilde, die das Meer nun freigegeben hat, erkunden: Kleine Prile und Pfützen sind nach der Flut in dem felsigen Boden übrig geblieben und bieten kleinen Meeresbewohnern bis zur nächsten Flut ein "Dach über dem Kopf". Stundenlang kann man dort verweilen, seine Neugierde stillen und die Unterwasserwelt bestaunen. Man sieht Krebse, kleine Fische und Quallen sowie verschiedene Vögel aus nächster Nähe.
Wem dies aber nicht reicht und auch der Weg zum Meer nun zu weit erscheint, dem hat Las Grutas seit einigen Jahren auch noch etwas anderes zu bieten und zwar die in den Stein gehauenen piletas (Schwimmbäder), die zwar bei Flut einen Teil des Meeresbodens ausmachen, bei Ebbe jedoch freigelegt werden und so, stets gefüllt mit frischem Meereswasser, den fußkranken Wasserratten ein sicheres Badevergnügen bereitet.

Wir verbrachten die Tage dort mit all diesen Dingen, die man in Las Grutas machen kann. Neben dem Warten auf die Flut und dabei den Anglern zuschauen, am Strand entlang laufen, stundenlanger Meeresforschung und Muschelsuche genossen wir die freie Zeit mit frischen licuados, leckeren Meeresfrüchten (allerdings nur Marc) oder einem gemütlichem Mate unter freiem Himmel.

Donnerstag, 8. Mai 2008

Asche auf unsere Häupter

Am Abend hat es dann auch schon angefangen Asche zu regnen. Nun wurde auch Bariloche mit einem grauen Mantel übergezogen, den man, wenn man es nicht besser wüsste, fast für Schnee halten könnte.
Akuellte Bilder der Stadt unter: http://www.bariloche2000.com/ Eigene Bilder seht ihre unten. Wir müssen jetzt zur Schule, denn die Deutsche Schule ist neben der Don-Bosco-Schule die einzige in der Stadt, die heute ihr Tore öffnet. Alle anderen Schüler (und Lehrer) haben den ersten schulfreien Aschermittwoch, perdón, Ascherdonnerstag!
Hier aktuelle Bilder aus unserem Garten:













Jetzt kann jeder seinen eigenen echten Vulkan bauen!








Aber 'mal ehrlich: Das ist 'ne ganz schöne Sauerei ...... und auch ganz schön gefährlich. Dieses Puder ist extrem rutschig!

Mittwoch, 7. Mai 2008

Chile lässt Dampf ab!

Nachdem in der Hauptstadt die Luft wieder rein ist und demnach der Name (Buenos Aires - gute Lüfte) wieder Programm ist (sein soll), hat in diesen Tagen Argentinien ein neues Problem mit der frischen Luft, diesmal weiter südlich, und diesmal könnte es auch uns betreffen.

Erstes Rauchproblem kam Mitte April zu Stande, als die Bauern rund um die Hauptstadt ihre Felder anzündeten, um das Land fruchtbar zu machen. Dies geriet jedoch aufgrund ungünstiger Winde und der langen Trockenheit außer Kontrolle. Die Sicht in der Stadt war teilweise gleich null und auf den Straßen ereigneten sich zahlreiche tragische Unfälle. Weitere Infos dazu auf folgenden Seiten der "Zeit", der "Süddeutschen" und bei "N-TV".

Ein neus Problem hält die Bevölkerung besonders im Süden Chiles, aber auch im angrenzenden Argentinien in Atem. Der als schlafend eingestufte Vulkan Chaitén brach Ende der letzten Woche aus und speit seit dem Lava und Asche in die Höhe und über die argentinische Steppe (Fotos oben). Die am Fuße des Vulkans gelegene gleichnamige Stadt Chaitén und die umliegenden Dörfer wurden evakuiert (siehe Karte unten); die Tagesschau berichtet derzeit darüber.

Durch den Feiertag am 1. Mai gönnten wir uns ein verlängertes Wochenende in Paso Flores, einer Estancia ca. 150 Kilometer nordöstlich von Bariloche. (Wir werden über diesen erlebnisreichen Ausflug noch ausführlich berichten.) Heute sei nur angemerkt, dass selbst dort Spuren des Vulkanausbruchs zu erkennen waren. Kleinste Aschepartikel rieselten auf die Erde nieder und überzogen alles mit einer weißen Staubschicht, auch unser Auto... ->




Bis heute wurde die Stadt Bariloche von den Aschewolken verschont, durch Veränderungen der Wetterlage kann sich dies jedoch ändern. Das etwas weiter südlich von Bariloche gelegene El Bolson ist bereits betroffen und in weiß gehüllt, Schulen und Kindergärten blieben dort geschlossen. Ob es schon in diesen Tagen bei uns bis ins Tal herunter weiß wird und die Asche auch Bariloche erreicht, ist nicht auszuschließen (Info über Bariloche: hier und hier).

