Montag, 30. Juli 2007

Valparaíso

Valparaíso, die Stadt, die auf 45 Hügeln erbaut ist, da sollen die Römer noch mal was sagen. Vom Hafen aus winden sich die Straßen die Hänge hinauf, die mit kleinen bunten Häusern übersäht sind. (Ehrlich gesagt hatte ich irgendwie den Eindruck, als würde ein riesiges Geschwür von Häusern den Berg befallen.) Valparaíso ist auf jeden Fall einen Besuch wert, der Winter ist recht mild, die Strände sind auch nicht weit und kulturell hat die Stadt so einiges zu bieten: uralte schräge Aufzüge die Hänge hinauf, ein Haus des weltbekannten chilenischen Dichters Pablo Neruda und manch imposanter Kolonialbau und ein historischer Stadtkern, wie sich das für eine UNESCO - Weltkulturerbe - Stadt gehört. Dass Valparaíso eine der schönsten Städte der Welt sei, wie es im Wiki-Artikel steht, kann ich allerdings nicht unterschreiben, aber die UNESCO wird es schon wissen.

Heute morgen beim ausgiebigen Frühstück (mit Salami, Käse, Marmelade und frischem Obst!) haben wir mit Fernando und Alejandra aus Santiago gesprochen (sie besitzen ein Restaurant in Valparaíso), die uns unter anderem erzählten, in Chile würden seit einigen Jahren Sprachkurse in "Mandarin" angeboten und heiß nachgefragt, weil Chile umfangreiche Handelsabkommen mit China laufen habe (Freihandelsabkommen seit 2005). Eigentlich logisch, chilenisches Chinesisch, von Chile aus ein bisschen nach Norden rauf, schnell den Äquator langgeschippert, dann durch Mikronesien, zwei Buchstaben getauscht und schon ist man in China ...

Chile ist Südamerikas Exportmeister (Verhandlungen über Freinhandelsabkommen mit Japan und Indien laufen ebenfalls) und größter Kupferproduzent der Welt, die Wirtschaft boomt, und durch die zeitweise hohe Inflation der vergangengen Jahrzehnte gibt es am Bankautomaten inzwischen auch 100.000 Peso zu ziehen. Mit 200.000 Peso in der Tasche ist uns ganz schön schwindlig geworden (1 Euro sind rund 700 Chilenische Peso), aber sonst hätten wir das Zimmer in unserer netten Hospedaje "El Mirador" nicht bezahlen können, es hat glatte 24.000 Peso gekostet - mit tollem Frühstück, wie gesagt, was wir ja aus Argentinien gar nicht mehr gewöhnt waren, da waren wir schon überglücklich, wenns im Hotel Porteño (Mina Clavero) eine hausgemachte Marmelade zu den Medialunas gab (siehe Post "Auf der Durchreise").

Samstag, 28. Juli 2007

Durch die Anden

Unser nächstes Ziel heißt Valparaiso, die Stadt, die Jules Verne in seinen Romanen erwähnt, der Sting einen Song widmet und die gerne als „Hamburg des Südens“ bezeichnet wird. Die Reise dorthin unterscheidet sich etwas von den bisherigen, denn heute werden wir so einige Höhenmeter machen und zum ersten Mal die Anden überqueren.

Von Mendoza fährt man durch endlose Täler und Ebenen auf die Anden zu und erhascht dabei nicht selten einen wunderbaren Blick auf den höchsten Berg der Anden, ganz Amerikas und der gesamten Südhalbkugel: der Aconcagua. Der Rio Mendoza ist dabei unser Begleiter, er windet sich durch die Täler. Einst ziemlich breit und groß, fließt zurzeit jedoch nur sehr wenig Wasser den Mendoza herunter, da es für die Bewässerung der Oase Mendoza mitsamt seinem berühmten Weinanbau genutzt wird. Auch ohne reißenden Fluss genießen unsere Augen den großen Raum und die weite Ebene, die die Berge trotz ihrer stolzen Höhe zulassen. Diese schillern in bunten Braun- und Rottönen in der Morgensonne, sodass man meint sie würden leuchten.

Zuerst haben wir nicht den Eindruck, dass der Weg mühsam wäre. Später fahren wir an kilometerlangen Schlangen von Lastwagen vorbei, die schon längere Zeit an einer Stelle zu stehen scheinen. Dies wird sich bis zum Grenzübergang nach Chile nicht ändern. Der Grenzübergang "Los Libertadores" (3100 m) gilt als Hauptdurchgang für Industrie und Handel und ist dementsprechend gut besucht. Später erfahren wir, dass der Grenzübergang aufgrund eines Sturms drei Tage geschlossen war und sich daher dieses ganze Blech aufgestaut hatte. Es gibt noch einen anderen, höher gelegenen Pass ("Bermejo-Pass"), der aber im Winter nicht passierbar ist. Daher bleiben uns einskalte Winde in 3854 m Höhe erspart, aber auch leider der Anblick des „Cristo Redentor de los Andes“, der zur Schlichtung von Grenzstreitigkeiten zwischen Argentinien und Chile dort errichtet wurde.

Einige Kilometer vor der eigentlichen Grenze nach dem vielbesuchten Ski-Ort Las Cuevas genießen wir von einem Aussichtspunkt in 3200 m Höhe den Gipfel des Aconcagua. Wer wirklich geglaubt hat, wir würden den Berg gänzlich besteigen wollen (siehe Post "Mendoza"), ist uns auf den Leim gegangen. Die Besteigung erfordert zwei bis drei Wochen und darf nur von erfahrenen Bergsteigern vorgenommen werden. Dies sehen wir dann auch gleich ein, als wir auf einen kleinen Hügel steigen, um unseren Anblick und das Fotomotiv zu optimieren. Denn schon dieser kleine Aufstieg lässt uns hyperventilieren.

Zurück auf der Straße fahren wir weiter Richtung Grenze, leider ohne wirklich guten Ausblick auf die Berge, da uns die Schneemassen rechts und links die Sicht versperren. Die Straße jedoch ist frei und sehr gut passierbar. An der Grenze angekommen müssen wir endlose trámites (Diensweg, Behördengang) über uns ergehen lassen. Zunächst wollten die Argentinier nur uns, nicht aber unser Auto aus dem Land lassen, weil wir eine temporäre Aufenthaltserlaubnis hätten, das Auto aber ein argentinisches Auto sei... ??! Klar fahren wir in Argentinien ein in Argentinien zugelassenes Auto... Wir passieren dann doch drei argentinische Schalter und drei chilenische Schalter (und verbringen dort insgesamt eine Stunde), unser Auto wird haarklein unter die Lupe genommen, ob wir vielleicht Illegales ins Land einschmuggeln… und siehe da: die Grenzbeamten werden fündig: Eine Salami und ein Apfel sind die Übeltäter. Sie Wir dürfen sie vor den Augen der Beamten aufessen.

Der Weg die Anden wieder herunter auf chilenischer Seite ist etwas abenteuerlicher. Endlose Serpentinen und bedrohliche Steigungen erfordern Konzentration und Aufmerksamkeit. Wir bewundern entgegenkommende Busse und LKW, die sich die Straßen herauf quälen und schimpfen über Rowdys, die uns in gefährlichen Manövern überholen. Unten angekommen begrüßt uns eine grüne, hügelige Landschaft mit saftigen Wiesen und üppigen Wäldern. Marcs erster Eindruck: „Es ist wie im Hunsrück.“ Ich kann dies jedoch nicht bestätigen und fühle mich eher in ein asiatisches Hochland versetzt.

Mendoza

Zwei Tage in Mendoza, zwei Tage Genuss und Entspannung. Angenehmes Wetter, viel Grün, schöne, sonnige Plätze und eine nette Unterkunft haben uns den Aufenthalt derart versüßt, dass wir nicht umhin können, jedem, der nach Argentinien reisen will, diese Stadt wärmstens zu empfehlen. So wollen wir uns den Worten unseres Reiseführers (lonely planet) mit 100%iger Überzeugung anschließen:

"Als erstes fallen die Bäume ins Auge: Gingantische Platanen, die sich über den Straßen wie Baldachine ausbreiten und Mendozas lebhafte Bewohner vor der brennenden Sommersonne schützen - kein Mensch käme auf die Idee, dass die Stadt mitten in der Wüste liegt. Das verraten nur die acequias, die offenen Bewässerungskanäle entlang der Straßen, in denen das Schmelzwasser aus den Anden fließt. Sie gehören zu den eindrucksvollen Zeugnissen der präkolumbischen und kolonialen Vergangenheit der Stadt - und sind selbst da noch zu sehen, wo moderne, erdbebensichere Konstruktionen die eingestürzten historischen Gebäude ersetzt haben. Überhaupt: Mendozas Architektur versteckt sich hinter den Bäumen, man entdeckt sie erst auf den zweiten Blick. Ohne die Bäume wäre Mendoza die Hölle - doch so ist sie eine der schönsten Städte Argentiniens."

Besser hätten wir es auch nicht sagen können. Für uns die optima le Erholung vor den zu erwartenden Strapazen der Andenüberquerung nach Chile mitsamt der Besteigung des Aconcagua (6959m).