Montag, 31. März 2008

La Ruta 40

Ende Februar hieß es schon wieder Koffer packen, um das Fernweh zu stillen. Diesmal ging es Richtung Süden und diesmal waren die Schwiegereltern mit im Gepäck. Obwohl die Schule noch nicht angefangen, Marc jedoch schon Schulpflicht hatte, konnte er diese Reise nicht mit uns antreten.
Ein Bus von Chaltén Trafel fuhr uns am ersten Tag durch die komplette Provinz Chubut bis in die Provinz Santa Cruz, genauer gesagt, nach Perito Moreno, einem kleinen unbedeutenden Städtchen mitten im Nirgendwo, circa 800 km südlich von Bariloche. Von hier aus ging es am nächten Morgen weiter, zunächst zur Cueva de las Manos. In einer atemberaubend schönen Schlucht des Río Pinturas wurden 1941 eine Fülle von Höhlemalereien entdeckt, deren Ursprung man um 7.000 v. Chr. schätzt. Sie zeigen neben einer großen Vielfalt an Händen auch Tiere, Jagdszenen und einfache Muster. 1999 hat man diese Höhlen zum Weltkulturerbe der Unesco ernannt.
Von da aus ging es nachmittags weiter nach El Chaltén am Lago Viedma, größtenteils über Schotterpisten übrigens. Am Fuße des beeindruckenen Berges Fitz Roy haben sich hier vor 20 Jahren die ersten Siedler niedergelassen. Heute lebt das Dorf fast ausschließich vom Bergtourismus. In der Hochsaison steigt die Einwohnerzahl von einigen hundert bis auf 15.000 an. Nach einer Übernachtung in einer gemütlichen Jugendherberge versuchten wir die Gegend zu erkunden. Der Versuch wurde aufgrund heftigster Windböen jedoch schon im Keim erstickt. Dies sei sehr typisch für diese Region, sagte man uns. Will man den Berg hinauf, müssen Bergsteiger oft tagelang warten, bis das Wetter eine Wandertour überhaupt erst möglich macht.
Gegen Mittag ging es dann wieder weiter Richtung El Calafate. Vollkommen auf Rüttel-Entzug - wir hatten mittlwerweile schon fast 16 Stunden nicht mehr in einem Bus gesessen - jubelten wir, als wir auf der nächsten Schotterpiste endlich wieder die Durchblutung in Gesäß und Oberschenkel auf die Probe stellen konnten. Das Sitzen auf den üblichen Reisesitzen, die Scheiben, die uns stets von der Außenwelt trennten, unter uns die vier großen rollenden Reifen, sowie der pausenlose Schleudergang waren mittlerweile so vertraute Begleiter geworden, dass wir uns im Bus schon fast heimisch fühlten. Immerhin: Wir können sagen, dass wir die berühmte Ruta 40, die längste Fernstraße Argentiniens, gefahren sind. Dass es sich dabei um eine Schotterpiste der abenteuerlichsten Art handelt, ist eher nebensächlich. Den meisten Schaden hatte wohl eher das Busunternehmen zu beklagen, denn die wild umherschleudernden Steine unter uns haben sichherlich ihre Spuren hinterlassen, nicht nur in unserem Trommelfell.
Das Endziel unserer Reise war El Calafate, das seinen Namen von einem in der Gegend wachsenden Beerenstrauch bekommen hat, dessen Früchte die Leute zu wunderbar schmeckenden Marmeladen, Kuchen und Eis weiterverarbeiten. Der Ort ist Ausgangspunkt zum Nationalpark Los Glaciares, der berühmt und bekannt ist für seine atemberaubende Gletscherlandschaft, übrigens auch ein Weltkulturerbe der Unesco. Der berühmteste Gletscher ist der Perito Moreno Gletscher, benannt nach dem berühmten Geograph und Anthropologen Francisco Pascasio Moreno (kurioserweise ist er nie dort gewesen). So staunten auch wir beim Anblick dieses Naturwunders und standen ehrfürchtig vor einer zum Teil 60 Meter hohen Gletscherwand, von der von Zeit zu Zeit Stücke in den kalten Lagao Argentino abbrachen. Wie in einem Fußballstadion jubelten die Zuschauer, als sie Zeuge dieser Erscheinung sein durften, sahen und hörten, wie das Eis erst mit einem Ächzen, dann aber mit einem lauten Krachen in die Tiefe stürzte. Noch einige Sekunden danach konnte man die Auswirkungen und die Kraft des Eises an den aufschlagenden Wellen erkennen.
Der Gletscher wächst übrigens weiter, entgegen allen anderen Gletschern auf der Welt; täglich schiebt er sich einige Zentimeter nach vorn, bis er eines Tages einen der Zuflüsse des Lago Argentino blockiert, sich hier das Wasser aufstaut und einen enormen Druck erzeugt. Wird dieser zu hoch, so geben die Eismassen in einem spektakulären Tosen, Brechen und Knallen nach und ein riesiger Eisberg stürzt in den See. Dieses Ereignis gab es zum letzten Mal im März 2006, mit einer erneuten "Vorführung" dieser Szene wird in diesem Winter gerechnet. Wer sich davon ein Bild machen will, der kann bei diesem Filmchen (siehe unten) staunen und Gänsehaut bekommen.
Anklicken lohnt sich!
Schade, dass wir nicht live dabei sein konnten, dennoch: Uns bleibt ohne die große Show ein unvergesslicher Eindruck, an den wir uns immer wieder gerne zurück erinnern werden.

Müde und immer noch ziemlich durchgerüttelt, kamen wir nach fünf Tagen Ruta 40 und vielen weiteren Erschütterungen und Rührungen wieder in Bariloche an. Zurück haben wir uns ein Flugzeug gegönnt. Es reichte uns die eine Kostprobe der Ruta 40!

Sonntag, 16. März 2008

Das Wandern ist des Gringos Lust

Im Frühtau zu Berge wir geh´n, fallera,
es grünen die Wälder, die Höhn, fallera.
Wir wandern ohne Sorgen
singend in den Morgen
noch ehe im Tale die Hähne krähn.







Nicht ganz so harmonisch wie im Volkslied verlief unsere erste gemeinsame Wandertour zu einem der vielen Refugios rund um Bariloche. Marc hatte bereits einige paar Tage zuvor die Bergwelt unsicher machen wollen, was jedoch nicht von Erfolg gekrönt war, denn die Bergwelt war eindeutig stärker und schaffte es ihrerseits, Marc tief zu verunsichern. Die Beratung im hiesigen Club Andino, der für Ausflüge in die Berge der erste Ansprechpartner sein soll, enttäuschte doch arg. Alle Touren seien gut zu schaffen, die Wege prima und alles kein Problem. Jedoch war Marcs zweitägige Wandertour Paso de las Nubes alles andere als anfängertauglich. Nach diesen Erfahrungen glaubten wir danach doch lieber der Meinung der Kollegen und Bekannten, die uns eine Wanderung zum Refugio Otto Meiling auf dem Tronador empfahlen, mit 3491 m der höchste Berg in unserer Umgebung. Der von Gletschern umgebene Berg macht seinem Namen (Donnerer) alle Ehre, denn von Zeit zu Zeit hört man schon von weitem das Grollen, wenn Eismassen in die Tiefen stürzen. Ausgangspunkt der Wanderung ist Pampa Linda, das man nach einer zweistündigen Fahrt über 50 km Schotterpiste erreicht. Kurz vor Beginn dieser Buckelpiste wird Eintrittsgeld zum Parque Nacional Nahuel Huapi verlangt, dem ältesten Nationalpark Argentiniens. Als Ansässige haben wir jedoch freien Eintritt. Zu beachten ist zusätzlich, dass die Verkehrsrichtung der Straße alle fünf Stunden wechselt: Nach Pampa Linda hin kommt man nur zwischen 9 und 14 Uhr, bis 19 Uhr geht es dann in die andere Richtung zurück nach Bariloche. Für die Wanderung sind vom Startpunkt bis zur Berghütte fünf Stunden angesetzt. Ich gehe jedoch davon aus, dass wir schneller sind, zu oft konnten wir in der Vergangenheit die angegebenen Richtwerte unterbieten. Noch bin ich optimistisch und frohen Mutes: Der Himmel ohne Wolken, der Bauch gefüllt, die Haut eingecremt mit LSF 65, der Rucksack voller Proviant und Wasser, sodass es einem an nichts mangeln muss. Noch ist die Welt in Ordnung, mein Leben scheint nicht in Gefahr, ich wähne mich in der absoluten Gewissheit, dass ich diesen Tag überleben werde. Auch, nachdem wir endlich die schweren Rucksäcke auf dem Rücken tragen und die ersten Schritte wagen, ahne ich noch Nichts. Nachdem wir den Río Castaño Overo überqueren, folgt eine lange Reihe von Serpentinen, die wir stets durch kleine, quer verlaufende Trampelpfade abkürzen. Mal müssen wir unter einen umgefallenen Baumstamm langkriechen, mal einen sandigen Steilhang hoch oder herunterhängende