Donnerstag, 26. Juli 2007

San Juan

Auf einigen Umwegen durch die Gegend von Córdoba, über Alta Gracia, Villa General Belgrano, Mina Clavero, die Quebrada del Condorito, Chamical, das Valle de la Luna und viele endlose Kilometer durch den Cuyo sind wir in San Juan gelandet, einem netten Städtchen im Flachland vor den Anden, wo es selbst im Winter kaum unter zehn Grad wird und im Sommer die baumbewachsenen Alleen Schatten spenden. (Hier mussten wir übrigens einen Stopp einlegen, um unsere Reisepässe im Instituto Alemán abzuholen, die meine Kollegin bei uns zu Hause in Bariloche abgeholt und auf ihrer "Winterreise", die glücklicherweise auch durch San Juan führte, dort deponiert hatte, sonst wäre Chile ein Traum geblieben.) Noch ein Wort zu den Entfernungen. Ich hatte es zwar schon mal angedeutet, als wir mal eben 1100 Kilometer zu den Walen gefahren sind (eine Strecke), aber man muss sich das wirklich mal vor Augen führen: Der Weg von Bariloche nach Córdoba führt erstmal hunderte Kilometer nahezu geradeaus, dann bei Kilometer 996 gehts an der Kreuzung 90° links ab und dann wieder 600 Kilometer geradeaus, und geradeaus heißt hier mitunter wirklich geradeaus. Endlose Kilometer durch die Landschaft, die alle Stunde mal das Gesicht wechselt: Wiesen mit Sträuchern in der Pampa, Wiesen mit Rindern, Wiesen ohne Rinder, dann endloses Land mit ein paar Bäumen, vielen Sträuchern, zwischendurch mal ein Hügel, dann wieder ewiges Land, als wäre die Welt nicht schon groß genug. Und dann geht es ja so weiter, wenn man in irgendeine Richtung wieder weiter fährt, endlose 500 Kilometer bis San Juan. Bueno, San Juan ist ganz nett, aber nicht weiter der Rede wert. Wir sind gespannt auf Mendoza, der Stadt des Weines, tatsächlich nicht mehr als 170 Kilometer von San Juan entfernt!

Dienstag, 24. Juli 2007

Auf der Durchreise

In der Gegend von Córdoba haben wir einige Estancias Jesuiticas besucht, die seit einigen Jahren zum Weltkulturerbe zählen, so zum Beispiel eine schöne Estancia Jesuitica in Jesús María, 60 Kilometer nördlich von Córdoba. In Alta Gracia (30 Kilometer südwestlich von Córdoba) gibts neben einer Estancia noch eine weitere berühmte Sehenswürdigkeit: das Wohnhaus von Ernesto "Che" Guevara (siehe auch die Bedeutung von "Che"), in dem er wegen Asthma seine Jugendjahre verbrachte, heute ist es ein Museum. (Vielleicht hat er Asthma aber auch nur vorgetäuscht, um legal dopen zu dürfen...) Im letzen Jahr noch haben Fidel Castro und Hugo Chávez gemeinsam das Haus besucht, ein eigener Raum informiert jetzt darüber. Wer Lust hat, sollte sich mal die Doku "Diarios de motocicleta" (dt. Die Reise des jungen Che) über die Reise Guevaras 1952 durch Argentinien anschauen - wunderschöne Aufnahmen und viel Interessantes über Che, als er noch nicht Che war. Von dort aus ist es nicht weit nach Villa General Belgrano, einem furchtbar bayerisch angehauchten Städtchen mit hausgebrautem Bier und dem jährlichen Oktoberfest, dem größten Bierfest Argentiniens. In Mina Clavero [esp.] war es dann schon wieder schöner, vielleicht auch wegen der netten alten "Herbergseltern" im Hotel "Porteño", die uns herzlich verwöhnt haben. Es gab zu dem üblicherweise kargen argetinischen Frühstück, bestehend aus Kaffee oder Tee mit Medialunas (eine Art Chroissant), sogar anderes süßes Gebäck und vorzügliche hausgemachte Marmelade, sozusagen ein sehr ausführliches argentinisches Frühstück... Über ein Hochplateau der pampinen Sierren auf knapp 2000 Meter kommt man dann zum Eingang eines Nationalparks (Parque Nacional Quebrada del Condorito [esp.]), in dem bei warmen Aufwinden normalerweise zahllose junge Condore bei ihren Flugversuchen zu sehen sind. Leider nur fehlten die warmen Aufwinde und so haben wir uns fast umsonst bei null Grad die neun Kilometer zu den Aussichtspunkten durch eiskalten Wind gekämpft. Zwischendurch schlug das Wetter vollends um und ein paar Schneeflocken vereisten unsere Augenbrauen auf dem Rückweg. Okay, okay, so schlimm wie damals bei der Antarktisdurchquerung war es nicht... und immerhin haben wir einen kleinen Condorito gesehen, weit oben und weit weg.

Danach ging es im schnellen Ritt wieder einige hundert Kilometer durch den Cuyo in Richtung "Valle de la Luna", dem Parque Provincial de Ischigualasto (Weltnaturerbe), einem wunderschönen Naturreservat mit bizarren, jahrmillionen alten Felsformationen. Am Parkeingang mussten wir auf den Start der nächsten Karavane warten, denn den Park kann man nur mit Guide durchfahren. Und so zuckelten fast zwanzig Autos dem Guide hinterher zu den verschiedenen sehenswerten Punkten auf der 40 Kilometer langen Rundstrecke. Und wie es der Zufall so will - die Welt ist ja bekanntlich klein -, hören wir plötzlich jemanden rufen: "Marc, was machst du denn hier?" Da quatscht uns mein Kollege an (der auch noch Seeger heißt, kein Witz!), den ich im November in Köln bei der Vorbereitung auf die "Mission: Argentinien" kennen gelernt hatte, und der jetzt im Instituto Lenguas Vivas in Buenos Aires in der Lehrerausbildung tätig ist. Alle paar Kilometer haben wir unsere Plauderei dann auf den Zwischenstopps fortgesetzt. Sachen gibts...