Äste versperren uns den Weg. Dies ist allerdings im Gegensatz zu dem, was uns in Kürze erwarten wird, ein Kinderspiel. Als wir Serpentine Nr. 458 abkürzen, bekommen wir unerwarteten Besuch. Erst eine, dann zwei, drei, kurze Zeit später jedoch Hunderte. Sie nennen sich tábanos, was man gemeinhin als Bremse übersetzten würde. Jedoch das, was uns da das Leben zur Hölle macht, kann man unmöglich als Bremse bezeichnen. Da haben sich Abscheulichkeit, Dreistigkeit, Gemeinheit und Persistenz zusammengetan, um dem Menschen verschiedenste negative Emotionen zu entlocken: Wut, Angst und Verzweiflung sind ab sofort unsere Begleiter. Sie fliegen wie Bienenschwärme um Kopf und Beine herum, versuchen um jeden Preis Hautkontakt zu bekommen, und einige versuchen es sogar in allen möglichen Körperöffnungen. Bleibt man stehen, ist man ihnen ausgeliefert. So ist Bewegung der einzige klägliche Ausweg, mit dieser Situation fertig zu werden. Wenn wir anderen Wanderern begegnen, schauen wir uns stumm und mitleidig an, Anteilnahme braucht hier keine Worte, das wäre auch fatal, denn beim Öffnen des Mundes eröffnen sich neue Horizonte für unsere lästigen Begleiter. Das stetige Schlagen und Schwingen eines Tuches oder Hutes scheint Abhilfe zu bringen, andere versuchen es mit Tanzen, wiederum andere vermummen sich mit allem, was sie dabei haben. Würde man von oben auf den Berg schauen können, sähe man eine Horde wildgewordener Wanderer, die offenbar alle von derselben Geisteskrankheit befallen sind. Eine Pause ist aufgrund der hohen Angriffsgefahr nicht möglich, Gehen und Bewegen heißt die Devise. An der Baumgrenze vorbei, sind wir nun auch der Sonne schutzlos ausgeliefert. Körperliche Schwäche stellt sich ein, Schweiß, Sonnencreme und Staub bringen Unerfreuliches, eine pelzige, schmierige Schicht bildet sich auf unserer Haut. Mir macht das allerdings nicht mehr viel aus, denn ich habe das Gefühl, mein Leben retten zu müssen. Keuchend, wankend und kraftlos suchen wir Schutz vor der Sonne unter einem kleinen Felsvorsprung. Zwei Dosen kühle Limonade, die Marc zur großen Überraschung aus dem Rucksack zaubert, haben gleich eine doppelte Wirkung: Der Zucker verhilft uns zu neuer Energie und so wird auch der Rucksack leichter. Die letzte Stunde ist angebrochen, an den Gletscherfeldern angelangt tut sich die letzte Etappe auf. Endlich haben wir Sichtkontakt zum Zielobjekt, was hilft, die letzten Energiereserven zu sammeln. Nach fünfeinhalb Stunden sind wir oben angekommen und uns erschließt sich eine spektakuläre Sicht auf die drei Gipfelspitzen des Cerro Tronador, viele Gletscher und die Andenkette. Alle Strapazen und Anstrengungen sind vergessen. Nach einem zünftigen Abendessen genießen wir den Sonnenuntergang, die Sterne und die Stille der Nacht. Ein Erlebnis, das zur Wiederholung einlädt!

PS: Zwei Wochen später hätten wir die tábanos wohl nicht kennen gelernt, sie haben eine recht kurze Lebensdauer und zeigen sich in dieser Gegend nur im Januar und Februar.